Digitale Vermögensverwalter

01. März 2015 22:35; Akt: 02.03.2015 09:33 Print

Internet-Start-ups setzen Banken unter Druck

von Kaspar Wolfensberger - Bankgeschäfte wie Überweisungen lassen sich längst übers Internet erledigen. Ein Zürcher Start-up wagt sich noch weiter vor.

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Der Gang in die Bankfiliale ist heute für die meisten Kunden eine absolute Ausnahme. Wer Geld überweisen oder einfach den Kontostand überprüfen möchte, erledigt das mit Online-Banking. Dieser Trend zur Digitalisierung erreicht jetzt auch die Vermögensverwaltung. Statt des klassischen Anlageberaters aus Fleisch und Blut gewinnt das computerbasierte Wealth Management an Bedeutung.

Auch in der Schweiz gibt es entsprechende Unternehmen. Eines davon ist True Wealth. Ende 2014 haben ETH-Physiker Felix Niederer und Digitec-Gründer Oliver Herren True Wealth auf den Markt gebracht. Es bietet eine Online-Plattform, die Anlegern hilft, in kurzer Zeit ein auf ihr individuelles Risikoprofil ausgerichtetes Portfolio zusammenzustellen. Entsprechend ihren eigenen Wünschen können die Kunden dabei auch festlegen, ob sie lieber in Aktien, Obligationen oder zum Beispiel Rohstoffe investieren möchten.

Gespaltene Meinungen

Eigentlich begrüssen Marktbeobachter, dass die Banken digitale Konkurrenz erhalten. «Unser Finanzplatz braucht einen Wettbewerb von Internet-Finanzportalen. Durch die Vormachtstellung der Grossbanken liegt die Schweiz hier fast noch in der Steinzeit», so zum Beispiel Vermögensverwalter Roger Fromm, Geschäftsführer der Investory AG. Gut seien auch die geringen Gebühren. «Die Plattform ist deshalb auch für Anleger mit tieferen Vermögen interessant.»

Finanzunternehmer und Fintech-Investor Marc P. Bernegger findet ebenfalls lobende Worte für die Funktionsweise der Plattform. Andererseits gebe es für ihn aber ein grosses Fragezeichen: «Ich bezweifle, dass True Wealth mit seinem Geschäft den Sprung in die Gewinnzone schaffen wird.» Um einen substantiellen Profit zu erwirtschaften, müsse True Wealth eine sehr hohe Anzahl an Geldern verwalten. Konkurrenten aus den USA sei dies teilweise gelungen. Dies in der Schweiz in absehbarer Zeit auch zu erreichen, sei aber sehr schwer.

Stark gewachsen

Die Zahlen von True Wealth scheinen allerdings in eine andere Richtung zu weisen: Als das Start-up loslegte, verwaltete es fünf Portfolios von Freunden mit insgesamt 200'000 Franken. Wenige Monate später sind es schon 200 Kunden und acht Millionen Franken.

Die Attraktivität seines Angebots machen laut Niederer primär zwei Faktoren aus. Erstens sei seine Plattform objektiv und hänge nicht, wie ein klassischer Kundenberater, von der Verkaufskommission ab. Zweitens seien die Gebühren sehr tief. «Wahre Qualität in der Vermögensverwaltung zeichnet sich primär durch tiefe Kosten aus, das bringt langfristig mehr Rendite», erklärt Niederer.

Investoren wurden aufmerksam

Der schnelle Erfolg hat grosse Firmen und Investoren auf True Wealth aufmerksam gemacht. Wie die «Weltwoche» berichtet, zeigte beispielsweise die Swisscom Interesse am jungen Anlageberatungsunternehmen. Der Grund: Als IT-Dienstleistungsunternehmen hat die Swisscom in der Finanzindustrie überragende Bedeutung erlangt. Deshalb versucht das Telekomunternehmen beständig innovative Finanzdienstleistungen voranzutreiben.

Auf ein mögliches Kaufinteresse von Swisscom angesprochen, winkt Digitec-Gründer Herren aber ab. «Ein Verkauf steht jetzt nicht zur Diskussion. Wir freuen uns aber über jeden zufriedenen Kunden und wollen weiter wachsen.» Dabei bleiben die beiden Gründer realistisch: «Man kann sich natürlich nicht jeden Monat verdoppeln. Aber wenn wir Ende Sommer tausend Kunden haben, sind wir sehr zufrieden», so Niederer.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Steve am 01.03.2015 22:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine Aufsicht durch die FINMA

    Witzig, wie True Wealth Wert auf Transparenz und Offenheit legt, sich gleichzeitig aber keine Lizenz bei der FINMA geholt hat und über die Selbstregulierung der effektiven Überwachung entgeht.

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  • Martha Keller am 01.03.2015 23:10 Report Diesen Beitrag melden

    Überwachung

    Das Ziel der Finanzwelt und der Steuerbehörden ist es das Bargeld abzuschaffen, um so die gesamte Kontrolle zu erhalten um dem Bürger das Geld aus der Tasche, respektive vom Konto zunehmen. Die totale Überwachung hat schon lange begonnen.

