Kofferraum statt Milchkästli

16. März 2017 16:05; Akt: 16.03.2017 16:05 Print

In-Car-Delivery ist vielen Konsumenten zu unsicher

von S. Spaeth - Seit zwei Wochen liefert die Post Pakete in den Kofferraum. Nun zeigt eine Umfrage: Das Angebot wird von vielen als unnötig und unsicher bezeichnet.

So funktioniert die Paketlieferung ins Auto.
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Der Kofferraum löst das Milchkästli ab. Seit Anfang März liefert die Schweizerische Post beim Migros-Onlineshop Le Shop bestellte Artikel in den Kofferraum von Autos der Marke Volvo. Zentral ist dabei ein digitaler Code, der es dem Pöstler ermöglicht, den Kofferraumdeckel einmalig zu öffnen und die Lieferung zu deponieren. Doch entspricht ein solcher Service überhaupt einem Konsumentenbedürfnis? Das wollten die Marktforscher von Intervista wissen. Das Resultat: Lediglich 28 Prozent ziehen in Betracht, sich Waren in den Kofferraum liefern zu lassen.

Laut der repräsentativen Umfrage bei über 1000 Personen ist die Akzeptanz der In-Car-Delivery bei Männern (33 Prozent) deutlich höher als bei Frauen (22 Prozent). 40 Prozent der regelmässigen Online-Shopper können sich vorstellen, den Kofferraum-Lieferservice zu nutzen. Hoch ist die Zustimmung auch in der Gruppe der technologieaffinen Early Adopters: 41 Prozent geben an, den Dienst künftig zu nutzen oder eher zu nutzen. Am meisten Zustimmung bekommt die In-Car-Delivery bei den 30- bis 45-Jährigen.

Der Zeit voraus sein?

Le-Shop-Chef Dominique Locher freut sich über die Umfrage und spricht von guten Werten. «Besonders erfreulich ist die hohe Zustimmung bei den Early Adoptern», so Locher im Gespräch mit 20 Minuten. Dass erst 28 Prozent aller Befragten sich eine Lieferung ins Auto vorstellen können, ist für den Le-Shop-Chef kein Problem. «Bei neuen Technologien muss man früh einsteigen, um rechtzeitig zu sein», so Locher. Laut den Marktforschern von Intervista könnte über die Early Adopters der Nährboden dafür geschaffen werden, dass sich die Akzeptanz des Autos als Michkästli auf andere Bevölkerungsgruppen ausweitet.

Doch warum wollen die Konsumenten sich ihre Pakete nicht in den Kofferraum liefern lassen? 60 Prozent der Befragten finden den Service überflüssig, zumal man das Paket auch auf anderen Wegen bequem empfangen könne. Zudem geben 28 Prozent der Befragten an, ihnen fehle das Vertrauen in die Technologie. Sie befürchten, dass Unbefugte ihr Auto öffnen könnten.

«Ein einmalig gültiger digitaler Schlüssel ist für die Konsumenten noch Neuland, da ist Ablehnung verständlich, zumal das Auto von vielen als etwas sehr Persönliches angesehen wird», so Locher. Er zieht Parallelen zum Start des Online-Shoppings vor zehn Jahren, als ein erheblicher Teil der Konsumenten ebenfalls skeptisch war. «Das ist Teil der digitalen Transformation», so Locher.

Bald 10'000 Autos als Milchkästli

Nach zwei Wochen im Betrieb ist die Kofferraum-Lieferung noch kein grosser Volumenbringer: «Wir hatten zu Beginn täglich eine Hand voll Bestellungen, und jetzt zieht es an», so Locher. Es gehe um eine Zukunftstechnologie, folglich sei wichtig, dass das System funktioniere und es keine Reklamationen gegeben habe. Zudem haben sich laut Locher andere Autofirmen gemeldet und sich für die neue Zustellmöglichkeit interessiert. «Jedes Auto ist ein potenzielles Schliessfach», so Locher.

Auch beim Autohersteller Volvo freut man sich über die Umfrage und streicht die hohe Zustimmung bei den Early Adopters heraus. «Der Service wird bereits seit über einem Jahr erfolgreich in Schweden angeboten und ist unter den Benutzern äusserst beliebt», sagt Sascha Heiniger von Volvo Schweiz. In Umfragen in Schweden würden vor allem die Zeitersparnis und der Komfort positiv hervorgehoben. Derzeit gibt es in der Schweiz rund 6500 Volvos, bei denen In-Car-Delivery möglich ist. Bis Ende Jahr sollen es 10'000 sein.

Die Post liefert in den Volvo-Kofferraum

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nadine am 17.03.2017 08:51 Report Diesen Beitrag melden

    Mir würde es schon reichen...

    ...wenn der Paketpöstler wirklich klingeln würde! Vor zwei Tagen waren wir zu zweit zuhause & hatten dann einen Abholschein im Briefkasten. Antwort der Post: Die Pöstler seien unter Zeitdruck. -Dann schaut gefälligst auf eure Mitarbeiter, dass die ihren Job richtig machen können, indem ihr deren Routen besser plant / mehr Leute einstellt, die entlasten!

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  • Jürg am 16.03.2017 16:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Essen muss man aber noch selber, oder ?

    Unglaublich, wie faul der Mensch geworden ist. Lässt sich alles nachtragen.

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  • mae2 am 16.03.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sinnlos...

    Und dann muss ich den vor Hitze vergammelten Schinken noch eigenhändig meine Treppe hinauf schleppen??? Bei Coop@Home kann ich heute bestellen, am Abend nach der Arbeit wird geliefert... da macht In-Car-Delivery wenig Sinn.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Yves A. Schneider am 18.03.2017 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    In Zukunft liefert Robi

    Die Post wird in Kürze Roboter einsetzen. Diese rufen dann den Empfänger an, machen mit ihm einen Code aus und liefern dorthin wo der Empfänger ist und auch anwesend sein wird. Dies dann 7x 24 Stunden. Wird zuverlässiger sein als bis anhin.

  • C. F. am 18.03.2017 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    Captain Future

    Stimmt man sollte die Briefkästen Zeitgemäss umgestalten. Die Idee die ich eigentlich besser finde wurde von der Post verworfen. Mit Bluetooth ist alles besser ;-)

  • Ajeje Brazorf am 18.03.2017 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Ich wusste das....

    Als es anfangs März als grosser Coup publiziert wurde, habe ich meine Bedenken hier nieder geschrieben und lauter "Daumen unter" geerntet. Bedenken Nr.1 war die Sicherheit.

  • z.icke am 18.03.2017 00:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    WOW

    WOW, was für eine Erkenntnis! Diese neue Dienstleistung wird also von den "Early Adopters" am meisten genutzt! ("Early Adopters" sind gemäss Definitiom in einfachem Deutsch Menschen, welche neue Errungenschaften zuerst nutzen) Wie lange hat man für diese Studie gebraucht?

  • Asterix am 17.03.2017 18:34 Report Diesen Beitrag melden

    Was sind

    Early Adoptern? Kann man eigentlich noch irgend etwas so schreiben, ohne dass man dauernd Leo Org konsultieren muss? NERV!