Kirchenfinanzen

17. Januar 2010 15:17; Akt: 17.01.2010 15:17 Print

Gottes Lohn allein genügt nichtGottes Lohn allein genügt nicht

Mitgliederschwund, Wirtschaftskrise, sinkende Steuereinnahmen: Auf die Landeskirchen kommen finanziell schwierigere Zeiten zu. Es droht der Abbau von Pfarrstellen und die «Stilllegung» von Kirchen. Aber auch Kinder, Alte und Kranke werden die Finanznot zu spüren bekommen.

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Das Kreuz mit der Krise: Den Landeskirchen fehlen Mitglieder und finanzielle Mittel.

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«Die Finanzlage der katholischen Kirche ist stabil, aber halt sehr konjunkturabhängig», antwortet Daniel Kosch, Generalsekretär der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz, auf die Frage nach der Finanzlage seiner Arbeitgeberin. Mit ähnlicher Demut drückt sich Simon Weber, Leiter Kommunikation des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund aus; das sei nun mal der Verlauf der Zeit. Man mag nicht lamentieren bei den Seelsorgern, zumindest nicht auf höherer Ebene.

Jährlich treten 35 000 aus

Das Problem jedoch ist real. Auf die Schweizer Landeskirchen warten harte Zeiten. Experten gehen von einem Rückgang der kirchlichen Einnahmen von etwa 10 bis 15 Prozent in den nächsten drei Jahren aus. Hauptverantwortlich dafür ist die Wirtschaftskrise, deren Auswirkung auf die Steuereinnahmen erst in diesem Jahr zu spüren sein werden. Auch lassen verschiedene Steuerreformen die Gelder für die Kirchen weniger stark sprudeln. Und natürlich lasten die Kirchenaustritte auf der Rechnung. Dieses Steuergeld fehlt in den Kassen der Kirchgemeinden für die Seelsorge, die Betreuung von Kindern und Alten, von Kranken und Behinderten– in regional sehr unterschiedlichem Ausmass.

Jährlich kehren schweizweit rund 20 000 Katholiken und 15 000 Reformierte den kirchlichen Institutionen mit einer ausdrücklichen Austrittserklärung den Rücken, bestätigen die Auskunftsstellen. Dies obwohl sich die grosse Austrittswelle der 80er und 90er Jahre abgeflacht hat und die Kirchen wieder vermehrt Eintritte verzeichnen. Wie stellen sich die Kirchgemeinden auf die düsteren Zeiten ein, um ihren gesellschaftlichen Auftrag weiter erfüllen zu können?

Die katholische Kirche wird zum Vermieter

Florian Flohr, Medienbeauftragter der katholischen Kirche Luzern, spricht von geplanten, «beträchtlichen», Einsparungen – rund 2,2 Millionen Franken bis ins Jahr 2014. Betroffen sei dabei vor allem die kirchliche Infrastruktur. So sollen Gebäude vermietet, möglicherweise auch einzelne Kapellen geschlossen werden. Die katholische Kirche bemüht sich jedoch auch um zusätzliche Einnahmen und betätigt sich als Immobilieninvestor. So sollen im Raum Luzern unter katholischer Hand 110 Wohnungen entstehen und später eine Rendite abwerfen, «natürlich ein nicht-spekulatives Projekt», betont Flohr.

Nicolas Mori von der reformierten Landeskirche Zürich schätzt die Situation weniger dramatisch ein. Zwar habe die Mitgliederzahl im Kanton Zürich seit Jahrzehnten stetig abgenommen – von 660 000 Mitgliedern 1970 auf 480 000 im Jahr 2008 – die Steuereinnahmen hingegen hätten in den letzten Jahren eher zugenommen; dies aufgrund des allgemeinen Wirtschaftswachstums, aber auch «weil der reformierte, städtische Teil der Bevölkerung der vermögendere ist», so Mori.

Zürich baut Pfarrstellen ab

Und doch stellt man sich auch in Zürich auf magerere Jahre ein. Bereits ist ein Stellenstopp in Kraft, die Kirchensynode wird drastisch verkleinert. Ausserdem werden, da die Kundschaft schrumpft, 15 bis 20 Pfarrerstellen abgebaut. Schwerer trifft es die reformierte Kirchgemeinde Basel-Stadt. Hier wird öffentlich eine Schliessung der Pfarrei der Marienkirche diskutiert.

Wie geht es weiter mit den Landeskirchen? Es ist ein Binsenwahrheit, dass viele nur noch auf dem Papier und der Steuererklärung Katholiken oder Protestanten sind, die «Konsumentenstimmung» im Keller ist. In der materialistischen, kurzlebigen Welt sei «die Bindung an Institutionen generell lockerer und volatiler geworden», kommentiert Katholik Daniel Kosch die herrschende Gleichgültigkeit.

Alternative Glaubensinstitutionen sind erfolgreicher

Einer allgemeinen Gleichgültigkeit mag Annette Klug von Scientology nicht zustimmen. Die umstrittene Freikirche verzeichne seit Jahren einen milden Zuwachs, sagt sie. Auch von anderen alternativen Glaubensinstitutionen sind ähnliche Signale zu hören. Offenbar vermögen kleine, profiliertere Kirchen die «Kundschaft» besser zu begeistern als die grossen, arrivierten Landeskirchen.

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(oba/scc)

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  • Stefan Mauerhofer am 22.01.2010 15:48 Report Diesen Beitrag melden

    Luftschlösser

    Kirchen verkaufen Luftschlösser, imaginäre Freunde und versprechen ewiges Leben. Wer denken kann, der wird dieses Lügengebilde durchschauen und austreten. Religion nervt nur noch.

  • Exp@t am 20.01.2010 02:59 Report Diesen Beitrag melden

    Kirche / Religion

    Als Ausgewanderter und Kirchen-Aussteiger lebe ich in einem buddhistischen Land. Hier ist der Buddhismus (=Philisophie/ Weltanschauung) absolut freiwillig und nur auf Spendenbasis finanziert. Hier sind die Klöster (Mönche) reich, tun viel Gutes und sind bei den Menschen ...!

  • Ali Hussein am 19.01.2010 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Steuern für die Kirchen!

    Trennung von Kirche und Staat ist dringend! Glauben ist Privatsache und soll durch die Gläubigen selbst finanziert werden. Religion und religiöse Symbole haben in der Öffentlichkeit nichts zu suchen. Die Schweizer haben mit dem Minarettverbot ein richtiges Zeichen gesetzt. Unterstützung der Initiative der Jungsozialisten von Trennung zwischen Kirche und Staat unbedingt unterstützen. Eine Initiative für mehr Toleranz und Frieden in der Gesellschaft!

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