Wo ist das Gold?

24. Januar 2013 09:18; Akt: 25.01.2013 12:33 Print

Gold-Initiative bereitet der SNB Kopfzerbrechen

von Lukas Hässig - Muss die Schweiz ihr Gold aus dem Ausland heimholen? Der SVP-Initiative, die das fordert, fehlen nur noch 10'000 Unterschriften. Die SNB könnte in Teufels Küche kommen.

storybild

Gold im Tresor der Nationalbank in Bern. (Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Schlussspurt hat begonnen. «Schon im März 2013 läuft die Frist für die Einreichung der Goldinitiative ab», schreibt der St. Galler SVP-Nationalrat und Mitinitiant Lukas Reimann in seinem Newsletter. Zwar sei man mit rund 90'000 Unterschriften auf gutem Wege. «Aber um die notwendige 100'000er-Marke zu knacken, ist jetzt der Einsatz von allen gefragt.»

Wo liegen die 1040 Tonnen Gold der Schweizerischen Nationalbank? Die Frage wird nun auch bei uns ernsthaft diskutiert. Die Antwort der SNB bleibt aber nebulös. Das Meiste sei hier, ein Teil liege jedoch im Ausland, meint die Notenbank. «Präziser wollen wir nicht werden», sagt SNB-Sprecherin Silvia Oppliger. «Vielleicht werden wir uns genauer äussern, sollte die Gold-Initiative zustande kommen.»

Deutsche Gold-Repatriierung sorgt in USA für rote Köpfe

Auch die deutsche Bundesbank dachte anfänglich, sie brauche sich des emotionalen Themas nicht näher anzunehmen. Doch damit gab sich eine wachsende Schar aufgebrachter Bürger und Politiker nicht mehr zufrieden. Sie setzten die Zentralbank so lange unter Druck, bis diese kürzlich nachgab. Nun holen die Deutschen 674 Tonnen Gold aus den USA und aus Frankreich zurück in die Heimat. Das entspricht einem Gegenwert von derzeit 27 Milliarden Euro.

Die grosse Gold-Repatriierung unseres nördlichen Nachbarn sorgt für weltweite Schlagzeilen. «Germany Moving Its Gold Back Home To Satisfy The Paranoid», titelt die US-Internetzeitung Huffington Post; reiner Populismus zur Besänftigung einer Gespenster sehenden Bevölkerung also. In Deutschland hatten sich zuvor Zweifel breitgemacht an der tatsächlichen Existenz des Goldes, das in den Goldtresoren der Amerikaner lagern soll. Die Barren könnten ja auch mit einer dünnen Goldschicht überzogen sein und ansonsten aus billigem Eisen bestehen, wurde befürchtet.

SNB müsste für 100 Milliarden Gold aufkaufen

Interessanterweise hat die Schweiz schon vor den Deutschen und lange Zeit ohne öffentlichen Wirbel das Thema aufgegriffen. Kreise aus der Volkspartei lancierten vor 16 Monaten die Gold-Initiative. Weil das Vorhaben im Parlament chancenlos geblieben sei, würde halt als letztes verbleibendes Mittel eine Initiative gestartet, sagten die Initianten damals. Mittels Volksentscheid wollen sie die SNB zwingen, sämtliches Gold in der Schweiz zu lagern und keine einzige Tonne mehr zu verkaufen. Zudem soll die SNB innert 5 Jahren nach der Abstimmung ihren Goldbestand massiv aufstocken, so dass dieser im Minimum einen Fünftel der ganzen Bilanz ausmacht.

Bei den heutigen Preisen würde die Auflage ins Geld gehen. Derzeit liegt der Anteil des Goldes an sämtlichen Aktiven der Nationalbank nur noch bei 10 Prozent. Wenn die SNB ihre Bilanz nicht stark verkleinert, dann bleibt ihr nach einer allfälligen Annahme der Initiative nichts anderes übrig, als den Goldbestand auf 2000 Tonnen zu verdoppeln.

Eine Tonne Gold kostet aktuell rund 55 Millionen Dollar. Nun kann gerechnet werden: 2000 Tonnen kämen auf 110 Milliarden Dollar, das entspricht gut 100 Milliarden Franken. Zum Vergleich: Die SNB verfügt heute über ein Eigenkapital von rund 62 Milliarden Franken. Nicht eingerechnet sind höhere Goldpreise, die durch die Nachfrage der SNB entstehen könnten.

Kopfzerbrechen bei der Währungshüterin

Woher das viele Geld für die Goldkäufe kommen soll, ist nicht klar. Schön wäre es, den Berg von rund 170 Milliarden Euro abzubauen und dafür Goldbarren zu kaufen. Nur bräuchte es für die vielen Euros zuerst Käufer, und die Einheitswährung müsste erst noch derart stabil bleiben, dass Milliarden-Verkäufe der SNB nicht sofort den Franken relativ zum Euro wieder stärken würden. Allein diese Überlegung macht deutlich, dass die Gold-Initiative zwar bei vielen Schweizern ankommt, deren Umsetzung aber den Verantwortlichen grosses Kopfzerbrechen bereiten würde.

Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

«Habe ich ein Recht darauf, dass meine Kommentare freigeschaltet werden?»

