Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Voller Tatendrang
02. Juli 2010 06:02; Akt: 02.07.2010 11:31 Print
Hayek wollte noch 100'000 Jobs schaffen
von Othmar Bamert - Es war sein letztes Interview - und Nicolas Hayek sprühte vor Tatendrang: Der Visionär wollte mit Innovationen dem Werkplatz Schweiz zu neuer Blüte verhelfen.
Ein Mann der klaren Wote: Zitate von Nicolas G. Hayek.
Am 29. Juni um 18 Uhr sollte das Interview, das Nicolas Hayek dem Journalisten Oliver Fahrni für die Gewerkschaftszeitung «Work» gegeben hatte, abgesegnet sein. Doch dazu kam es nicht mehr. Der Uhrenpatriarch starb an diesem Tag. «Nicolas Hayek wirkte im Gespräch auf mich noch enthusiastischer als früher», erzählt Fahrni, der den Swatch-Übervater schon vor 30 Jahren regelmässig zu Gesprächen traf. «Beim Abhören der Gesprächsaufzeichnungen erschien mir seine Stimme sogar noch stärker und optimistischer als früher», so der Journalist gegenüber 20 Minuten Online.
Bildstrecken Eine Uhr wird erwachsenEs wurde ein langes Gespräch. Der 82-jährige Industrievisionär hatte wie immer viel zu erzählen. Nicht von der glorreichen Vergangenheit, sondern über die Zukunft. Hayek steckte voller Pläne und Überraschungen.
Zukunftsprojekte sollen Jobs schaffen
Im Interview enthüllte er, dass verschiedene zukunftsweisende Projekte kurz vor dem Durchbruch stünden: so etwa eine revolutionäre Brennstoffzelle, hochwertige Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von bisher unerreichten 40 Prozent oder eine effiziente Batterie für Elektroautos. Für diese Innovationen hatte Hayek mit viel Geld aus der eigenen Tasche die Belenos-Holding gegründet. «Läuft das, wie wir es denken, kauft die Autoindustrie der Welt bald bei uns den Brennstoffzellen-Antrieb. Das wird
Dass dies keine leeren Versprechen waren, sondern bereits real existierende Prototypen, entstanden aus Erfindungsgeist und Fertigungsgeschick talentierter Menschen, demonstrierte Hayek gleich in seinem Büro an einer kleinen Brennstoffzelle. Und zwar «erfolgreich», so Journalist Fahrni.
Den Werkplatz Schweiz im Herzen
Auch dass Hayek sein letztes Interview einer Schweizer Gewerkschaft gab, scheint geradezu bezeichnend für den patriotischen Welt-Industriellen. «Der Werkplatz ist wichtiger als der Finanzplatz», verteidigte er einmal mehr die Realwirtschaft, also die Menschen in den Entwicklungsbüros und Produktionsstätten der Industrieunternehmen, gegen die sterile Finanzwirtschaft. «Sie sind der wichtigste Aktivposten, ihr handwerkliches Können, ihr Sinn für die innere Harmonie eines Produkts, für die Schönheit», so der Patriarch voller Bewunderung, «die Schweiz ist immer noch ein Industrieimperium».
Verachtung für die Geldmenschen
Kurz vor seinem Tod brachte Hayek nochmals deutlich zum Ausdruck, was ihm am meisten missfiel, nämlich die Zerstörung des Werkplatzes durch die gierigen Banken sowie die Verachtung, die Geldmenschen der produktiven Arbeit entgegenbringen. Geldmenschen schöpften keinen Wert.
Ebenfalls geisselte Hayek die professionellen Kostensenker, die Unternehmensberater: «Die sind jung, sehen gut aus, reden amerikanisch und haben eine Menge Diplome von Harvard oder St. Gallen. Aber sie haben eines nicht gelernt: Unternehmer zu sein.»
Das Interview erscheint heute in der aktuellen Ausgabe von «Work – der Zeitung der Gewerkschaft».


























