HR-Experte warnt

08. Juni 2018 05:42; Akt: 08.06.2018 09:20 Print

80 Prozent arbeiten? «Tun Sie es nicht!»

von V. Blank - Trotz 80-Prozent-Vertrag arbeiten Angestellte oft gleich viel wie bei einem 100-Prozent-Pensum. Experten sprechen von einer «faktischen Zwangslage».

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Bei einem 80-Prozent-Arbeitspensum geht die Rechnung nicht auf. Dieser Meinung ist zumindest Personalexperte Michel Ganouchi. In einem Blogpost für HR Today schreibt er: «Wer auf 80 Prozent reduziert, verdient weniger – quetscht sein 100-Prozent-Pensum aber in vier statt fünf Tage pro Woche.» Der Rat des Experten an alle, die 80 Prozent arbeiten wollen, ist klar: «Tu es nicht.»

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Der Inhaber der auf HR-Marketing spezialisierten Firma Recruma geht sogar so weit, zu sagen, dass die Arbeitgeber die Mitarbeiter mit reduziertem Pensum ausnutzen. Die Lohnreduktion um 20 Prozent sei sozusagen der Preis, den Angestellte bezahlen müssen, um ein gleich bleibendes Pflichtenheft in vier Tagen ausüben zu dürfen – und damit den Job behalten zu können.

Angst, die Stelle zu riskieren

Arbeitsrechtsexperte Roger Rudolph kennt diese «faktische Zwangslage». Arbeitnehmer – insbesondere Führungskräfte – seien der Firma oft dankbar, dass sie überhaupt auf 80 Prozent reduzieren könnten – «und nehmen es dann hin, wenn die Anzahl der Aufgaben gleich bleibt».

Auch hätten einige Angestellte Angst, ihre Stelle zu riskieren, wenn sie sich über die Arbeitsbelastung beschweren, die nicht ihrem reduzierten Pensum entspricht. Rudolph rät deshalb, die Aufgaben mit dem Chef klar zu definieren (siehe Interview).

«Es muss für beide Seiten stimmen»

So handhabt man es auch bei der Swisscom. Beim Telekommunikationsunternehmen arbeiten 11 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen Teilzeit. Angestellte, die auf 80 Prozent reduzieren, sollen ihren Aufgabenbereich im Gespräch mit dem Vorgesetzten klären, sagt Sprecherin Sabrina Hubacher. «80-Prozent-Pensen müssen umsetzbar sein, damit sie für beide Seiten stimmen.»

Bei Coop sind es rund 10 Prozent der Mitarbeiter, die 80 Prozent arbeiten. Damit die Angestellten bei einer Reduktion des Pensums einen Teil ihrer Aufgaben abgeben können, werden im Gegenzug 20 Prozent an einer anderen Stelle im Team aufgestockt. Zudem erfolgt mit der Pensumsreduktion meist auch eine Verschiebung der Aufgaben, wie Sprecherin Andrea Bergmann erklärt. «So ist sichergestellt, dass die Arbeitszeit und das Aufgabenvolumen bei 80 Prozent übereinstimmen.»

Haben Sie einen 80-Prozent-Vertrag, arbeiten faktisch aber 100 Prozent? Erzählen Sie uns, wie es in Ihrem Teilzeitjob läuft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Motivato am 08.06.2018 06:06 Report Diesen Beitrag melden

    80 % / heute wär ich froh

    Es ist Freitag und ich würde heute sooooo gerne Zuhause bleiben und das Wochenende schon einläuten.

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  • Schorsch am 08.06.2018 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Wieviel arbeiten bei euch?

    Wenn ich gefragt werde: "Wieviel arbeiten bei euch?" antworte ich mit "Etwa 50%"!

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  • Phil@weniger.Stress am 08.06.2018 05:59 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensqualität

    80% arbeiten und 100% verdienen...why not?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mata H. am 09.06.2018 14:53 Report Diesen Beitrag melden

    Einseitig beleuchtet

    Der Artikel bezieht sich hauptsächlich auf einen Wechsel von 100 auf 80% innerhalb der selben Anstellung. Dort mögen solche Effekte sicher eine Rolle spielen. Wenn eine Stelle aber von Anfang an als 80%-Stelle geschaffen und ausgeschrieben wurde, muss dies nicht immer so laufen. Also nicht generell gültige Aussagen.

  • Susi am 09.06.2018 10:45 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja

    Wer nur noch 80% arbeitet und trotzdem ein Pensum von 100% bewältigt, hatte vorher zuviel Lohn oder hat zuwenig gearbeitet

  • WIN WIn am 09.06.2018 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Die perfekte Lösung

    Wenn die Leistung tatsächlich 100% bei 80% Pensum ist, gibt es eine ganz einfache Lösung: Reduziert das Pensum für alle Arbeitnehmer auf 80%! Verlangt 100% Leistung und zahlt 100% Lohn. Das ist eine WinWin Lösung für alle! Ganz einfach, oder?

  • Heidi am 09.06.2018 06:57 Report Diesen Beitrag melden

    Glück

    In der Pflege ist das zum Glück kein Problem 80% zu arbeiten und das bleibt dann auch bei 80%.

    • Worker am 09.06.2018 15:33 Report Diesen Beitrag melden

      Worker

      Jo heidi, aber für deinen lohn gehe ich nicht arbeiten. Ich brauch eine Herausforderung...

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  • Blablabla am 08.06.2018 21:39 Report Diesen Beitrag melden

    Blablabla

    200 % Arbeiten und nur 100 % verdienen. Weil andere nur 20% Arbeiten und 100% angestellt sind. Die Chefetage ist das Problem

    • Der Rächer am 08.06.2018 22:33 Report Diesen Beitrag melden

      @Blablabla

      Wenn man nicht Chef ist, ist immer die Cheferatage schuld. Wer sonst?

    • Der Henker am 09.06.2018 13:49 Report Diesen Beitrag melden

      @Rächer

      Wenn jeder das bekäme was er leistet, wären das Reinigungspersonal, Krankenpersonal und die Mütter die Top-Millionäre.

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