Privatzimmer-Vermietung

10. November 2013 14:39; Akt: 10.11.2013 16:02 Print

Hoteliers rufen zum Kampf gegen Airbnb

von S. Spaeth - Wegen Privatzimmer-Vermietung über Airbnb gehen den Zürcher Hotels 8 Millionen Franken Umsatz verloren. Nun ruft der Verband Hotelleriesuisse Steuerbehörden und Polizei um Hilfe.

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Keine Steuern, keine Kurtaxen: Zürich-Tourismus entgehen wegen Airbnb-Angeboten Taxen von 200'000 Franken, schreiben die Tourimsmusberater Kohl & Partner. (Bild: Printscreen)

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Zuerst war es lediglich ein Nischenangebot im Internet, jetzt ist Airbnb ein ernstzunehmender Konkurrent für die traditionellen Hotelbetriebe. Über die Onlineplattform kann jeder sein Zimmer oder seine Wohnung anbieten – und das machen allein in der Schweiz rund 2000 Personen. Wer die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr in Zürich verbringen möchte, findet auf Airbnb mehr als 400 Angebote zwischen 40 und 200 Franken pro Nacht. Der Grossteil kostet um die 100 Franken.

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Wegen Airbnb geht den Zürcher Hoteliers ein Umsatz von 8 Millionen Franken oder 80'000 Logiernächte durch die Lappen. Das zeigt eine neue Analyse der Tourismusberatungsfirma Kohl & Partner, die 20 Minuten vorliegt. Dies wollen die Hoteliers nicht länger hinnehmen. Der Dachverband hat am Freitag ein Schreiben an zehn Behörden und Verbände versandt, um das Problem zu diskutieren, wie «Schweiz am Sonntag» und «NZZ am Sonntag» übereinstimmend berichten. Angeschrieben wurden unter anderem die Polizeidirektorenkonferenz, Steuerbehörden und der Hauseigentümerverband.

Nicht nur Privatvermieter

«Wir verlangen gleich lange Spiesse», sagt Jürg Arnold, Präsident von Hotelleriesuisse Zürich im Gespräch mit 20 Minuten. Während sich ein Hotel beispielsweise an Hygiene- und Feuerpolizeivorschriften halten müsse sowie der Mehrwertsteuer und Kurtaxe unterliege, foutierten sich die Airbnb-Vermieter darum. Allein in Zürich gibt es laut Arnold tausend Airbnb-Anbieter, doch das seien längst nicht alles Private. «Über die Plattform bieten auch professionelle Immobilenfirmen Wohnungen zur Kurzzeitmiete an – Concièrge-Service inklusive», sagt Arnold. Die Stadt habe die Wohnungen zwar einst zur Langfristmiete bewilligt, dennoch fehle die rechtliche Handhabe. Das Nachsehen hat die Stadt auch bei den Kurtaxen. Zürich-Tourismus würden wegen Airbnb Taxen von 200'000 Franken entgehen, schreibt Kohl & Partner in der Studie.

Im Schreiben mutmasst Hotelleriesuisse, dass die Mehrheit der 2000 Schweizer Anbieter wohl selbst Mieter sei und sich in einer rechtlichen Grauzone bewegen. Grundsätzlich muss der «Gelegenheitshotelier» nämlich den Liegenschaftsbesitzer über Untermietverträge informieren und darf mit dem Zimmerangebot keinen Gewinn erzielen.

Noch keine Problem in den Alpen

Viel gelassener als in Zürich geht man mit der neuen Konkurrenz in den Ferienregionen um: «Bei uns ist Airbnb noch kein Problem», sagt Ernst Wyrsch, Präsident von Hotelleriesuisse Graubünden zu 20 Minuten. Für die Haltung der Hoteliers in urbanen Gebieten hat Wyrsch aber viel Verständnis. Die Ferienhotellerie habe in den letzten zwanzig Jahren enorm viele Gäste an die Ferienwohnungen verloren, laut Wyrsch der Vorläufer von Airbnb in den Alpen. «Airbnb hat sich zum Flächenbrand entwickelt und kostet der Branche zehntausende von Logiernächten», so der ehemalige Hotelier des Fünfsternehauses Belvedère in Davos.

