Zuger Rohstoff-Gigant

20. November 2012 16:24; Akt: 20.11.2012 18:34 Print

Glencore/Xstrata-Megafusion steht

Die Aktionäre des Minenkonzerns Xstrata haben in Zug der Fusion mit dem Rohstoffgiganten Glencore zugestimmt. Zur geplanten Fusion äussern müssen sich nun noch Wettbewerbsbehörden in mehreren Ländern.

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Xstrata-Boss John Bond (3vl) und seine Manager auf dem Weg zur Aktionärsversammlung im Casino-Theater in Zug. (Bild: Reuters)

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Die Aktionäre des Bergbaukonzerns Xstrata sind für eine Fusion mit dem Rohstoffriesen Glencore. Die Rohstoffmanager um Ivan Glasenberg müssen nun auf grünes Licht der Wettbewerbsbehörden hoffen, um einen der grössten Konzerne der Welt schmieden zu können.

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Die von Glencore während zehn Monaten umworbenen Xstrata- Aktionäre sagten am Dienstag in Zug mit 90 Prozent der Stimmen ja zur Fusion. Der Xstrata-Verwaltungsrat unter Sir John Bond musste aber eine Niederlage hinnehmen, als die Investoren schon in einer Vorabstimmung einen massiven Bonusplan verhinderten.

Etwa 70 Manager des Minenkonzerns hätten 144 Pfund (216 Mio. Fr.) erhalten sollen. Sir John hatte vor dem Votum um Zustimmung gebeten, weil er mit diesen Summen die Führungsriege angesichts drohender Machteinbussen an Bord halten wollte. Im fusionierten Konzern soll nämlich Glencore-Chef Glasenberg das Sagen haben.

Kompliziertes Verfahren

In einer Abstimmung über die Rahmenbedingungen der Generalversammlung erreichte der Bonusplan knapp 70 Prozent der Stimmen und verpasste die notwendige Drei-Viertels-Mehrheit. An der eigentlichen Generalversammlung wurde der Plan abermals deutlich abgelehnt.

Der Fusionsplan, der im Februar vorgestellt worden war, schmeckte einigen Aktionären am Anfang nicht. So waren beispielsweise der britische Lebensversicherer Standard Life und das Golfemirat Katar mit den angebotenen 2,8 Glencore-Aktien für einen Xstrata-Titel nicht einverstanden.

Glencore besserte nach und bot Anfang Oktober 3,05 Aktien an. Zu dieser Bedingung wurde der Deal am Dienstag in Zug auch gutgeheissen. Der Deal ist damit etwa 31 Mrd. Dollar schwer.

Brüssel informiert

Standard Life gehörte auch zu den Wortführern bei der Kritik am Vergütungsplan. Der Staatsfonds des Golfemirats Katar mit seinem 12- Prozent-Anteil hingegen hatte vergangene Woche angekündigt, sich bei der Abstimmung zu den Boni zu enthalten. Nicht abstimmen durfte wegen Bestimmungen des englischen Rechts Glencore selbst, mit 34 Prozent ebenfalls Grossaktionär bei Xstrata.

Nun müssen die Fusionswilligen noch auf grünes Licht von mehreren Wettbewerbsbehörden hoffen. Die EU-Kommission in Brüssel will Glencore und Xstrata am Donnerstag über ihre Haltung informieren. Mitreden wird auch China, der grösste Abnehmer für Rohstoffe auf der Welt.

Ferner begutachten die Wettbewerbsbehörden in den wichtigen Förderländern Australien und Südafrika den Plan. In Bergbau wäre «Glencore Xstrata» das viertgrösste Unternehmen der Welt nach dem brasilianischen Konkurrenten Vale, der britisch-australischen BHP Billiton und der britisch-südafrikanischen Anglo-American-Gruppe.

Kritik an Geschäftsgebaren

Der Megakonzern würde an die 200 Mrd. Dollar Umsatz machen. Die Fusionspläne stiessen am Dienstag allerdings auch auf Kritik von Menschenrechtsgruppen und Umweltschützern. Vor dem Tagungsort, dem Zuger Casino-Theater, demonstrierten Juso Zug und Junge Alternative Zug gegen Xstrata.

Der Vorwurf lautete, die Grosskonzerne in Bergbau und Rohstoffhandel würden arme Länder ausbeuten und die Umwelt in den Abbauländern Afrikas und Lateinamerikas verschmutzen. Kritik übten die Gruppen auch auch den Arbeits- und Gesundheitsbedingungen der Bergbauarbeiter.

