Alltag bei Foxconn

18. Dezember 2012 08:55; Akt: 18.12.2012 10:21 Print

In der Fabrik des Grauens

Erstmals ist es einem Fernsehteam gelungen, innerhalb einer Anlage des umstrittenen Apple-Zulieferers Foxconn versteckt zu filmen. Die Arbeitsbedingungen sind so schlecht wie befürchtet.

Hinter den Kulissen: Die Arbeitsbedingungen bei Foxconn sind miserabel.
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Sie schuften ohne Pause, werden angeschrien und schlecht behandelt: Immer wieder steht der weltgrösste Elektronik-Zulieferer Foxconn in den Schlagzeilen, weil er seine Mitarbeiter unter miserablen Bedingungen krampfen lässt. So veröffentlichte Mitte September eine chinesische Nichtregierungs-Organisation eine Studie, in der zu lesen war, dass in Foxconn-Fabriken Schüler zur Arbeit gezwungen würden. Der chinesische Hersteller des iPhones hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen (20 Minuten Online berichtete).

Dennoch: Berichten zufolge stehen Krawalle, Prügeleien und Suizide praktisch an der Tagesordnung.

Ohne Praktikum kein Diplom

Die französische Journalistin Anne Poiret deckt nun für den Sender TF2 die Zustände hinter Foxconns Kulissen auf. Sie berichtet etwa, dass auf die 16-jährigen Praktikanten durchaus erheblicher Druck ausgeübt wird. «Dieses Praktikum hat mit ihrer Schulausbildung überhaupt nichts zu tun, aber sie haben keine Wahl: Tun sie es nicht, bekommen sie weder eine Studienförderung noch ein Diplom», schildert die Journalistin in einem Interview mit der Zeitschrift Nouvel Observateur, wie Foxconn zu neuen Mitarbeitern kommt. Poirot geht aufgrund ihrer Recherchen davon aus, das rund sieben Prozent der 200'000 Beschäftigten in Zhengzhou zwangsverpflichtete Praktikanten sind.

Für ihre Reportage rüstete sie mehrere Komplizen mit versteckten Kameras aus, die den Alltag in den gut geschützten Fabrikanlagen dokumentierten. Sie hielten sich zwischen vier und zehn Tagen auf dem Firmengelände auf. Die eigentlichen Produktionsanlagen konnte Poirot nicht filmen, da Metalldetektoren im Eingangsbereich die versteckten Kameras erkennen würden.

Dennoch bestätigt sie, dass die Foxconn-Arbeiter überarbeitet sind, in baufälligen oder noch nicht zu Ende gebauten, viel zu engen Unterkünften ohne Privatsphäre hausen müssen und von ihren Vorgesetzten beleidigt und in militärischem Stil gedrillt werden.

Im Zimmer verbrannt

Zudem fand sie zwei 16-Jährige, die zugaben, nicht freiwillig für Foxconn zu arbeiten. Ihre Schilderungen lassen erahnen, wie gross die Arbeitsbelastung sein muss. Entgegen den offiziellen Arbeitszeitregelungen für Minderjährige gehören auch Nachtschichten zum Praktikumsalltag.

Die Sicherheitsstandards seien teilweise ungenügend. So konnte für die Reportage ein Vorarbeiter gefilmt werden, der Neuankömmlingen davon abrät, elektronische Geräte in ihren Gemeinschaftszimmern einzustecken, da am Vortag acht Personen durch einen Brand ums Leben gekommen seien.

Hinter dem Namen Foxconn steht der Konzern Hon Hai Precision Industry, der in China 1,2 Millionen Menschen beschäftigt. Unter anderem werden von Foxconn iPhones und iPads produziert.

(mbu)