Vor der Abstimmung

17. Juli 2017 18:23; Akt: 17.07.2017 18:23 Print

Ist mein Geld auf dem Vollgeld-Konto sicherer?

von Isabel Strassheim - «Sicheres Geld» fordert die Vollgeld-Initiative. Der Bankiervereinigung zufolge könnten die Banken das noch vor der Abstimmung einführen.

Bildstrecke im Grossformat »
Bislang ist nur Bargeld von der Nationalbank geschöpft, bei einem Vollgeld-Lohnkonto wäre das auch beim digitalen Giralgeld der Fall. Denn die Kontogelder würden dann nicht mehr von der Geschäftsbank geschöpft und in ihrer Bilanz geführt, sondern lediglich von ihr verwaltet. Unser Geld beziehen wir meistens aus dem Bancomaten. Doch wer schöpft es? Das ist die Kernfrage der Vollgeld-Diskussion. Auch wenn es ums Lohnkonto geht. Der Zürcher Paradeplatz mit den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse: Das Giralgeld auf den Lohnkonten und anderen privaten Konten wird von den Schweizer Banken selbst geschöpft. Die Schweizerische Nationalbank schöpft derzeit nur das Bargeld (im Bild das Direktorium der SNB: Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan, Andrea Mächler). Bei einem Vollgeldkonto würde sie jedoch auch das Giralgeld generieren. Die SNB in Bern: Wird unser Bankensystem bald umgebaut, wie es die Vollgeld-Initiative fordert? Sie fordern vollständige Finanzierung durch Notenbankgeld: Hansruedi Weber, Präsident des Vereins Monetäre Modernisierung (MoMo, Mitte), reicht zusammen mit als Willhelm Tell und Helvetia verkleideten Aktivisten in Bern die Vollgeld-Initiative ein. (1. Dezember 2015) Um bei der Schaffung von Geld neue Schulden zu vermeiden, würde die Nationalbank Geld ohne Gegenleistung dem Bund, den Kantonen oder den Bürgerinnen und Bürgern übertragen. Im Bild: Als Berufsleute, Willhelm Tell und Helvetia verkleidete Aktivisten reichen die Initiative ein. Der Bundesrat glaubt nicht, dass das Finanzsystem dadurch sicherer würde: Finanzminister Ueli Maurer erklärt, weshalb der Bundesrat die Initiative ablehnt. (9. November 2016) Der Bundesrat warnt auch vor den Risiken, wenn die Schweiz im Alleingang eine weitgehend unerprobte Umgestaltung des Geld- und Währungssystems wagen würde. Es sei mit Verwerfungen im Finanzsektor und negativen volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu rechnen: Ueli Maurer (r.) und Serge Gaillard, der Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, zur Vollgeld-Initiative in Bern.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Vollgeld soll so krisensicher sein wie Bargeld. Sämtliches Geld dürfte dann nur von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) geschöpft werden und nicht auch von Geschäftsbanken. Eine Panik, bei der jeder versucht, sein Geld abzuheben, um es vor einem Bankencrash zu retten, wäre damit ausgeschlossen. Denn bei Vollgeld wäre die Summe auf dem eigenen Lohnkonto nicht nur eine Zahl bei der Hausbank, sondern SNB-Geld.

Umfrage
Hätten Sie Interesse an einem Vollgeld-Konto für Ihren Lohn?
63 %
26 %
4 %
7 %
Insgesamt 2201 Teilnehmer

«Banken könnten ihren Kunden schon jetzt solche Vollgeld-Konten anbieten», sagt Martin Hess von der Schweizerischen Bankiervereinigung anlässlich eines Expertengesprächs. Dafür bestehe jedoch anscheinend keine Nachfrage, so Hess zu 20 Minuten. Über die Vollgeld-Initiative wird zwar erst im Sommer 2018 abgestimmt, aber schon jetzt gehen die Banken in die Offensive. Sie lehnen die Initiative ab, bringen aber die Idee eines Vollgeld-Kontos ins Spiel.

Was beim Vollgeld-Konto anders wäre:
Das Geld kann nach wie vor auf einem Konto bei der Geschäftsbank liegen. Sie führt es aber nicht in ihrer Bilanz – ähnlich wie Schmuck oder Bargeld in einem Bankschliessfach, das auch nicht in der Bankbilanz auftaucht. Bei einem Zusammenbruch der Bank ist das Geld somit nicht in Gefahr.

