Öl-Handel und Sponsoren

17. November 2015 05:46; Akt: 17.11.2015 11:45 Print

IS verfügt über endlose Geldquellen für den Terror

von K. Wolfensberger - François Hollande will den IS zerstören. Doch die Terrorgruppe verfügt über zahlreiche Geldquellen, da reichen militärische Mittel nicht aus.

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Die Terrormiliz Islamischer Staat im Irak und in Syrien (IS) hat sich zu den Pariser Anschlägen bekannt. Für den französischen Präsident François Hollande und die G-20-Staaten ist klar: Sie wollen der Terrorbande nun definitiv Einhalt gebieten. Ein Ansatz wäre es, dem IS die Finanzierung zu erschweren. Denn der IS verfügt über zahlreiche Geldquellen.

Woher stammt das Geld genau? Und wie liessen sich die Quellen zum Versiegen bringen? Matthew Levitt, Experte am Washington Institute for Near East Policy, erklärt dem «Handelsblatt»: «Der Islamische Staat ist die vermögendste Terrorgruppe, die wir je gesehen haben.» Er finanziere sich einerseits durch die Ressourcen im kontrollierten Territorium. Gemeint sind der Handel mit Öl und Antiquitäten, Schmuggel sowie Erpressung. Andererseits erhalte er auch von Anhängern aus dem Ausland zahlreiche Spenden.

Reiche Saudis sind spendabel

Vor allem reiche Saudis dürften unter den IS-Geldgebern zu finden sein. «Der IS ist eine radikale, sunnitische Gruppierung, genau wie viele Saudis, die der ebenfalls sunnitischen Wahhabiten-Sekte angehören», sagt der Historiker Daniele Ganser zu 20 Minuten. Weil die Scheichs gut zehn Prozent des weltweiten Bedarfs an Rohöl fördern, werde die Unterstützung aus den Golfstaaten toleriert: «Der Westen drückt da beide Augen zu.»

Wie viel ausländisches Geld die Terrormiliz genau erreicht, ist aber schwer zu beziffern. Denn der IS und seine Geldgeber verwenden für Transaktionen oft das Hawala-System. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Überweisungssystem, das jenseits offizieller Kanäle erfolgt und über Drittpersonen abgewickelt wird, so der Politologe David Romano im «Spiegel».

Ölhandel über den Schwarzmarkt

Öl ist eine weitere Geldquelle des IS. Mit dem Verkauf von 40'000 Barrel Erdöl verdient die Miliz etwa zwei Millionen US-Dollar am Tag. Der Rohstoff gelangt über den Schwarzmarkt zum Beispiel in die Türkei. Die Transporte wickelt ein Netzwerk an Mittelsmännern ab, sagt Luay Al-Chatteeb vom Brookings Doha Center dem «Handelsblatt». Als Gegenleistung für das Öl erhalte der IS Cash oder Güter wie zum Beispiel Waffen.

Allerdings war der Ölverkauf immer nur eine Einnahmequelle von vielen. Von den Bewohnern seines Kalifats verlangen die Jihadisten ausserdem Steuern. Laut Berichten von Reuters bestraft die Miliz Zahlungsunwillige zum Beispiel durch Entführung. Die Familien müssen dann Lösegeld entrichten, um ihre gekidnappten Verwandten wieder freizukaufen.

Auch mit Plünderungen verdienen sie Geld. Allein aus der Stadt Mossul sollen Millionen aus der dortigen Zentralbank in die IS-Kriegskasse geflossen sein. Nicht abschätzbar sind die Einnahmen aus dem Verkauf von geraubten Antiquitäten. Diese werden wie das Erdöl über den Schwarzmarkt verhökert.

Die Finanzmärkte des IS zerschlagen

Damit der IS weniger Personal rekrutieren und besiegt werden kann, müsse man deshalb seine Finanzmärkte zerschlagen. Dies fordert Christina Schori Liang vom Geneva Centre for Security Policy in der «SonntagsZeitung».

