Payment Report 2016

27. November 2016 15:10; Akt: 28.11.2016 08:13 Print

Jeder Vierte kann seine Schulden nicht bezahlen

von S. Spaeth - Offene Arztrechnungen oder Zahlungsrückstand beim auf Pump gekauften TV-Gerät: Zurzeit können 24 Prozent der Schweizer ihre Schulden nicht begleichen.

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Vier Millionen Schweizer konnten schon einmal ihre Ausstände nicht begleichen, schreibt die Inkassofirma Intrum Justitia in ihrem neusten Consumer Payment Report. Viel Zeit lassen sich die Schweizer fürs Bezahlen von Arztrechnungen. Im Vergleich zu 2015 werde die Bussen zurzeit schlechter bezahlt, ... ... dafür die Steuerschulden etwas früher beglichen. Ein Drittel der Schweizer gibt an, eine unvorhergesehene Ausgabe von über 2200 Franken ohne geliehenes Geld nicht bezahlen zu können. Thomas Hutter ist Chef des Inkassounternehmens Intrum Justitia in der Schweiz. «Wir haben für die Schweizer Wirtschaft im letzten Jahr 160 Millionen Franken zurückgeholt, damit die Firmen die Löhne bezahlen können», sagt Hutter zu 20 Minuten. Trotzdem würden Inkassofirmen in der Schweiz stets negativ wahrgenommen. Ein Intrum-Justitia-Mitarbeiter bei der Arbeit im Callcenter. Pro Schicht sind rund zwanzig Angestellte im Einsatz. Laut dem neusten Consumer Payment Report 2016 befürchtet rund ein Drittel der Befragten, dass nach Bezahlen aller Rechnungen kein Geld mehr übrig bleibt. Fast ein Viertel aller befragten Eltern im Alter von 18 bis 35 Jahren bleiben zugunsten der Kinder und der finanziellen Situation in einer Beziehung, obwohl sie sich nicht mehr lieben. Weil vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen die nötige Disziplin für eine gute Zahlungsmoral fehlt, hat die Caritas explizit für Junge zehn wichtige Geldregeln aufgestellt. Regel 1 lautet: «Geben Sie Ihr Geld überlegt aus.» Regel 2: «Behalten Sie Ihre Kreditkartenausgaben im Griff.» Regel 3: «Sparen Sie für grössere Ausgaben.» Goldene Regel 4: «Sparen Sie für Ungeplantes.» Regel 5: «Bilden Sie sich weiter.» Regel 6: «Rechnen Sie vor dem Zügeln.» Regel 7: «Kalkulieren Sie bei einem Autokauf alle Kosten.» Regel 8: «Prüfen Sie Ihren Anspruch auf Unterstützung» - beispielsweise Prämienverbilligung bei der Krankenkasse. Regel 9: «Prüfen Sie die Risiken bei Kredit und Leasing.» Regel 10: «Lassen Sie sich frühzeitig beraten.» 2013 lebte laut dem BFS knapp ein Drittel der Bevölkerung (inklusive Kinder) in einem Haushalt mit einem Konsumkredit, einer Leasingrate oder mit Schulden bei Freunden.

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Die Zahlen tönen alarmierend: Vier Millionen Schweizer konnten schon einmal ihre Schulden nicht begleichen, schreibt die Inkassofirma Intrum Justitia in ihrem neusten Consumer Payment Report. Und sogar heute könne jeder Vierte seine Ausstände nicht bezahlen. Für die repräsentative Studie hat das Inkassounternehmen in der Schweiz 1000 Erwachsene befragt.

Umfrage
Haben Sie mindestens die Höhe Ihrer Franchise sowie den maximalen Selbstbehalt von 700 Franken als eiserne Reserve?
71 %
16 %
9 %
4 %
Insgesamt 19334 Teilnehmer

Am meisten Zeit lassen sich die Schweizer im laufenden Jahr beim Bezahlen von Arztrechnungen und Verkehrsbussen, sagt Thomas Hutter, Managing Director von Intrum Justitia, zu 20 Minuten. Im Vergleich zu 2015 würden die Bussen derzeit schlechter bezahlt, dafür die Steuerschulden etwas früher beglichen. Ein Drittel der Schweizer gibt zudem an, eine unvorhergesehene Ausgabe von über 2200 Franken ohne geliehenes Geld nicht bezahlen zu können. Experten raten, mindestens die Krankenkassen-Franchise sowie den jährlichen Höchstbetrag des Selbstbehalts von 700 Franken auf der hohen Kante zu haben.