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  • Greg am 01.03.2015 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Swissquote machts schon lange

    "nach wenigen Monaten "schon" 200 Kunden?" Das tönt nach einem Flop. 200 oder auch 1000 Kunden sind praktisch nichts.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Nadine am 02.03.2015 20:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Idee ist gut

    Die idee find ich toll, ich kann diese kravattenheinis auf meiner cs bank nicht mehr ertragen. Heute sind die kundenberater der banken nichts anderes mehr als vertreter.

  • Supermario am 02.03.2015 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Tiefere Recherche wäre toll

    Finde die Idee grundsätzlich gut. Mir fehlen aber wichtige weiter gehende Angaben. Was soll der gute Service kosten und mit welcher Depotbank (da sie ja selber keine Bankbewilligung haben) arbeiten die zusammen und auch dort zu welchen Konditionen. Ansonsten ist schlichtweg kein Vergleich möglich!

  • John007 am 02.03.2015 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Beratung nicht unbedingt nötig

    Das ganze ist gar nicht soo schwierig, geht auch ohne Beratung. Ich selber habe diese Woche für 40k eine Aktie am Nasdaq gekauft. Bin jetzt 30, und plane die Aktie für 30-40 Jahre zu behalten. Ich gehe davon aus, dass sich diese Aktie bis dann mindestens verfünffachen wird, tendenziell eher verzehnfachen. Wenn der unwahrscheinliche Fall eintreten sollte, dass die Firma Konkurs geht, würde das nicht den finanziellen Ruin bedeuten = Win-Win Situation.

    • Gerne Reich am 02.03.2015 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      Beratung ??

      und wenn du uns allen den Namen der Firma nennst werden wir alle reich

    • Supermario am 02.03.2015 13:02 Report Diesen Beitrag melden

      Unseriös hoch drei

      Wenn Du das verkraftest, viel Spass! Mit seriöser Vermögensverwaltung hat das hingegen herzlich wenig bis gar nichts zu tun. Mit alles auf Schwarz setzen und wenn Rot kommt, die Rechnung dann der Allgemeinheit (Sozialamt) präsentieren! Im übrigen bin ich noch nie einem privaten Anleger begegnet, der im Nachhinein falsche Anlageentscheide zugegeben hat. Wären wirklich alle so clever, müsste keiner mehr arbeiten!

    • Bär Ater am 02.03.2015 15:26 Report Diesen Beitrag melden

      Viel Spass mit der Ami-Aktie

      Tesla...? aber psssss... absoluter Geheimtipp! Und wer einen guten Kaffee möchte, hier noch ein absoluter Geheimtipp: Staaarbucks... P.S. Ami-Aktien unterstehen dem Ami Erbrecht. Deine allfälligen Erben dürfen im Amiland Erbschaftssteuer abdrücken - aber wozu braucht man schon Berater...

    • Bär Ater am 02.03.2015 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Teures Klopapier

      Ach und noch was: wenn die Firma konkurs geht, kann Du Dir die Aktien physisch ausliefern lassen und als Klopapier brauchen. Aber hey, wozu einen Berater?

    • JB bänker am 02.03.2015 16:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      JB bänker

      @john wenn ich nur schon den sutuationsbeschrieb lese: 40k in eine aktie (totalvermögen: 50k?) seeeehr gute diversifikation, hauptsach alles auf eine Karte setzen! single stock & dann noch nichtmal bluechip nehme ich an.. aber der berater ist natürlich überflüssig jaaajaa und dann wundern wenn nichts mehr da ist -.'

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  • Joachim Gerner am 02.03.2015 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    VORSICHT WALTEN LASSEN

    Naja. Man möchte denken, dass dieser elektronische Anlageberater nicht in seine Tasche wirtschaftet und seinen Kunden daher keine Ramschanlagen andreht. Erhöhte Vorsicht ist aber dennoch am Platze: Dieser elektronische Berater ist natürlich von interessierten Personen vercodet worden, wird slso von diesen gelenkt, sodass dennoch ein Interessenkonflikt vorhanden sein kann!

    • Supermario am 02.03.2015 18:06 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Vorurteile bitte :-)

      Gratis gibt's nun mal nichts! Bezüglich Unabhängigkeit würde ich diesen VV mal nicht vor verurteilen! Aufgrund der vorgeschlagenen Produkte sieht man doch recht schnell, ob die Maschine wirklich ohne Kick-Back oder was auch immer arbeitet!

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  • s1234 am 02.03.2015 04:39 Report Diesen Beitrag melden

    Dubios

    Banken unterliegen strengen Auflagen wenn es um Vermögensberatung geht (Haftung z.B.). Auch werben diese Anbieter damit, dass Banken unsicher sind - zwangsläufig brauchen sie jedoch auch ein Konto bei einer Bank. Abgesehen davon sind Wertschriften im Konkursfall nicht in der Konkursmasse, man kriegt sie also zurück. Aber das Beste ist die Aussage, dass eine VV vorallem billig sein muss. Falsch, sie muss möglichst individuell und auf den Kunden zugeschnitten sein.