Dass dies das komplette Ende des Terrors wäre, sei aber eine Illusion, warnt Historiker Ganser. «Eine Kalaschnikow kaufen, in ein Restaurant hineinlaufen und rumschiessen – das kostet fast nichts.» Zwar könne der IS als Organisation untergehen, sollte er eines Tages über keine finanziellen Mittel mehr verfügen. Gleiches gelte aber nicht automatisch für Terroranschläge in Europa. Denn: «Der Terror ist der Krieg des armen Mannes. Man kann ihn nicht kaputtsparen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • U.W. am 17.11.2015 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Warum .......

    Warum lässt Europa IS Rückkehrer einfach wieder einreisen?! .... und warum werden solche Kämpfer die unter uns sind nicht ausgewiesen oder eingeschlossen?

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  • Kingscorner am 17.11.2015 07:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verrückt  

    Die USA unterstützt die saudis mit WAffen...und Bürger dieses Landes spenden dann für die IS? Zeit, dass die saudische Regierung sich aktiv am Kampf gegen den terror beteiligt. Und sonst sollte man sie boykottieren.

  • gerold am 17.11.2015 06:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    öffentlich machen

    dann prangert dich mal die firmen an, die dieses öl kaufen und an den tankstellen wieder verkaufen. vielleicht entdecken dann auch weitere, was tatsächlich hinter isis steckt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • kritix am 18.11.2015 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Zerschlagung des IS

    Den IS mit militärischen Mitteln zu besiegen dürfte sehr schwer werden. Es gibt aber durchaus praktikable Möglichkeiten dieses Gebilde in sich selber zusammenstürzen zu lassen! Ohne WAffen, ohne Milliarden, ohne Tote. Wir können diese mit ihren eiGenen WAffen schlagen!

  • tinu am 17.11.2015 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Mit jedem Anschlag

    ...haben Terrororganisationen Geld verdient. Wie? Weil sie ja wussten, dass gewisse Aktien (z.b. American Airlines) massiv fallen würden, haben sie eben diese Aktie vor dem Anschlag "auf Kredit" verkauft. D.h. sie haben sich Aktien von AA geborgt und verkauft. Nach dem Anschlag haben sie die Aktien günstig am Markt wieder gekauft und dem Borger zurückgegeben. Die Differenz war ihr Gewinn. Das ging so bis jetzt. Dieses Mal sind die Aktienmärkte weltweit gestiegen, was da wohl dahinter steckt?

  • Malakeii am 17.11.2015 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    Europa braucht ein gemeinsames Militär

    @U.W: Gute Frage. Meine meinung ist diese, das hier der Rechtliche Rahmen fehlt, weil die meisten IS Rückkehrer die Staatsbürgerschaft der jeweiligen Länder besitzen und somit kann man Ihnen nicht einfach die Verfassungsmässigen Rechte verwehren, das ist so in einer Demokratie. Es müssen gesetze her wo geregelt wird wie mit einem Bürger umgegangen wird wenn er die Nationale oder sogar die internationale Sicherheit aktiv gefährdet. Da muss was gemacht werden weil einfach diese Leute wegsperren geht nicht weil auch im Knast haben Sie internet und vorallem könnten Sie im Knast andere zum Jihad ve

  • Küsche am 17.11.2015 12:13 Report Diesen Beitrag melden

    Saudis beliefern........

    Und genau diesen Saudis liefert die USA und auch Europa Waffen in jeder Menge, mit welchen sie die IS bewaffnen!!Es ist wirklich unglaublich, dass wiEuropa mit den eigenen Waffen angegriffen werden.Wann endlich wachen unsere Politiker auf?

  • Erik Schiegg am 17.11.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Wir müssen von fossiler Energie weg

    Elektroautos sind ein geeignetes Mittel dazu und bieten den Vorteil, dass die Schweiz im Batteriensektor mitmischen und endlich wieder etwas in grossem Stil produzieren könnte. Das Knowhow hätten wir mit den ETHs...