Jeder Siebte hat die finanzielle Situation nicht im Griff

Sind die von Intrum Justitia veröffentlichten Resultate Angstmacherei einer Inkassofirma oder Schweizer Realität? Die Zahlen seien eher ein bisschen übertrieben und darum gute Werbung für ein Inkassounternehmen, sagt Schuldenberater Sébastien Mercier zu 20 Minuten. Man dürfe die finanziellen Probleme der Bevölkerung aber nicht unterschätzen.

Laut einer Studie des Bundesamtes für Statistik (BFS) aus dem Jahr 2013 leben in der Schweiz knapp 18 Prozent der Bevölkerung (inklusive Kinder) in einem Haushalt mit mindestens einem Zahlungsrückstand. Das heisst laut dem Schuldenberater aber nicht, dass die Betroffenen den Zahlungsrückstand nicht kurzfristig verkraften könnten.

14 Prozent der Schweizer sagen laut dem Consumer Payment Report, sie hätten ihre finanzielle Situation nicht unter Kontrolle. Ein Drittel der Befragten gibt zudem an, sie hätten Angst, dass ihnen nach dem Bezahlen aller Rechnungen nicht genügend Geld bleibt. «Je nach Kredit- und Kundenkarten kann man heute etwas kaufen, es aber erst in einem Jahr bezahlen. Das erschwert die Kontrolle über die Finanzen», so Mercier. Viele Leute unterschätzten die Kosten von Krediten massiv.

Wie viel auf Pump ist erlaubt?

2013 lebte laut dem BFS knapp ein Drittel der Bevölkerung (inklusive Kinder) in einem Haushalt mit einem Konsumkredit, einer Leasingrate oder mit Schulden bei Freunden. Knapp 20 Prozent lebten in einem Haushalt mit einem Auto auf Pump. Der lockere Umgang mit Konsumkrediten zeigt sich auch im Payment Report 2016: Demnach sind zwölf Prozent der Schweizer der Meinung, es sei in Ordnung, Konsumgüter wie Fernseher und Computer mit geliehenem Geld zu kaufen, für neun Prozent sind sogar Ferien auf Pump in Ordnung.

«Es scheint heute üblicher zu sein, Konsumgüter mit geborgtem Geld zu kaufen – man sollte dabei jedoch im Auge behalten, nicht immer tiefer in die Schuldenspirale zu geraten», sagt Intrum-Justitia-Chef Thomas Hutter. Viel deutlicher äussert sich Schuldenberater Mercier: «Konsum auf Pump lohnt sich niemals, es kostet einfach mehr Geld!»

Was Schuldenberater Sébastian Mercier rät und wie er die Ergebnisse aus dem Consumer Payment Report einordnet, lesen Sie später im Interview auf 20minuten.ch

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Krösus I am 28.11.2016 08:04 Report Diesen Beitrag melden

    Hähhh?

    Vor kurzem konnte man noch lesen, dass jeder Schweizer eine halbe Mio auf dem Konto hat. Also was jetzt?!

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  • Mary am 28.11.2016 08:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schulden

    keine Mittelschicht mehr, die Reichen weden immer reicher

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  • Poco Loco am 28.11.2016 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum sollte er?

    Der Beginn der Zinsen war die Geburt der Schulden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sparprogramm am 03.12.2016 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bald bekommt man Anrufe von den Banken

    Mann glaubt gar nicht wo man überall sparen kann. Extrem viele Ausgaben sind total unnötig. Warum ein teures Auto? Mit dem Fahrrad zur Arbeit. Einzimmerwohnung. Zigaretten, Alkohol und Fernsehen sind Suchtmittel und teuer. Brauchts nicht! Reisen/Handy/Frauen/Internet kürzen. Beim Coiffeur sparen! Bettelbriefe ins Altpapier. Nur Billigstrom. Überall LED-Sparlampen. Fürs Parkieren bezahlen ist eine Todsünde! Besser nichts kaufen aber wenns sein muss occasion oder aliexpress. Kein Haustier! Ich habe ganz sicher noch viel vergessen.

