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Erhebung
13. Dezember 2010 09:50; Akt: 13.12.2010 11:18 Print
Jeder Siebte am Rande der Armut
Obwohl drei von vier Personen in der Schweiz zufrieden mit ihrem Leben sind: Die Schattenseite existiert. 6,7 Prozent der Bevölkerung muss den Gürtel enger schnallen.

Kein Luxus: Geld nur für die nötigsten Lebensmittel. (Bild: Keystone)
Die grosse Mehrheit der Schweizer sind mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden. Dennoch, nach EU-Kriterien gilt jede siebte Person als armutsgefährdet. 6,7 Prozent der Schweizer Bevölkerung muss materielle Entbehrungen hinnehmen.
Infografik Kennzahlen der Schweizer Wirtschaft
Definition Armut
Armut bedeutet Unterversorgung in wichtigen Lebensbereichen (materiell, kulturell und sozial), so dass die betroffenen Personen nicht den minimalen Lebensstandard erreichen, der im Land, in dem sie leben, als annehmbar empfunden wird. In der Regel wird die Armut finanziell definiert, wobei üblicherweise zwei Ansätze angewendet werden: der absolute und der relative Ansatz.
Die Armutsquote basiert auf einer «absoluten» Schwelle: Hierbei gelten Personen als arm, denen nicht die Mittel zur Verfügung stehen, um die für ein integriertes Sozialleben notwendigen Waren und Dienstleistungen zu erwerben. Dieser Definitionsansatz bezieht sich somit auf das soziale Existenzminimum. Damit bildet die Armutsquote eine Grundlage für die Evaluation der Sozialpolitik.
Dies sind die wichtigsten Ergebnisse einer Erhebung über die Einkommen und die Lebensbedingungen, die das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag veröffentlichte. Sie ermöglicht es zum ersten Mal in der Schweiz, die Lebensbedingungen auf breiter Basis zu untersuchen, indem Informationen über das Wohlbefinden und die Einkommensverteilung kombiniert werden.
Laut der Studie gaben 2009 74,6 Prozent der Schweizer Bevölkerung an, mit ihren Lebensbedingungen sehr zufrieden zu sein. Am stärksten wurde das Zusammenleben, das Arbeitsklima und die Wohnsituation geschätzt.
Bei der eigenen finanziellen Situation zeigten aber nur 51,4 Prozent hohe Zufriedenheit. Bei Ausländern aus Südeuropa und Personen mit tiefer Bildung lag dieser Prozentsatz noch markant tiefer (knapp 31 respektive 44 Prozent).
Ungleichheit bei Einkommensverteilung
Zur Ermittlung des Lebensstandard der Haushalte geht die Studie von einem «verfügbaren Aequivalenzeinkommen» aus, das sich aus dem verfügbaren Haushalteinkommens unter Einbezug der Anzahl Personen errechnen lässt. Teilt man die Bevölkerung in zwei gleich grosse Gruppen, so zeigt sich, dass die wohlhabendere Hälfte ein 2,3- mal höheres verfügbares Äquivalenzeinkommen besass als die einkommensschwächere Hälfte.
Als armutsgefährdet gelten Personen in einem Haushalt, dessen Einkommen deutlich unter dem üblichen Einkommensniveau des jeweiligen Landes liegt - es ist also ein relativer Begriff. Laut der «Armutsgefährdungsschwelle» der Europäischen Union liefen in der Schweiz 2009 14,6 Prozent der Bevölkerung Gefahr, in die Armut abzugleiten. Ihr Jahreseinkommen lag unter
Laut den strengeren Kriterien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) waren dagegen nur 8 Prozent der Schweizer Bevölkerung armutsgefährdet.
Zu den am stärksten armutsgefährdeten Gruppen zählen Eineltern- Familien, kinderreiche Familien, Ausländer, Personen mit geringer Ausbildung, Erwerbslose, Kinder und ältere Alleinstehende.
Materielle Entbehrungen
Die Mehrheit dieser armutsgefährdeten Personen müssen auch materielle Entbehrungen hinnehmen. Sie können keine unerwarteten Ausgaben tätigen, sich keine Ferien ausserhalb ihrer Wohnung leisten, oder sie leben in lärmigen Problem-Quartieren.
Eine Minderheit kann sich auch nicht qualitativ ausreichend ernähren. 6,7 Prozent der Bevölkerung sind hier betroffen - besonders stark ausländische Männer und junge Erwachsene.
Die Erhebungen über die Einkommen und Lebensbedingungen wird europaweit in 25 Ländern durchgeführt. In der Schweiz wurden 7000 Haushalte mit
(kub/sda)
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Alle 374 Kommentare
































Lebenskosten steigen - und die Löhne..??
In den 80ern konnte doch noch ein "normaler Arbeiter" mit Lehrabschluss eine Familie ernähren und sogar noch etwas auf die hohe Kante legen? Und heute? Mieten, Krankenkasse, Lebenskosten steigen, die Löhne stagnieren. Man buckelt 42 Stunden die Woche, um seine Rechnungen zu bezahlen, kann froh sein, wenn man überhaupt nen Job hat. Darum: Goodbye Schweiz. Die Auswanderer lassen grüssen. In meiner neuen Heimat bin ich a) auf dem Arbeitsmarkt willkommen, b) kann ich mir mehr von meinem Lohn leisten, und c) geniesse dazu noch viel mehr Freizeit. Die Schweiz ist längst nicht mehr, was sie mal war.
Pflegeassistent FA
Ich Arbeite als Pflegeassistent FA in einem Kantonsspital in der Zentralschweiz und verdiene Netto 3800 Fr. Ich finde es lächerlich das es so was noch gibt in der reichen Schweiz aber es kommen leider immer mehr Deutsche in die Spitäler. Im Gesundheitswesen wird schon seit ein paar Jahren gespart. Da ich gerne diesen Beruf ausübe muss ich leider auf einen anständigen Lohn verzichten.
Perspektive
Armut ist wenn man bettelt, nichts zu essen hat und kein Dach über dem Kopf. Klar gibts in der Schweiz im Vergleich zum Ausland wenig Arme. Aber es gibt viele, wenn nicht sogar mehr Leute als in anderen Ländern ohne Perspektive! Ein Studi hat eine Perspektive. Auch eine Armer kann eine perspektive haben, aber nicht in unserem Land! Hier gibt es keine Flucht aus den hohen Lebenskosten, es gibt keine "billige"alternative, KK und Miete sind immer hoch. Eine Ausbildung neben der Arbeit meist unerschwinglich, da die Lebenskosten so hoch sind, kann man sich weniger arbeiten nicht leisten.