Mobilfunk

06. Juli 2018 05:50; Akt: 06.07.2018 05:50 Print

Jetzt gehts endlich vorwärts mit 5G

von R. Knecht - Der Bund eröffnet heute das Rennen um die begehrten 5G-Frequenzen. Die Schweizer Telecomfirmen machen sich kampfbereit.

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Eine 2 Gigabyte grosse Datei übers mobile Datennetz in weniger als einer Sekunde herunterladen. Der Mobilfunkstandard 5G soll das möglich machen. Bis 2020 werden 70 Prozent der Weltbevölkerung ein Smartphone haben, so die Voraussage der EU. Doch nicht nur um den Nutzern mehr Speed zu bieten, wird ein neues Datennetz geplant. 5G soll auch neue Anwendungen erlauben, etwa um selbstfahrenden Autos die Kommunikation untereinander zu ermöglichen. Für das schnelle Netz ist auch eine neue Infrastruktur notwendig. Künftige Handyantennen sollen aber nicht so gross sein, ... ... sondern gut versteckt werden. Etwa unter einem Gullideckel, wie hier von Ericsson demonstriert. Auch Schweizer Anbieter haben Pläne für 5G gemacht. Die Swisscom plant den Ausbau bis 2020. Sie rechnet gemäss Grafik mit 1GBit/s für 5G, wobei schon Datenraten von bis zu 20 GBit/s demonstriert wurden. Am Freitag wird die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom) über die Ausschreibung der 5G-Funkfrequenzen informieren. Die Swisscom kommentiert: «Wichtig ist für Swisscom, dass die Auktion zeitnah stattfindet und wir ausreichend Spektrum – im Verhältnis zu unserer Kundenbasis – ersteigern können, um die Nachfrage unserer Kundinnen und Kunden zu erfüllen.» «Es besteht ein hohes Risiko, dass die Swisscom ihre Finanzkraft dazu nutzt, ihre Wettbewerber davon abzuhalten, das kritische Mindestmass an Bandbreite in allen Frequenzbändern zu erhalten.» «Der bisherge Comcom-Vorschlag zur Frequenzauktion gefährdet den Wettbewerb. Der mehrheitlich staatlich kontrollierte Anbieter Swisscom würde praktisch in ein 5G-Monopol gehievt.» Sunrise hat seine erste 5G-Antenne bereits aufgestellt. «Wenn die Frequenzen vergeben sind, könnte es mit 5G dann relativ schnell gehen», sagt Ralf Beyeler, Telecomexperte beim Vergleichsdienst Moneyland.ch, zu 20 Minuten.

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Salt, Sunrise und Swisscom haben schon sehnsüchtig auf diesen Tag gewartet: Heute wird die Eidgenössische Kommunikationskommission (Comcom) über die Ausschreibung der 5G-Funkfrequenzen informieren.

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Was zunächst technisch klingt, hat eine enorme Bedeutung für die Schweizer Netzbetreiber: Um über diese Funkfrequenzen 5G-Signale zu senden, brauchen sie die Konzession des Bundes. Nur wenn sie diese bekommen, dürfen sie die neue Technologie kommerziell einsetzen.

Die Firmen werden nun um die begrenzte Anzahl Frequenzbänder buhlen. Je mehr sie ergattern können, umso stabiler wird ihr Netz, insbesondere auch im Hinblick auf 5G.

«Es könnte mit 5G schnell gehen»

Die Ausschreibung des Bundes ist ein wichtiger Schritt in Richtung 5G in der Schweiz. «Sobald die Frequenzen vergeben sind, könnte es mit 5G dann relativ schnell gehen», sagt Ralf Beyeler, Telecomexperte beim Vergleichsdienst Moneyland.ch, zu 20 Minuten. Die Telecomanbieter wüssten, dass mit der Technologie viel Geld zu machen sei.

Die Firmen sind darum auch bereit, viel für die Konzessionen zu zahlen: Für die 4G-Frequenzen zahlten die drei Anbieter zusammen fast eine Milliarde Franken. Zum Vergleich: Bei den 3G-Frequenzen zahlten die Mitbieter insgesamt nur 205 Millionen Franken. Wie viel Salt, Sunrise und Swisscom jetzt für die 5G-Frequenzen zu zahlen bereit sind, verraten die Unternehmen aus taktischen Gründen nicht.