Wo das Vollgeld liegt:
Durch Vollgeld wird das elektronische Geld dem Bargeld gleichwertig und ist wie dieses durch die Nationalbank garantiert.
Denn es ist anders als bisher nicht von der Geschäftsbank geschöpftes Geld. Die SNB selbst wollte auf Anfrage von 20 Minuten zur Möglichkeit eines Vollgeld-Lohnkontos keine Stellung nehmen. Sie hatte die Initiative im Mai 2016 abgelehnt.

Die Gebührenfrage:
Ob die Kontogebühren beim Vollgeld steigen, ist umstritten. Alexander Koch vom Investment Office Raiffeisen Schweiz sagt zu 20 Minuten: «Um einen Anreiz für das Angebot solcher Konten zu schaffen (auch für Raiffeisen), muss gewährleistet sein, dass die kompletten Kosten für die Kontoführung inklusive einer Ertragsmarge dem Kunden weiter berechnet werden können», sagt Koch. Im Klartext: Die Gebühren dürften hoch ausfallen. Es könnten sich aber auch neue Anbieter etablieren, es geht ja lediglich um die Verwaltung der Konten. Mit grösserer Konkurrenz sollten so auch die Gebühren unter Druck kommen und fallen, sagt Raffael Wüthrich, Sprecher der Vollgeld-Initiative.

Die Zinsfrage:
Weil Banken mit dem Vollgeld-Lohnkonto nicht arbeiten können, entfallen die Zinsen. «Wer lieber Zinsen statt krisensicheres Geld möchte, kann sein Geld jederzeit auf einem Sparkonto der Bank deponieren», sagt Wüthrich von der Vollgeld-Initiative. Bei einem Sparkonto können Banken das Guthaben weiterhin zur Finanzierung anderer Geschäfte verwenden und auch einen Zins zahlen. Dafür unterliegt das Konto auch dem Geschäftsrisiko der Bank.

Weil es derzeit kein Kundeninteresse gibt, hat die Raiffeisen Schweiz derzeit aber keinerlei Absicht, ein Vollgeld-Lohnkonto anzubieten. Sollte die Initiative jedoch angenommen werden, bestünde bei ihr aber Interesse daran, die Kunden weiter zu binden. «Für ein Vollgeld-Konto-Angebot müssten für die Banken dann aber auch die Konditionen stimmen», sagt Alexander Koch vom Investment Office Raiffeisen Schweiz zu 20 Minuten. Die UBS gibt zum Thema Vollgeld keinen Kommentar ab, die Alternative Bank Schweiz begrüsst die Diskussion über das Thema.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom am 17.07.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tresor

    Zu Hause im Wandtresor ist das Geld sicher und es kostet keine Gebühren. Zudem kurzfristig verfügbar und keine Bezugslimiten. Der Staat hat darauf auch keinen Zugriff und kann es im Krisenfall nicht einbehalten.

    einklappen einklappen
  • Einfacher Sparer am 17.07.2017 19:58 Report Diesen Beitrag melden

    Sinn von Vollgeld nicht verstanden !

    Es geht darum, dass Banken nur so viel verleihen dürfen, wie sie Spargelder erhalten .... und nicht darum, Bargeld in ein Schliessfach zu legen. Denn wenn eine Währung zerfällt, ist das Geld im Schliessfach auch nur noch Papier. Sie wissen es natürlich schon - die lieben Banken - sie versuchen nur mit dieser Masche die Leute für dumm zu verkaufen.

    einklappen einklappen
  • Be Quem am 17.07.2017 19:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmmmm

    Also, mein Fastleer-Konto würde ich gerne gegen ein Vollgeld-Konto tauschen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mickey House am 18.07.2017 23:00 Report Diesen Beitrag melden

    Motive der Initianten

    Am besten, man schaut mal in den Initiativtext. Dort steht ganz prominent im 2. Satz: "Der Bund kann dabei vom Grundsatz der Wirtschaftsfreiheit abweichen". Das heisst, der Markt darf ausgeschaltet werden.Der Staat wird zum Monopolisten.Das CH-Geld- und Finanzwesen, wird derart geknebelt, dass man von einer faktischen Verstaatlichung sprechen muss. Welche politische Ecke hat ein Interessse daran?

