Patienten-Rundumschutz

10. November 2011 16:01; Akt: 13.11.2011 19:38 Print

Ist die Hausfrau einmal krank ...

von Elisabeth Rizzi - Keine Kohle bei Grippe: Wer als Hausfrau erkrankt, wird nicht entschädigt. Und Haushaltshilfen sind teuer. Eine Versicherung kann hier sinnvoll sein - aber welche?

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Waschen, Putzen, Kochen; all diese Tätigkeiten müssen von einer anderen Person erledigt werden, wenn eine Hausfrau ausfällt. Wenn keine Angehörigen oder Bekannten einspringen können, muss eine professionelle Haushaltshilfe bezahlt werden. (Bild: Colourbox)

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*Martina Huber hatte Pech. Sie ist auf feuchtem Laub ausgerutscht, hingefallen und hat sich die rechte Schulter ausgerenkt. Dabei ist auch ein Nerv am Arm gerissen. Die Folge: Martina Huber kann Arm und Hand nicht mehr bewegen und braucht intensive Physiotherapie. Wenn sie Glück hat, werden die motorischen Funktionen in den nächsten ein bis zwei Jahren zurück kommen.

Für die alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist das eine Katastrophe. Sie kann nicht mehr einkaufen, putzen und ihre anderthalbjährige Tochter versorgen. Sie muss eine Haushaltshilfe engagieren. Die zusätzlichen Kosten wiegen schwer auf dem Haushaltsbudget.

Martina Huber hat nie daran gedacht, eine Taggeldversicherung abzuschliessen. Denn sie war der Meinung, dass sie kein Geld zugute hätte, da sie nicht berufstätig ist. Doch das ist ein Irrtum. Genau für Fälle wie Martina Huber gibt es so genannte Hausfrauenversicherungen. Diese decken die Zusatzkosten, die entstehen, wenn eine Hausfrau ihrer Arbeit wegen eines Unfalls oder einer Krankheit nicht mehr nachkommen kann.

Sachversicherer: Eingeschränkt und teuer

Alle grossen Sachversicherer und Krankenkassen bieten Versicherungslösungen für Nichterwerbstätige an. Allerdings ist es nicht leicht, das passende Produkt zu finden. Das Wirrwarr bei den Produkten ist gross. Prämien, Leistungsumfang und Leistungsdauern variieren stark.

Eingeschränkt und teuer ist das Angebot bei den Sachversicherern. So kann man bei Axa Winterthur nur eine Unfall-Taggeldversicherung abschliessen. Die finanziellen Folgen von Krankheiten können Nichterwerbstätige hier nicht versichern lassen. Zudem beträgt die monatliche Mindestprämie, ab der überhaupt eine Versicherung abschliessbar ist 100 Franken.

Bei Zurich wiederum kann zwar eine Polic für Unfall- und Krankentaggeld abgeschlossen werden. Doch gilt eine Mindest-Wartefrist von 30 Tagen. Im Vergleich zu den Krankenversicherern ist aber Zurich mit einer Prämie von 100 Franken ebenfalls nicht konkurrenzfähig.

Unterschiedliche Leistungen

Alle grossen Krankenversicherer bieten deutlich günstiger kombinierte Taggeldlösungen für Krankheit und Unfall an. Mit 55.80 Franken Monatsprämie ist die Groupe Mutuel dabei mehr als doppelt so teuer wie Helsana oder CSS (vgl. Tabelle). Allerdings bezahlen Groupe Mutuel und Sanitas (Monatsprämie 39.30 Fr.) auch mehr als doppelt so viele Taggelder wie die Konkurrenz; nämlich 720 Tage innert 900 Tagen gegenüber 365 Tagen innert 1825 Tagen. So betrachtet, sind die «teuren» Versicherungen im Schadensfall «billiger». Es gilt also die Wahrscheinlichkeit einer längeren, schweren Krankheit bzw. eines Unfalls abzuwägen.

Weiter ist entscheidend, wie viel Geld maximal bezogen werden kann. So kann man bei Groupe Mutuel etwa höchstens 50 Franken über die Zusatzversicherung Sekunda und 20 Franken über die Taggeldversicherung gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) beziehen. Helsana und CSS versichern maximal ein Taggeld von 100 Franken. Und bei Sanitas können Nichterwerbstätige bis zu 165 Franken Taggeld versichern lassen.

Ebenfalls sollte interessieren, bis zu welchem Betrag man Versicherungsleistungen ohne Kostennachweis beziehen kann. Bei der CSS müssen Leistungsbezüger erst auf Verlangen der Versicherung die effektiv entstandenen Mehrkosten nachweisen. Sanitas verlangt Belege ab 165 Franken bei einer Wartefrist von 60 Tagen bzw. ab 70 Franken bei einer Wartefrist bis zu 30 Tagen. Bei Helsana müssen Belege ab Kosten von 50 Franken pro Tag abgeliefert werden.

Fazit: Selbst wer nicht auf Rosen gebettet ist, muss sich überlegen, dass eine schwere Krankheit oder ein Unfall massive Löcher ins ohnehin klamme Budget reissen kann. Angesichts dieser Tatsache lohnt es sich, eine Minimal-Versicherung abzuschliessen. Sparen können Policenehmer mit einer Verlängerung der Wartefrist und der Höhe des gewählten Taggeldes. Zur Bestimmung des tatsächlichen Bedarfs lohnt es sich, im Voraus einmal konkret aufzulisten, welche Tätigkeiten durch Drittpersonen erledigt werden müssten und was das kosten würde (z.B. Putzfrau, Hilfe beim Kochen etc.).

*Name von der Redaktion geändert

Offerte für:
Taggeldversicherung für eine Hausfrau, Jahrgang 1976, Wohnort Zürich
Taggeld von 1000.- / Mt.

Axa WinterthurCSSGroupe Mutuel
Wartefrist
30 Tage
Abschluss
nicht möglich
23.40 Fr.55.80* Fr.
Wartefrist
14 Tage
Abschluss
nicht möglich
23.40 Fr.71.20* Fr.
maximale
Leistungsdauer
Abschluss
nicht möglich
365 Tage
in 5 Jahren
720 Tage
in 900 Tagen
HelsanaSanitasZurich
Wartefrist
30 Tage
21.30 Fr.39.30 Fr. (bei
Neuabschluss:
29.45 Fr.)
99.14 Fr.
Wartefrist
14 Tage
23.10 Fr.59.40 Fr. (bei
Neuabschluss:
44.55 Fr.)
maximale
Leistungsdauer
365 Tage
in 5 Jahren
720 Tage
in 900 Tagen
720 Tage
*nur Taggelder von 20 Fr. / Tag (600 .- / Mt) möglich