Geldpolitik

17. Dezember 2012 15:00; Akt: 17.12.2012 15:00 Print

Japans Wahlsieger will mehr Geld drucken

Japans künftiger Ministerpräsident Shinzo Abe will im Kampf gegen die Rezession die Notenpresse anwerfen. Die Börse reagiert freudig.

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Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index ging mit einem Plus von einem Prozent bei 9828 Punkten aus dem Handel. (Bild: Keystone)

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Japans künftiger Ministerpräsident Shinzo Abe hat die Zentralbank unmittelbar nach seinem Wahlsieg zum verstärkten Kampf gegen die Rezession gedrängt. Der konservative Politiker verwies am Montag darauf, dass er das Anwerfen der Notenpresse im Kampf gegen den Preisverfall bereits im Wahlkampf zu seinem Thema gemacht habe.

«Wir haben öffentlichen Rückhalt für unsere Sicht. Ich hoffe, die Bank von Japan (BoJ) berücksichtigt das.» Die Notenbank, die am Donnerstag über den weiteren Kurs entscheidet, muss nach dem Wahlsieg des Liberaldemokraten um ihre Unabhängigkeit bangen - ein Status, den sie erst seit 1998 besitzt.

Börse auf Rekordstand

Der Erdrutsch-Sieg der Liberal-Demokraten in Japan hat die Tokioter Börse am Montag auf den höchsten Stand seit achteinhalb Monaten gehievt. Gleichzeitig fiel der Yen auf den niedrigsten Stand seit 20 Monaten, wovon vor allem Exportwerte profitierten.

Beobachter rechnen unter Abes Führung mit umfangreichen Konjunkturprogrammen und einer deutlichen Ausweitung der bereits lockeren Geldpolitik in dem Fernostland. Aussenpolitisch hat er sich zudem für eine härteren Gangart gegen China ausgesprochen.

Zum vierten Mal in Rezession

Seit der Jahrtausendwende befindet sich Japan nunmehr zum vierten Mal in einer Rezession. Zudem leidet das Land unter einer hartnäckigen Deflation - also einer Spirale aus fallenden Preisen und sinkender Investitionsbereitschaft.

Abe hat nach dem erdrutschartigen Sieg mit seinem Koalitionspartner eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Rücken und damit auch die entsprechende Handhabe für einen grundsätzlichen Politikwechsel. Damit kann das Regierungslager Einsprüche des Senats zurückweisen, in dem es keine klaren Verhältnisse gibt.

Der künftige Ministerpräsident will die Notenbank bereits unmittelbar nach seiner Amtsübernahme auf eine stärkere Bekämpfung der Deflation festnageln. In einer gemeinsamen Erklärung von BoJ und Regierung soll das Inflationsziel auf zwei von einem Prozent angehoben werden.

Ziel wird wohl nicht erreicht

Die Notenbank hat bereits eingeräumt, dass ihr Ziel einer Jahresteuerung von einem Prozent bis Mitte des Jahrzehnts wohl nicht zu erreichen sein wird. Unter dem Druck der Regierung, die auch ein 2009 abgeschafftes «Koordinationsgremium» für die Zentralbank als Hebel einsetzen könnte, dürfte die diese die Notenpresse weit stärker rotieren lassen.

Hinzu kommt, dass Abe auch den Nachfolger des im Frühjahr ausscheidenden BoJ-Chefs Masaaki Shirakawa benennen kann. Japans Notenbank steht für eine weitere Konjunkturhilfe noch vor dem Jahresende bereit, wie sie Anfang des Monats ankündigte. Erst im Oktober beschloss die BoJ, ein Programm zum Ankauf von Anleihen und zur Vergabe von Krediten um umgerechnet 107 Mrd. Euro auf 884 Mrd. Euro auszuweiten.

Der klare Sieg der Liberaldemokraten in Japan brachte den Yen ordentlich ins Straucheln - ein Effekt, den Japans Exporteure mit Genugtuung sehen dürften, da eine starke Landeswährung ihre Exporte in den Dollar-Raum verteuert.

(whr/sda)

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