Neue Studie

15. Mai 2018 10:01; Akt: 15.05.2018 10:49 Print

Flight-Attendants werden «berührt und betatscht»

von V. Blank - Ein Grossteil der Flugbegleiterinnen wurde schon einmal sexuell belästigt, besagt eine US-Studie. Auch die Schweizer Gewerkschaft kennt Fälle.

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Ein tiefer Blick, eine anzügliche Bemerkung, ein Klaps auf den Po: Für den Grossteil der Flugbegleiterinnen gehört das zum Arbeitsalltag, wie eine neue Studie der US-Flugbegleitergewerkschaft AFA zeigt. Demnach sind 68 Prozent der Befragten schon einmal sexuell belästigt worden. Rund jede dritte Flugbegleiterin hat verbale Belästigung erlebt, und knapp jede fünfte wurde bereits Opfer von körperlichen Übergriffen.

Viele der Befragten sagten, sie hätten physische Belästigungen schon mehr als dreimal erlebt – allein im letzten Jahr. Die Flight-Attendants berichten in der US-Studie etwa, dass sie an Brüsten, Po und im Schritt «berührt, betatscht, gezogen, gepackt und gerieben» wurden.

«Das sind erschreckende, aber wenig überraschende Ergebnisse», sagt Denny Manimanakis, Präsident der Schweizer Gewerkschaft des Kabinenpersonals (Kapers). Offizielle Zahlen, wie oft Schweizer Flight-Attendants Opfer von sexueller Belästigung werden, gebe es zwar nicht – «aber das Phänomen ist nicht unbekannt».

Sind Sie Flight-Attendant und wurden schon einmal sexuell belästigt? Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen.

«Wo ist die hübsche Kollegin?»

Manimanakis arbeitet seit 23 Jahren als Flight-Attendant und wurde selbst zweimal Opfer von sexueller Belästigung – «und das als Mann», wie er sagt. Von Kolleginnen kennt er denn auch zahlreiche Geschichten von Passagieren, die zu weit gegangen sind. Das könne ganz subtil anfangen: «Da wird der Flugbegleiterin unauffällig eine Visitenkarte zugesteckt, oder ein Passagier fragt ständig nach der ‹hübschen Kollegin›, die ihn doch bitte bedienen soll.» Doch manche Passagiere sind noch viel aufdringlicher. Von Kolleginnen habe er auch schon gehört, dass Passagiere sie auf ihren «Knackarsch» oder den «schönen Vorbau» angesprochen hätten.

Manche Passagiere scheuten sich auch nicht davor, handgreiflich zu werden, sagt der Kapers-Präsident. So hat er schon beobachtet, wie Fluggäste den Flight-Attendants die Hand auf die Hüfte legen oder beim Servieren über den Arm streicheln – «alles natürlich unter dem Deckmantel des Zufalls».

Bild von der «jungen, sexy Stewardess»

Den Grund, warum gerade Flight-Attendants häufig sexuell belästigt werden, sieht Manimanakis in alten Klischees. «Die junge, sexy Stewardess in der Uniform weckt bei gewissen Menschen immer noch Fantasien», sagt er. Auch die räumlichen Gegebenheiten würden eine Rolle spielen. «Man verbringt viele Stunden in einem engen, geschlossenen Raum – das erhöht das Risiko für Fehlverhalten.»

Obwohl Fälle von sexueller Belästigung laut der US-Studie häufiger werden, melden sie die Opfer nur selten ihrem Arbeitgeber. Die Dunkelziffer sei hoch, sagt auch Kapers-Präsident Manimanakis. Er bemängelt, dass die Flight-Attendants in der Schweiz nicht spezifisch aufs Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz geschult werden.

Mündliche oder schriftliche Verwarnung

Die Swiss verweist auf die «umfassende Ausbildung» ihres Kabinenpersonals im Bereich von renitenten Passagieren. «Unsere Crews werden generell auf die Thematik sensibilisiert und darin ausgebildet, unterschiedliche Situationen situativ zu beurteilen», sagt Swiss-Sprecherin Karin Müller. Wie oft es beispielsweise zu verbalen Entgleisungen gegenüber dem Kabinenpersonal kommt, kommuniziert die Airline nicht.