Salt und Sunrise schiessen gegen Swisscom

Für die Anbieter geht es um viel; entsprechend kampffreudig zeigen sie sich auf Anfrage von 20 Minuten. Salt und Sunrise haben die Swisscom im Visier: Sie werfen der Comcom jetzt schon vor, dem Telecomriesen beim Vergabeprozess einen unfairen Vorteil zu gewähren. Salt und Sunrise fordern, dass die finanziell starke Swisscom nicht so viele Frequenzen kaufen darf, wie sie könnte.

Sunrise nennt einen Fall aus der Vergangenheit: Die Swisscom habe 2012 Frequenzen ersteigert, die bis heute nicht kommerziell genutzt worden seien. So hätte der Konkurrent Mängel im Auktionsprozess ausgenutzt, um die Frequenzen zu horten.

Verfahren angedroht

Salt und Sunrise sind sich darum einig: Sie wollen gegen eine Bevorzugung der mehrheitlich staatlich kontrollierten Swisscom kämpfen. Ein Salt-Sprecher sagt, die Firma erwäge den Rechtsweg, falls das Comcom ihre Bedenken nicht berücksichtigen sollte. Auch Sunrise warnt vor einem «langwierigen Beschwerdeverfahren». Telecomexperte Beyeler findet: «Für die Schweiz wäre es gut, wenn die Swisscom nicht so viele Frequenzbänder ersteigern kann.»

Die Swisscom hält dagegen, dass sie besonders viele Frequenzen ersteigern wolle, da ihre Kundenbasis besonders gross sei. Pro Kunde habe das Unternehmen nämlich deutlich weniger Frequenzbänder als die Konkurrenten.

Auktion im Herbst

Die Auktion selbst dürfte laut Beyeler erst im Herbst stattfinden.
Die Telecomfirmen haben aber jetzt schon konkrete Ideen für neue lukrative Geschäfte. Für Sunrise sei 5G in erster Linie eine Möglichkeit, das Festnetz zu ersetzen, so Beyeler. Derzeit sei der Anbieter bei seinem Festnetzangebot auf die Netze vom Konkurrenten Swisscom sowie der Elektrizitätswerke angewiesen. «Ich könnte mir vorstellen, dass Sunrise bald einen kleinen 5G-Empfänger lanciert, an den Kunden dann den Router oder das Telefon anschliessen», so der Experte.

«Swisscom hat panische Angst»

Dem grössten Schweizer Netzbetreiber dürfte das gar nicht gefallen. «Die Swisscom hat panische Angst vor Sunrise», sagt Beyeler. Das Unternehmen würde so nichts mehr daran verdienen, wenn Sunrise das Netz von Swisscom bei einigen Festnetzkunden nicht mehr nutzen müsste. Gleichzeitig lohnt es sich für die Swisscom auch nicht, ein ähnliches Produkt zu lancieren, weil sie ja schon eine eigene Infrastruktur für das Festnetz hat.

Die Swisscom dürfte sich laut Beyeler vorerst auf die industrielle Anwendung von 5G konzentrieren. Das heisst: Sie baut lokale 5G-Netze für Firmen auf, die etwa in ihren Produktionsanlagen verzögerungsfreie Hochgeschwindigkeitsnetze benötigen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kognitive Dissonanz am 06.07.2018 06:15 Report Diesen Beitrag melden

    Neue Messmethoden

    gell DL, damit die Grenzwerte 'nicht' überschritten werden und 5G trotzdem gemäss Lobby-Wunsch eingeführt werden kann.... siehe auch Glyphosat-Grenzwerte - kein Problem, ändern wir die Messmethode damit die Grenzwerte nicht überschrittten werden.... siehe auch Abgasmessung für die (Diesel)-Auto-Lobby in EU - kein Problem, ändern wir die Messmethode dann geht das schon... oder Fukushima - Strahlungsbelastung, oh, wir setzen einfach die Grenzwerte ab der die Strahlungsbelastung gesundheitsgefährdend ist hinauf....

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  • Lumpi lumpi am 06.07.2018 07:18 Report Diesen Beitrag melden

    Was nun?

    Plötzlich sind besteht keine Strahlengefahr mehr? Was geschah nun mit den Grenzwerten? Wenns um Geld geht ist es doch nicht mehr so schlimm? Wer schützt uns vor unseren gierigen Politik?