Bereits haben international erste Städte Airbnb den Kampf angesagt, allen voran New York, wo sich Airbnb teils stark vom Gedanken der «Share Economy» entfernt hat. Laut der Generalstaatsanwaltschaft haben die 40 Spitzenverdiener unter den Airbnb-Anbietern zuletzt jährlich jeder mindestens 400 000 Dollar eingestrichen. Der Staat fühlt sich um Steuern in zweistelliger Millionenhöhe betrogen. Für eine Gesetzesänderung hat Airbnb auch in Frankreich gesorgt: Wer seine Zweitwohnung an Touristen vermietet, betreibt seit September 2013 ein bewilligungspflichtiges Gewerbe.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • FreieSchweiz am 10.11.2013 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das......

    Jetzt kommt schon wieder der Staat mit seiner Regulierungswut. In der Schweiz gilt freie Marktwirtschaft !!!

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  • andy zaugg am 10.11.2013 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    da heulen sie wieder!

    hotels in zürich, nein, danke!

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  • Riitaler am 10.11.2013 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geldgier

    Die Hotelier sollen endlich mal realistische Preise anbieten, dan haben sie auch wieder Gäste. Anscheinend machen sie es nur den Banker nach: Jammern auf goldenem Niveau.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Andrea Salzmann am 11.11.2013 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist mal wieder typisch...

    Ist es nicht etwas paradox, dass sich der Schweizer Tourismusverband (zumindest in Bern) sich fast jedes Jahr darüber beklagt, es hätte zuviele Touristen und deswegen keine freien Hotelzimmer mehr, gleichzeitig wird aber Sturm gelaufen gegen die "bösen" Airbnb, die eigentlich genau diesem Problem entgegenwirken würden? Die "Lösung" der Hotellerie wäre dann wohl, dass es einfach zu wenig Hotelzimmer gäbe und die Touristen dann halt irgendwo anders hin gehen. Wenn natürlich ein Schweizer Hotel für ein schöbiges, dreckiges und kleines Zimmer 150 CHF oder mehr verlangt, während es top saubere und

  • von Zürich am 11.11.2013 14:44 Report Diesen Beitrag melden

    DAS ewige jammern

    Alle Jahre wieder, sei es bei der Sommer, Winter oder sonst einer Saison...jammern ist inn und erhoffen sich so weitere Einnahmen vom Bund! PUNKT!

  • Patrick Schwarzer am 11.11.2013 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach

    Es ist immer einfach auf andere zu schiessen statt sich dem Problem zu stellen. Genau das macht einen Unternehmer aus, er sieht die Probleme auf dem Markt, stellt sich dagegen und unternimmt etwas um besser zu sein. Solche die auf andere schiessen, wollen keinen Aufwand generieren sondern nur abkassieren!

  • Chris S. am 11.11.2013 09:30 Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Es ist tatsächlich eine Frechheit, dass die Anbieter von diesem Airbnb keine Kurtaxe bezahlen müssen! Dass es keine MwSt. Abgabe benötigt ist wohl klar, da keiner dieser Pseudohoteliers fähig wären CHF 50'000 im Jahr zu generieren. Aber Hygienekontrollen und beim Frühstück die Deklarationspflicht MÜSSEN unbedingt eingehalten werden. Jeder Bauernhof der ein "Buurezmorgä" anbieten will muss das ganze Prozedere durchmachen.

  • Marco Kränzlin am 11.11.2013 05:29 Report Diesen Beitrag melden

    falsche annahme

    was sollen die steuerbehörden? mwst.-pflichtig ist man erst ab einem gewissen umsatz. kurtaxen gehören eh abgeschafft. grauzone heisst nicht verboten. das einzige, was zur einer allfälligen debatte stehen könnte, ist das versteuern der einnahmen. da man aber erst ab einem gewissen umsatz buchhaltungspflichtig ist, wird das schwierig. es gibt hotels die sind in einem schlechteren hygienischen zustand als manch private wohnung. und wer in einer privatwohnung nächtigt, wird nicht in einem 5* hotel übernachten. die problematik haben eher pensionen, garnis oder 2-3* hotels.

    • Lara am 11.11.2013 18:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Auch im Luxus Segment

      Würde ich jetzt so nicht sagen.. Es gibt Luxus-Wohnungen, die Kosten auch sehr viel. So gesehen könnte dies auch 5* Hotels betreffen. Solange diese Einnamen versteuert werden, find ich dies eine super Alternative.

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