An der Aktionärsversammlung meldete sich deswegen unter anderem der ehemalige Grüne Zuger Nationalrat und Friedensaktivist Jo Lang zu Wort und kritisierte die anwesende Xstrata-Managerriege. Xstrata- Chef Mick Davis entgegnete, sein Unternehmen sei in der Branche führend in Nachhaltigkeitsfragen und bringe Arbeitsplätze, Ausbildung und Dienstleistungen in die Abbauländer.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Benno am 21.11.2012 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Legendary

    Die Kirche wird sich freuen ;-).. Gibts noch etwas mehr als 18 mio. Franken jährlich auf das geheiligte Sparchbüchlein.

  • Thomas A. Anderson am 20.11.2012 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hammer!

    Ein schöner Teil der zukünftigen Steuereinnahmen im Kanton Zug ist gesichert. Gut so, denn mit solchen Geldern können auch Krankenkassenverbilligung, Ergänzungsleistungen usw. bezahlt werden (durch den Steuerausgleich in der ganzen Schweiz). Die Quasi-Moralisten und die aufgeregten Empörten gefährden Steuereinnahmen und setzen unsere sozialen Errungenschaften aufs Spiel. Wer hat den Mum einem Sozialhilfe-Empfänger eine Leistungskürzung zu erklären, nur weil wir uns zu schade sind für gewisse Steuereinnahmen?

  • Urs Fischer am 20.11.2012 10:52 Report Diesen Beitrag melden

    Geld vor Mensch

    Das Geld steht uns halt schon immer näher als irgendwelche Menschen in 3.Welt Ländern. Menschenrechte haben im Kapitalismus nichts zu suchen. Go for the money!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hammerli am 21.11.2012 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Ich finds gut!

    Stellvertretend fuer alle positiven stimmen die sich nicht melden. Ich finds gut.

  • Benno am 21.11.2012 07:03 Report Diesen Beitrag melden

    Legendary

    Die Kirche wird sich freuen ;-).. Gibts noch etwas mehr als 18 mio. Franken jährlich auf das geheiligte Sparchbüchlein.

  • Thomas A. Anderson am 20.11.2012 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Hammer!

    Ein schöner Teil der zukünftigen Steuereinnahmen im Kanton Zug ist gesichert. Gut so, denn mit solchen Geldern können auch Krankenkassenverbilligung, Ergänzungsleistungen usw. bezahlt werden (durch den Steuerausgleich in der ganzen Schweiz). Die Quasi-Moralisten und die aufgeregten Empörten gefährden Steuereinnahmen und setzen unsere sozialen Errungenschaften aufs Spiel. Wer hat den Mum einem Sozialhilfe-Empfänger eine Leistungskürzung zu erklären, nur weil wir uns zu schade sind für gewisse Steuereinnahmen?

  • Trieb am 20.11.2012 18:48 Report Diesen Beitrag melden

    Zosimos

    Die Sache ist schnell interpretiert: den Beteiligten geht es nicht um die Schweiz oder um die Firmen oder um sonst eine Moral. Es geht ihnen darum, möglichst viel an der Fusion zu verdienen. Geldgier gehört wie Gier nach Essen und dem Selbsterhaltungstrieb zu den primitiven Kräften, welche die Menschen antreibt und durch ihr Leben bringt. That's it, eine sehr einfache story.

  • anonimius am 20.11.2012 13:51 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist euer problem?

    lieber ne schweizer firma die ein min. an ethik hat als eine firma aus anderen ländern die gar keine haben. was bei uns angesidelt ist kann auch von uns reguliert werden.

    • paul k. am 20.11.2012 16:07 Report Diesen Beitrag melden

      @anonymius

      und wieso meinst du siedeln die sich bei uns an? entweder wegen den lockeren gesetzen, oder den billigen steuern. sonst macht es ja kein sinn. aufjedenfall sin didese 2 firmen für millionen tote weltweit schuld. ich brauche sowas nicht in meinem land..

    • neutralus am 20.11.2012 16:31 Report Diesen Beitrag melden

      Sherlock Holmes

      Ach und du bist wohl Sherlock Holmes haha:) Es ist Kritik von den Medien doch Niemand weiss ob Sie wahr ist also mister Holmes,....

    • Tàjno am 20.11.2012 18:37 Report Diesen Beitrag melden

      @Paul K.

      Es gibt durchaus verschiedene weitere Gründe, angefangen von mangelnden Aggressoren die der Schweiz gegenüberstehen, technisch hochstehende Infrastruktur, ein sicheres "Regime" bei der keine angst vor plötzlicher Verstaatlichung droht, keine Expansionsansprüche der Schweizer... Ein wenig mehr als nur Steuern und lasche Gesetze. Aber drum sind Sie auch nicht CEO.

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