20 Minuten ist nicht dazu verpflichtet, eingehende Kommentare zu veröffentlichen. Ebenso haben die kommentierenden Leser keinen Anspruch darauf, dass ihre verfassten Beiträge auf der Seite erscheinen.

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • C. M. am 24.01.2013 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gold = Geld

    Die Geldmenge wird von den grossen Zentralbanken (allen voran die amerikanische FED) seit Jahren massiv ausgeweitet, um angeblich für Konjunkturwachstum zu sorgen. Wächst die Geldmenge aber überproportional zum Produktionswachstum, steigen unweigerlich die Preise (=Inflation), was wiederum zu Kaufkraftverlusten in der breiten Bevölkerung führt. Kaufkraftverluste führen zu weniger Konsum. Weniger Konsum führt zu weniger Investitionen in den Unternehmen (= Abbau von Arbeitsplätzen). Gold hingegen kann nicht beliebig vermehrt werden und bildet daher einen stabileren Wert.

    einklappen einklappen
  • Berner Bär am 24.01.2013 09:32 Report Diesen Beitrag melden

    Kein "Befriedigen der Spinner"

    Es ist keineswegs "satisfying the paranoid", das Gold aus den USA zurückzuholen. Auch wenn uns das die Postille weismachen will. In den letzten Jahren hat die US-Justiz die Rechtslage so zurechtgebogen, dass in den USA liegende Vermögenswerte ohne grosse Vorankündigung vom Staat eingezogen werden können - selbstverständlich ohne Abgeltung. Nachdem sich nun sogar die Bundesregierung in Berlin das Gold repatriiert, sollte man sich in Bern auch Gedanken machen. Denn der Finanzplatz Schweiz ist den USA als Konkurrent schon lange ein Dorn im Auge. Alleine diese Tatsache sollte ein Antrieb sein.

    einklappen einklappen
  • Knock am 24.01.2013 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gold & Finanzkrise

    Um den Euro muss man sich keine Sorgen mehr machen, die Schweiz hat die Aufrechterhaltung des Euros gar nicht nötig. Import und Export gleicjen sich aus und ausserdem wird es den Euro nicht mehr lange geben. Er kann nur mit Gewalt aufrecht erhalten bleiben, aber diese Währung wird samt mit der EU untergehen. EU=Europas Untergang! Und was ohne Gold haben wir auch Wohlstand? Meine Freunde die Finanzkrise hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Spätestens dann wenn die Hyperinflation droht und alle Leute auf einen Banken-Run aus sind, ja dann haben wir die Spitze erreicht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 24.01.2013 17:35 Report Diesen Beitrag melden

    Wirtschaft lernen

    An alle, die jetzt sagen, wir sollen mit Euro Gold kaufen, haben genau NULL Ahnung von Wirtschaft. Wenn die SNB mit Euro Gold kaufen will, steigt automatisch der Goldpreis (Nachfrage). Der Wert des Euro würde aber rapide sinken, da nun mehr Euros im Umlauf wären ("Angebot" nimmt zu). Der Euro würde an Wert verlieren und die SNB könnte den Mindestkurs von 1.20 nicht mehr halten... Wer diesen Kreislauf jetzt immer noch nicht verstanden hat, hat Pech gehabt.

  • becki am 24.01.2013 13:49 Report Diesen Beitrag melden

    welches gold

    wie will man etwas inexistentes heimholen?

  • Beat Hemmi, Widnau am 24.01.2013 12:05 Report Diesen Beitrag melden

    Trau, schau , wem

    Wie blauäugig muss man wenn man sein Staatsvermögen ins Ausland auslagert wie z.B. in die USA. Ein Staat mit einem enormen Staatsdefizit und immer mit einer Hand immer am Revolver in Richtung Schweiz (siehe USA vs schweizer Banken). Die USA sind ohne mit der Wimper zu zucken im Stande unsere Goldreserven einzufrieren und/oder zu Konfiszieren.

    • heiko Dahm am 24.01.2013 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      unterstützen

      Kann mir gut vorstellen, dass dies der SNB Kopfschmerzen bereitet. Die Gold-Initiative sollte jeder unterstützen.

    • Hans Kaufmann am 24.01.2013 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      In die Schweiz damit, sofort!

      Genau. Schon aus diesem Grund gehört das Schweizer Gold in Schweizer Gold Tresore. Zudem hat die Schweiz gegenüber den meisten Ländern ernorme Guthaben.

    einklappen einklappen
  • Knock am 24.01.2013 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gold & Finanzkrise

    Um den Euro muss man sich keine Sorgen mehr machen, die Schweiz hat die Aufrechterhaltung des Euros gar nicht nötig. Import und Export gleicjen sich aus und ausserdem wird es den Euro nicht mehr lange geben. Er kann nur mit Gewalt aufrecht erhalten bleiben, aber diese Währung wird samt mit der EU untergehen. EU=Europas Untergang! Und was ohne Gold haben wir auch Wohlstand? Meine Freunde die Finanzkrise hat seinen Höhepunkt noch nicht erreicht. Spätestens dann wenn die Hyperinflation droht und alle Leute auf einen Banken-Run aus sind, ja dann haben wir die Spitze erreicht!

  • m.a. m. am 24.01.2013 11:00 Report Diesen Beitrag melden

    Nur physisches Gold ...

    ... hat einen realen Wert! Ich werde ganz klar mit einem Ja stimmen!