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  • M. K. am 06.07.2018 06:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gute Nacht

    Na vielen Dank, die Strahlung ist nicht ohne. Allein schon was da auf die Aura und das Energiefeld eines Menschen prasselt wird massgeblich Stress verursachen. Sind wir ja gewohnt, am Schluss der Rechnung steht erst der Mensch.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Niggi Nick am 08.07.2018 00:15 Report Diesen Beitrag melden

    Smart City

    Unterm Namen "Smart City" sollen nun Spielplätze für die Mobilfunkanbieter entstehen. Und dazu brauchen sie natürlich die 5G Technologie und höhere Grenzwerte. Da sind Gesundheitsbedenken nicht mehr relevant - es geht ja letztendlich auch um die lückenlose Überwachug der Bevölkerung. Ein guter Beitrag zu diesem Thema finden sie unter ab 60-er Minute bei der Verleihung des "Big brother award".

  • Marco C. am 07.07.2018 21:09 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte nachdenken...

    Alle sind über die Antennen besorgt, wissen aber nicht das der stärkste Sender das Handy selbst ist und zwar um ein tausendfaches, und wir halten es direkt am Ohr, wirklich die Antenne in der Ferne ist nichts dagegen...

    • Prozessor am 07.07.2018 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Marco C.

      Handy am Ohr: Feldstärke ca. 15V/m Grenzwert im Wohnbereich von Mobilfunkantennen: 5V/m Also nix mit dem 1000-fachen! Bitte bei der Wahrheit bleiben.

    • Niggi Nick am 08.07.2018 00:18 Report Diesen Beitrag melden

      Zwangsbestrahlung

      Handy kann ich ausschalten, wenn ich Kopweh habe und nachts nicht schlafen kann. Bei Antennen reden wir von Zwngsbestrahlung rund um die Uhr!

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  • Ameliore am 07.07.2018 20:10 Report Diesen Beitrag melden

    Was spielen die Kosten für

    eine Rolle? Mit den übertriebenen Gebühren fressen sich die Telekomfirmen ohnehin an den Kunden satt, die 220 Mio zahlen die mit der Portokasse - die ja letztendlich auch der Kunde berappt.

    • olimimus am 07.07.2018 20:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ameliore

      übertriebene gebühren? wo denn bitteschön? Vor bald 30 jahren mag deine aussage noch gestimmt haben. aber heute wo man für 30 fr / mt. unendlich telefonieren und surfen kann ist diese aussage schlicht gelogen.

    • Kritiker am 07.07.2018 21:30 Report Diesen Beitrag melden

      @ olimimus

      Aufgrund irgendeines absoluten Preises zu behaupten ein Preis sei nicht übertrieben ist schlicht gelogen. Auch ein Preis von 3 Fr. ist Wucher wenn der Aufwand 1 Rp. war.

    • olimimus am 07.07.2018 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kritiker

      du hehörst wohl zu denjenugen, die auch gegen eine milchpreiserhöhung sind. es muss nicht alles billig sein. ein fairer preis ist es um was es geht. für 30 fr. alles inklusive und immer noch billiger haben wollen... am besten gratis.. traurig diese welt

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  • Schreiberling am 07.07.2018 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Leute..

    5G kommt so oder so und erschliesst ganz neue Möglichkeiten. Davor kann und darf man sich nicht verschliessen. Ich verstehe den Aufschrei nicht..

  • Barbara S. am 07.07.2018 17:54 Report Diesen Beitrag melden

    Geld über ...

    Natur und Umwelt. Etwas an Grenzwerten und Messmethoden herumschrauben und sensiblere Menschen als Simulanten titulieren, welche die KK-Kosten und Arbeitgeberkosten in die Höhe treiben. Aber Hauptsache man hat schnelleres, stärkeres, flächendeckenderes .

    • olimimus am 07.07.2018 18:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Barbara S.

      die grenzwerte sind in der schweiz seit je her zu tief. sie wurden damals aus furcht so tief gesetzt, nicht weil über duesen grenzserten gefahr droht. die schweizer regierung bestand damals einfach nur aus schisshasen. die grenzwerte können bedenlenlos auf eu niveau angehoben werden. unsere nachbaren haben keine höheren erkrankungsraten als wir. neandertaler sollen den fortschritt nicht immer blockieren.

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