    • Katya am 16.12.2016 20:49 Report Diesen Beitrag melden

      Bruttosozialprodukt ?

      Jeder muss lernen zu sparen und das ist gut so.

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  • sVreneli am 02.12.2016 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Alter Grundsatz beachten !

    Gib nicht mehr aus als Du einnimmst !!! Die Leute müssen wieder lernen, ihren Lebensstil ihrem Einkommen anzupassen. Es ist jetzt halt mal so, dass man sich mit einem Durchschnittseinkommen keine 6 Zi-Maisonette-Wohnung, einen Porsche und dreimal Malediven im Jahr leisten kann. Aber einige Mitmenschen schaffen es nicht mal, das einzusehen.

  • Tätsch Päng Meräng am 29.11.2016 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weihnachtsfest

    Anstatt für IRZ würde man besser für schweizer Familien und Alleinstehende sammeln, welche finanziell nicht so rosig da stehen und diesen so ein schönes Weihnachtsfest ermöglichen.

  • Thomas Herrmann am 29.11.2016 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Möglichkeiten nutzen!

    Ich hatte 60.000 - 70.000 CHF Schulden, nach drei Jahren bin ich zum grössten Teil schuldenfrei und habe sogar etwas gespart! Verdienen tue ich nicht die Welt, aber ich bin einfach nicht mehr in den Ausgang und ich trinke und rauche auch nicht mehr! Meine Kleider kaufe ich bei Zalando und mein Essen in der Migro! Ich habe ein altes Iphone 5S mit Yallo Abonement (39,-) In meiner Freizeit gehe ich in das Fitness Center und nebenbei studiere ich. Wenn andere im Ausgang ihr Geld versaufen und jammern sitze ich Zuhause und lerne ;-) Das alles ist nur in der CH möglich!!!

    • Franz Ferdinand am 29.11.2016 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas Herrmann

      Ich hatte 1 Million Schulden. Seit heute bin ich schuldenfrei. Wie das geht? Einfach sparen. Verzicht. Nachhaltigkeit.

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  • DasIch am 29.11.2016 07:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Theorie

    Ich verdiene, wenns gut kommt, 1000 CHF pro Monat. Mein ÖV-Abo zur Arbeit kostet mich pro Jahr 2200 CHF, die allgemeine KK 360 CHF, das für die Berufsschule benötigte Internet CHF 50, Handy CHF 30 (beides die billigsten Tarife). Ich wohne im Elternhaus. Da fällt die Miete weg, aber solidarisch was beisteuern kann ich leider nahezu nie, was mich exterm zermürbt. Ich habw genau 3 Jeans und 1 Paar Schuhe. Vergnügungen aller Art fallen eh weg. Als ich eine OP hatte, war ich wegen des Selbstbehalts nahe am Suizid. Also, lieber Bund: WO SOLL ICH NOCH SPAREN?? Hätte selbst zum Sterben zu wenig!!!

    • Sozi Pozi am 29.11.2016 09:02 Report Diesen Beitrag melden

      Jeder 4 kann nicht leben

      Es müsste heissen, jeder vierte Inkassoheini kann nicht überleben, auch wenn die Schuldner bedroht werden, klappt einfach nicht mehr.

    • Sandra am 29.11.2016 09:05 Report Diesen Beitrag melden

      @ DasIch

      Da Sie noch in der Ausbildung sind, sind Ihre Eltern unterhaltspflichtig.

    • DasIch am 29.11.2016 09:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sandra

      Mein Vater verstarb vor über 10 Jahren und meine Mutter beherbergt mich, während sie zeitgleich meinen jüngeren Bruder (Autist) pflegt. Sie macht also MEHR als genug für ihre Kinder und viel zu viel allein... Ich will ihr nicht noch mehr abverlangen.

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