    • ein Türke am 18.07.2017 23:11 Report Diesen Beitrag melden

      Motive der Spekulanten

      Soso. Wie Wollen sonst ihre Währung vor Spekulanten Schutzen? Die mit ihre Geldmenge ( nicht mal ihnen gehört sondern Zinseszins ist) ganze Volkswirtschaften in Ruin stürzen?

    einklappen einklappen
  • Freier Mensch am 18.07.2017 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn Vollgeld also nicht

    auf Kredit beruht, was ist denn der einzutauschende Wert? Der Wert eines bunt bedrucktes Papierchen mit irgendeiner aufgedruckten kostet kaum mehr als 2 Rappen.

    • ein Türke am 18.07.2017 20:48 Report Diesen Beitrag melden

      Leistung

      Es beruht auf Wirtschaftsleistung eines Volkswirtschaftes, und nicht auf betrügerischem Schneeballsystem.

    • Philosoph am 18.07.2017 22:23 Report Diesen Beitrag melden

      Prioritätenreihenfolge

      Die Vollgeld-Fans wollen, dass der Mensch zuerst arbeitet, dann Geld sparen und erst danach sich mit Konsum belohnen kann. Die Gegener des Vollgeldes hingegen wollen, dass der Arbeitswillige zuerst Kredite aufnimmt und über den Konsum die Wirtschaft ankurbelt und danach unter Schulden- und Zinsendruck arbeiten muss.

    • Mickey House am 18.07.2017 23:53 Report Diesen Beitrag melden

      @Philosoph

      Was die Vollgeldfans anbelangt, könnte man das bejahen. Konsumkredite, Leasing und Abzahlungsgeschäfte dürften ein kümmerliches Dasein fristen. Bei den Gegnern des Vollgeldes, müsste man aber das Wörtchen "wollen" mit "wünschen" ersetzen. Der Arbeitswillige hat immerhin die freie Wahl.

    einklappen einklappen
  • Ewald Kornmann am 18.07.2017 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Diskriminierung der Kontenbesitzer

    Warum soll man Geld nicht genau so wie Aktien und Anleihen bei einer Bank nur verwalten lassen können? Denn genau das wäre eine einfache Beschreibung eines Vollgeld-Kontos. Welchem Aktienbesitzer käme es in den Sinn, statt in einem Depot aufzubewahren, seine Aktien per Aktienleihe seiner Bank zur freien verfügung zu geben. Als einzige Möglichkeit der Aktienverwaltung. Und dafür werden ja heute auch Depotgebüren bezahlt. Und es gibt einen Wettbewerb zwischen den Banken um die Depotkunden.

  • Thierry am 18.07.2017 15:45 Report Diesen Beitrag melden

    Banken erzeugen Geld aus dem Nichts

    Mit Vollgeld wird es Privatkonten UND Sparkonten geben. Auf Privatkonten können wir dann unser Bargeld in elektronischer Form sicher deponieren, nämlich ausserhalb der Bankenbilanz (Stichwort too-big-to-fail). Das Geld auf Sparkonten wird weitergegeben an Kreditnehmer. Heute ist das nicht so, sondern Banken erzeugen Geld aus dem Nichts. Damit können sie Aktien kaufen oder Zinsen verdienen. Ein grosser Nachteil für alle anderen Wirtschaftsteilnehmer die das nicht können. Höchste Zeit für's Vollgeld!

    • Mike Meier am 18.07.2017 17:54 Report Diesen Beitrag melden

      Falsch

      Die Bank erzeugt nicht Geld aus dem Nichts, sondern durch Kreditgewährung.

    • Ewald Kornmann am 18.07.2017 19:04 Report Diesen Beitrag melden

      @ Mike Meier

      Die meisten Bankkunden denken bei einem Kredit an eine Umbuchung. Von einem Konto wo sich gerade Geld befindet wird etwas weg genommen und dem Kunde als Kredit gegeben. Aber genauso ist es eben leider nicht. Durch die Kreditbuchung wird die Geldmenge erhöht. Die Bilanzsumme der Bank erhöht sich auf beiden Seiten um den gleichen Betrag. Und um genau zu sein, erzeugt eine Bank kein Geld, sondern ein Guthaben. und ein Guthaben soll ein gut haben, natürlich bei einer Bank des Vertrauens. Wird uns von den Banken zumindest immer erzählt.

    • ein Türke am 18.07.2017 19:28 Report Diesen Beitrag melden

      @Mike Meier

      Man Kann Die Begriffe drehen und wenden wie man Will. Fakt ist: Ein Kredit muss mit Zinsen zuruck bezahlt werden. Mag sein das der Schuldbetrag aus Guthaben anderer besteht(vom Volk nicht überprüfbar) aber die Zinsen wurden definitiv aus dem Nichts kommen.