Bei renitenten Fluggästen würden die Besatzungsmitglieder als Erstes das Gespräch suchen. Sollte der Passagier sein Verhalten nicht ändern, werden mündliche oder schriftliche Verwarnungen ausgesprochen.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M/C int. am 15.05.2018 10:58 Report Diesen Beitrag melden

    Konsequenzen

    Ich bin der Chef in der Kabine. Begrabscht jemand ein Crew Member oder ein Passagier am Boden, schmeisse ich ihn raus. Wenn wir schon in der Luft sind, wird er an der Destination von der Polizei abgeholt. Und für alle die mir nicht glauben: Ich bin Maître de Cabine, ich kann so was in Absprache mit dem Kapitän problemlos veranlassen und tue es auch.

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  • gogg am 15.05.2018 10:11 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh solche Leute nicht

    Wie kommt man eigentlich drauf ne wildfremde Person einfach so an heiklen Zonen anzufassen? Käme mir nie in den Sinn sowas absichtlich zu machen.

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  • Gentleman am 15.05.2018 10:38 Report Diesen Beitrag melden

    es gibt einfach

    zu viele Männer die sich zu wichtig nehmen und denken sie können sich alles erlauben. Wer es versteht eine Frau gut zu behandeln kriegt alles im Überfluss.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris Gerberh. am 15.05.2018 20:11 Report Diesen Beitrag melden

    Auch als männlicher Attendant belästigt

    Ich bin ein männlicher Flight-Attendant und extrem gut aussehend. Leider werde auch ich immer wieder Opfer von sexuellen Belästigungen von "hyper-giggerigen" Frauen, vorallem dann, wenn diese in reinen Frauengruppen irgendwohin in den Urlaub fliegen. Ich bin doch kein "Freiwild" für solch rammlige Hühner!

  • Pilotissimo am 15.05.2018 17:46 Report Diesen Beitrag melden

    Crew-Intern

    ... und wie viele Flight Attendants machens mit jemandem von der Cockpit-Crew? Das dürfte mehr, viel mehr ins Gewicht fallen, als Passagiere, die mal eine zu wohlwolmende Bemerkung machen.

  • Diana am 15.05.2018 16:21 Report Diesen Beitrag melden

    gehts noch

    ich bin verkäuferin und wurde auch schon sexuell genötigt. ich habe einem kunden eine andere grösse hosen gebracht und ich habe vor der umkleidekabine gesagt, dass ich ihm die hose hinhänge. plötzlich riss er den vorhang auf und stand ohne unterwäsche vor mir. ich mich umgedreht und ihn stehenlassen.

  • Andy K. am 15.05.2018 15:13 Report Diesen Beitrag melden

    Anstand

    Ich weis echt nicht. Ich fliege alle 3 Monate auf einem Langstreckenflug. Was ich dort schon alles gesehen habe gibt mir echt zu denken. Männer welche plötzlich nur mit Boxershorts bekleidet auf die Toilette gehen, Passagiere welche sich bei den Snacks in der Bordküche für die nächsten 3 Jahre eindecken usw. Bei vielen scheint der Anstand wohl am Boden geblieben zu sein. Für mich ist so ein Flug eigentlich immer ganz easy. Abheben, Essen mit einem Bierchen, schlafen, Frühstück, landen fertig.

  • Konfuzius am 15.05.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Berühren

    Es liegt in der Natur von Kindern dass sie alles was ihnen gefällt mit den Händen berühren. Irgend wann sollte Mann aber erwachsen werden und erkennen dass man vieles weder berühren sollte noch berühren darf.

    • Lisa am 15.05.2018 20:42 Report Diesen Beitrag melden

      Aber hallo

      Meinen Kindern habe ich beigebracht, dass gewisse Sachen nur mit den Augen betrachtet werden, denn auch Erwachsene dürfen (oder sollten) nicht alles mit den Händen anfassen. Wer das als Kleinkind nicht lernt, hat später auch wenig Respekt vor fremdem Eigentum.

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