Ausbildung

20. Juli 2017 07:59; Akt: 20.07.2017 07:59 Print

Hunderte KV-Lehrstellen sind immer noch offen

von F. Lindegger - Das KV gehört zu den beliebtesten Lehren. Trotzdem gibt es immer noch freie Ausbildungsplätze. Es werde schwieriger, geeignete Lehrlinge zu finden, sagen Unternehmen.

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Wenige Wochen vor dem Lehrstart im August sind schweizweit noch rund 10'000 Lehrstellen unbesetzt. Waren es in früheren Jahren vor allem Firmen auf dem Bau, in der Gastronomie oder die Coiffeuer-Branche, die Schwierigkeiten hatten, Lehrlinge zu finden, gilt das nun für fast sämtliche Berufszweige.

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Selbst KV-Lehren sind noch für den Lehrbeginn 2017 verfügbar. Über 400 KV-Lehrstellen aus allen Branchen und Regionen sind zurzeit auf der öffentlichen Plattform Berufsberatung.ch ausgeschrieben. Laut André Monhart, Leiter der Berufsberatung des Kantons Zürich, ist das eine neue Entwicklung. «Das KV ist ein Beruf, der sehr beliebt ist», sagte er zu Radio SRF.

Weniger Bewerbungen

Auch bekannte Firmen wie die Migros Bank haben Mitte Juli noch offene KV-Lehrstellen. Es sei in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, die Ausbildungsplätze zu besetzen, erklärt Migros-Bank-Sprecher Urs Aeberli. «Wir spüren einen Rückgang in der Quantität und Qualität der Bewerbungen. Wir erhalten insbesondere weniger Bewerbungen von sehr guten Schülern», sagt Aeberli zu 20 Minuten.

Die Banklehre sei anspruchsvoll und man suche nach Lernenden, die die Ausbildung erfolgreich abschliessen könnten. Aeberli: «Wir bevorzugen es daher, mit der Stellenbesetzung abzuwarten beziehungsweise Lehrstellen unbesetzt zu lassen, statt Kandidaten einzustellen, von denen wir nicht überzeugt sind oder bei denen die schulischen Voraussetzungen nicht unseren Erwartungen entsprechen.»

«Wir hatten in diesem Jahr weniger Bewerbungen als sonst», sagt auch Vanessa Di Nuzzo vom Verpackungsunternehmen Amapac Flexibles zu 20 Minuten. Da man auf gut qualifizierte Bewerber setzte, sei es schwieriger gewesen, die Lehrstellen zu besetzen.

Reform der Lehre steht bevor

Ganz generell gebe es in der Schweiz aufgrund der demografischen Entwicklung einen leichten Rückgang bei der Zahl der Lehrlinge zu verzeichnen, so Dorothea Tiefenauer vom Kaufmännischen Verband Schweiz. Dass das KV in den vergangenen Jahren an Prestige verloren habe, glaubt sie nicht. «Die KV-Lehre ist weiterhin die beliebteste Lehre der Schweiz und bei den absoluten Zahlen gab es in den vergangenen Jahren nur geringfügige Veränderungen.» Rund 14'000 junge Erwachsene haben im letzten Jahr eine KV-Lehre abgeschlossen.

Kaufmännische Berufe sind in den vergangenen Jahren allerdings stärker unter Druck geraten. Banken und Versicherungen etwa haben Jobs ins Ausland verlagert und auch die Digitalisierung lässt Stellen verschwinden. Im vergangenen Herbst kamen zwei vom Kaufmännischen Verband in Auftrag gegebene Studien zum Schluss, dass in den nächsten fünf bis zehn Jahren 30'000 bis 100'000 KV-Jobs in der Schweiz gefährdet sind. Angestellte, die lediglich über eine Grundausbildung verfügten, seien besonders gefährdet.

Gemäss einer im Frühling veröffentlichten Studie des Kaufmännischen Verbands gaben 90 Prozent der letztjährigen Lehrabgänger an, sich weiterbilden zu wollen. Schon bald könnte aber auch die KV-Lehre deutlich anders aussehen als heute. Noch in diesem Jahr soll die Reform der kaufmännischen Grundbildung anlaufen. Laut dem Kaufmännischen Verband werde diese wohl «grundlegende Veränderungen» mit sich bringen.

Mitarbeit: A. Schawalder

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ehemalige KV-Lernende am 20.07.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Fehler im Berufsbildungssystem

    «Wir spüren einen Rückgang in der Quantität und Qualität der Bewerbungen. Wir erhalten insbesondere weniger Bewerbungen von sehr guten Schülern», -> wenn alle Betriebe nur die "Besten" wollen, und den anderen Schülern gar keine Change geben möchten bleiben die Lehrstellen halt offen.... und nach der KV Ausbildung findet sich für die jungen Leute eh keine Stelle da alle Betriebe nur Mitarbeiter mit Erfahrung möchten - da frage ich mich warum sollte ich eine 3 jährige Ausbildung machen wenn dies eh nicht angerechnet wird. Nicht mal im eigenen Lehrbetrieb wurde mir dies angerechnet :(

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  • blubbi am 20.07.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Elite

    "Wir erhalten insbesondere weniger Bewerbungen von sehr guten Schülern" Gut ist heute einfach nicht mehr gut genug. Früher nannte man das Grössenwahn, heute ist das normal

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  • Glarner am 20.07.2017 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Geeignete Lehrlinge

    Schade, dass nur noch die besten Schüler für die Lehrstellen zur Auswahl kommen, dass man ja nicht viel zu tun hat mit den Lehrlingen. Aber eigentlich sollte man einen Lehrling unterstützen, auch in schulischen Angelegenheiten. So manchen Realschüler, war beim Abschluss dann besser als ein Sekundarschüler.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Blaumann Ag am 21.07.2017 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    WIR SUCHEN!!!

