Negativer Einlagezins

05. Juni 2014 15:08; Akt: 05.06.2014 16:28 Print

Ist mein Erspartes noch sicher?

von Laura Frommberg - Die Europäische Zentralbank hat einen negativen Einlagezins für Banken eingeführt. Das betrifft auch die Schweizer Grossbanken. Die wichtigsten Antworten zum Thema.

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EZB in Frankfurt: Der Einlagezins betrifft auch die Schweizer Grossbanken. (Bild: Keystone/uwe Zucchi)

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Was ist ein Negativzins?
Der Negativzins ist eines von mehreren Instrumenten, mit denen die Europäische Zentralbank gegen die drohende Deflation im Euroraum vorgehen will. Das ist so etwas wie eine Steuer, die Banken zahlen, wenn sie ihre überschüssige Liquidität bei der Zentralbank lagern. Normalerweise würden sie dafür Zinsen erhalten. Doch die EZB will, dass die Banken das Geld zur Kreditvergabe nutzen und in Umlauf bringen. Der Strafzins für Einlagen soll sie dazu anspornen.

Beeinflusst der Strafzins auch den Euro-Franken-Kurs?
«Ja», so ZKB-Ökonom David Marmet. «Für kleine Volkswirtschaften wie die Schweiz dürfte er Probleme schaffen.» Denn der Franken dürfte auf die Massnahmen insofern reagieren, dass er gegenüber dem Euro an Wert gewinnt und sich so dem Mindestkurs von 1.20 Franken wieder annähert.

«Muss die Schweizer Nationalbank jetzt reagieren?»
Der Schritt der EZB könnte auch die Schweizerische Nationalbank dazu zwingen, zu reagieren und auch bald Negativzinsen einzuführen. Ein weitreichender Entscheid, der Einfluss auf den gesamten Finanzplatz Schweiz und somit auch auf die kleineren Banken hätte. So wäre es entweder möglich, dass sie ihre Bilanz ausweitet – oder, dass auch sie Negativzinsen einführt. Das jedoch halten die meisten Marktbeobachter für unwahrscheinlich.

Was bedeutet der Entscheid für die Schweizer Banken?
Der Schritt ist primär für die beiden Schweizer Grossbanken UBS und Credit Suisse von Bedeutung. Sie verfügen über ausländische Banklizenzen und haben im Alltagsgeschäft mit der EZB zu tun. Jetzt müssen sie quasi «für das Privileg bezahlen, bei der EZB Geld zu hinterlegen», erklärt Joachim Klement.

Lohnt es sich für mich jetzt noch zu sparen?
«Ein allgemein niedriges Zinsniveau dürfte auch dazu führen, dass der Zins bei Sparkonten auf nahezu null fällt.» Und das wiederum kurbelt den Konsum an, weil Sparen sich in so einem Moment kaum noch lohnt. Wer sein Geld vermehren will, sollte also lieber auf alternative Anlagemethoden wie Aktien, Immobilien oder Edelmetalle setzen.

Muss ich um meine Ersparnisse fürchten?
Grund zur Panik besteht vorerst nicht. Die verheerende Wirtschaftskrise der letzten Jahre ist tendenziell ausgestanden. Auch Krisenstaaten wie Spanien verzeichnen derzeit wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum. Die Massnahme der EZB dient schliesslich auch der Ankurbelung des Konsums und damit der Wirtschaft.


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