    • Mike Meier am 18.07.2017 19:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Ewald Kornmann

      @Ewald Kornmann. Mit dieser Kurzkommentarfunktion kann man leider nur rudimentär anworten. Fakt ist, dass Geld in Form eines Kredites ein Produktionsfaktor ist. Es ist völlig naiv, dass der Wirtschaft mit Vollgeld genügend Kredit zur Verfügung steht. Schon gar nicht bei einem Wirtschaftsabschwung. Dadurch schadet Ihr dem Wirtschaftsstandort Schweiz in grossem Ausmass. Wohin gehen die Firmen, wenn sie hier unzureichend Kredit erhalten? Natürlich über die Grenze. Folge das Ausland profitiert einmal mehr. Weiter besteht eine überaus grosse Gefahr, dass der Staat/SNB die Geldmenge manipuliert.

    • Freier Mensch am 18.07.2017 19:47 Report Diesen Beitrag melden

      Alle Schulden haben einen

      Verfallstag und müssen bezahlt oder überrollt werden. Zahlt der Schuldner nicht, bezahlt der Gläubiger durch Abschreibung. Das Geld selber verschwindet aber nicht.

    einklappen einklappen
  • Ewald Kornmann am 18.07.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    technischer Nachvollzug

    Durch die technische Entwicklung haben wir heute den bargeldlosen Zahlungsverkehr als sehr einfache Methode. Das ist auch gut so. Dadurch haben sich aber die Relationen zwischen den Geldmengen (echtes Geld von der SNB und das von den Geschäftsbanken gebuchte Giralgeld) massiv verschoben. Nun ist es doch komisch, dass Bundesrat/Parlament diesen technischen Fortschritt auf der rechtlichen Ebene nicht nachvollziehen wollen. Leben wir denn noch in der Zeit ohne Computer? 1948 wurden Banknoten gesetzliches Zahlungsmittel. Nun sollten wir auch die Giralgelder zu gesetzlichen Zahlungsmittel machen.

    • Mike Meier am 18.07.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Ewald Kornmann

      Die Schweiz braucht nicht mehr Staat. Geld und Finanzpolitik muss strikt getrennt sein. Bei Vollgeld ist das nicht der Fall.

    • Supermario am 18.07.2017 13:39 Report Diesen Beitrag melden

      Technisch unnötig!

      Buchgeld IST de facto gesetzliches Zahlungsmittel; es kann jederzeit und gratis in Notengeld umgetauscht werden! Wer das möchte!

    • Ewald Kornmann am 18.07.2017 15:30 Report Diesen Beitrag melden

      @ Supermario

      Buchgeld ist ein Guthaben bei einer Bank und definitiv kein gesetzliches Zahlungsmittel. Auch wenn es üblicherweise so gehandhabt wird. Der rechtliche Unterschied ist in Verordnungen und Gesetzen klar angegeben. z.B. der Botschaft zum WZG S. 7271 ...

    • Ewald Kornmann am 18.07.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

      Gesetzliches Zahlungsmittel vs. Guthaben

      Botschaft zum WZG: S. 7271 "Solange nun der Staat kein generelles Sicherungssystem für sämtliche Bankguthaben errichtet (was einer marktwirtschaftlichen Sichtweise entspricht), darf er das Banken-Buchgeld auch nicht als vom Gläubiger einer Geldforderung zu akzeptierendes, gesetzliches Zahlungsmittel erklären"

    • Supermario am 18.07.2017 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Ewald Kornmann,

      Darum schreibe ich DE FACTO; jeder Franken Buchgeld auf Sichtkonti kann jederzeit in Notengeld getauscht werden!!! Was ist daran so schwer zu verstehen???

    • Tim am 18.07.2017 16:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mike Meier

      @Mike Meier Aber wenn die Banken abschmieren und drohen Bankrott zu gehen, muss der Staat eingreifen..... Unsere Banken wurden schon einmal gerettet, diese Banken würden ohne den Staat gar nicht mehr existieren.

    • Mike Meier am 18.07.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Tim

      Wer muss wohl eingreifen, wenn des der SNB dreckig geht? Mit dem CHF 700 Mia. auf der Passivseite, kann sie jederzeit Schlagseite bekommen... Natürlich, der Steuerzahler. Das Risiko wird somit auf eine einzige Institution konzentriert. Ihr noch mehr Macht zu geben, wäre verantwortungslos.

    einklappen einklappen