    Wir suchen Dich! Im Zeugniss durchschnitt sollte eine 5,5 oder höher sein. keine bewerber älter als 17 jahre!

  • mi am 21.07.2017 17:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    chef oder schule?

    wiso sind alle gegen die arbeitgeber? wenn ein lehrling die schule nicht besteht hat er keinen abschluss und alles war für nichts. noten sind dem chef grundsätzlich egal, aber man will wegen dem image keine lehrabbrüche, also sortiert man vorher aus. das problem liegt im konkurrenzkampf der berufsschulen und branchen, jeder will der beste sein.

    • Dä Jesus am 21.07.2017 20:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mi (Allergikerhinweis: Kann Spuren von Sarkasmus

      Wenn jemand die Schule nicht abschliesst, gibt doch niemand dem Arbeitgeber schuld. Wenn aber jemand mit Notendurchschnitt 4,8 nicht genommen wird, weil der Betrieb am liebsten einen Notendurchschnitt von mindestens 7 und einem Mindestalter von 17, lieber aber 21 hätte, kann der Arbeitgeber sehr wohl etwas dafür.

    • Heinz Maier am 21.07.2017 22:39 Report Diesen Beitrag melden

      @Dä Jesus

      verstehe ihre sichtweise nicht ganz. der arbeitgeber hat immernoch die freie wahl welche person er anstellen möchte. wenn er jetzt jemanden mit einem notenschnitt von 5.0 will, warum auch immer spielt keine rolle, und deswegen keinen mit 4.5 anstellt, hat dies doch nichts mit irgendeiner schuldzuweisung zu tun?

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  • paula am 21.07.2017 15:21 Report Diesen Beitrag melden

    sie kapierens nicht

    schon für sschnuppern muss man sich heute bewerben und gute zeugniss ezeigen. liebe frimen, das ist nicht der sinn der schnupperns !!! kommt mal wieder etwas runter.

    • Sailor Moon am 21.07.2017 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @paula

      Na ja, eine Orthographie die keine Fehler vorweist, ist nun mal ein Auswahlkriterium. Ausserdem will man an den Schnuppertagen auch jemanden der sich für den Beruf interessiert, immerhin hat das Geschäft auch Zeit und eine Arbeitskraft zur Verfügung gestellt.

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  • Radix am 21.07.2017 13:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viele Lehrstellen

    sind derzeit Leerstellen. Eigentlich schade, mal mit etwas Praktischem anfangen wäre nämlich ganz gut und bei Bedarf und Eignung kann man später noch immer weiter machen mit Berufsmatura, Erwachsenenmatura und dergleichen. Ist nicht so ganz der einfache Weg, aber mit klaren Zielvorstellungen zu schaffen.

    • Dä Jesus am 21.07.2017 20:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Radix

      Man könnte es ja so handhaben, dass man vor Lehrantritt im zweifelsfalle ein Praktikum arrangieren könnte, damit der Lehrling und der Ausbildungsbetrieb sich gegenseitig beschnuppern können und so herausfinden ob der Anwärter für den Beruf geeignet ist und ob der Beruf das ist, was sich der Anwärter vorgestellt hat. Das ist eine Win Win Situation.

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  • Robsen Gebsen am 21.07.2017 12:50 Report Diesen Beitrag melden

    Chancen für schwächere Schüler

    Also, ich sehe das Problem das man den schlechteren Schüler keine Chance gibt. Ich kenne nun mehrere Firmen, wo man sich zuerst Bewerben muss für eine Schnupperlehre. Da geht es dann wirklich nur noch um die Noten. Allerdings wird vergessen das es viele Schüler gibt, die einfach ein Problem mit dem Schulsystem haben. Ich durfte mich zum glück beweisen! Als Realschüler bekamm ich eine Lehrstelle als Informatiker. Meine Noten sind zwar nicht die besten. Dafür überzeugt aber meine abgelieferten Arbeiten. Leider vergessen viele Firmen, das Fleiss nicht alles ist.

    • wurks am 21.07.2017 18:44 Report Diesen Beitrag melden

      Zu viel Energie für die Schule...

      Du hast recht. Meine wilde Schwester war so ungebärdig, dass sie aus der Realschule flog. Heute ist sie beruflich erfolgreicher als ich...

    • Heinz Maier am 21.07.2017 22:41 Report Diesen Beitrag melden

      @Robsen Gebsen

      naja hand aufs herz. wenn sie die wahl zwischen einem top-schüler und einem eher schwächeren schüler haben, welchen wählen sie? versetzen sie sich bitte nicht in ihre subjketive lage, sondern in jene des arbeitgebers. mit welchem lehrling kann er sein risiko minimieren?

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