CBD-Boom

08. März 2018 13:03; Akt: 09.03.2018 13:30 Print

Erste Cannabis-Bonbons in Schweizer Apotheken

von Dominic Benz - Die Basler Firma Doetsch Grether lanciert Lutsch-Pastillen mit Hanfextrakt gegen Stress. Experten sind skeptisch.

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Sie sind Klassiker auf den Tresen in jeder Apotheke: die Halspastillen in der schicken Alu-Box der Basler Handelsfirma Doetsch Grether. Sie hat ebenso das Medikament Neo-Angin gegen Halsschmerzen im Angebot.

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Jetzt springt das Unternehmen mit einem neuen Produkt auf den Cannabis-Boom auf: Cannaqix soll ab Mai in Drogerien und Apotheken erhältlich sein. Dabei handelt es sich um Pastillen mit dem Hanf-Extrakt Cannabidiol, kurz CBD. «Sie wirken entspannend und helfen gegen Stress», sagt Thomas Wyss, Chef von Doetsch Grether, zu 20 Minuten. Weltweit seien es die ersten Hanf-Pastillen auf dem Markt. Angereichert sind die Lutschbonbons zudem mit Vitaminen und Zink.

Lutschen ohne Rausch

High wie beim Rauchen eines Joints wird man mit den Pastillen nicht. Dafür ist der THC-Gehalt viel zu gering. Dieser liegt bei nicht einmal 0,001 Prozent. Im Gegensatz zu THC wirkt CBD nicht berauschend, sondern soll lediglich entspannend sein. Daher unterliegt das Extrakt in der Schweiz nicht dem Betäubungsmittelgesetz, es ist legal erhältlich (siehe Box).

Dennoch empfiehlt Doetsch Grether, nur eine bis maximal zwei Hanf-Pastillen pro Tag langsam im Mund zergehen zu lassen. «Eine zu hohe Dosis ist sicher nicht gefährlich, aber dennoch nicht empfehlenswert», erklärt Wyss. Zudem haben die Pastillen ein Ablaufdatum von 24 Monaten, sind einzeln verpackt und enthalten einen Beipackzettel.

Behördensegen soll Seriosität verleihen

Ist Cannaqix denn ein Medikament? Wyss winkt ab: Es sei ein Nahrungsergänzungsmittel. Diese sind eigentlich seit letztem Mai mit dem neuen Lebensmittelgesetz nicht mehr meldepflichtig. Doetsch Grether hat die Hanf-Pastillen aber vom Amt für Verbraucherschutz absegnen und die Konformität mit dem hiesigen Lebensmittelgesetz abklären lassen.

Der Behördensegen soll den Hanf-Bonbons Seriosität verleihen. Damit will Doetsch Grether den Schmuddelruf abschütteln, der noch immer vielen Hanf-Produkten anhaftet. So sollen die Pastillen auch nichts mit den Zigaretten, Ölen oder Tropfen aus den Hanfshops zu tun haben. «Wir wollen das Produkt ausschliesslich im Fachhandel mit Beratung verkaufen», sagt Wyss. Auf den Verkauf im freien Handel verzichten daher die Basler. Coop verkauft etwa seit Mitte des letzten Jahres Zigaretten mit CBD-Hanf.

Wirkung ungewiss

Ob die Pastillen wirklich stressabbauend wirken, kann Wyss nicht sagen. Die Nachfrage der Konsumenten werde das zeigen. Das Problem: Aussagekräftige Studien über die Wirkung von CBD gibt es kaum. Das soll sich in Zukunft aber ändern, hofft Wyss.

Angebaut wird der Hanf in Italien. Die Schweizer Tochter des australischen Hanfspezialisten Creso Pharma stellt die Pastillen mit dem Hanfextrakt der Pflanzen her. Im Handel wird eine Packung mit 20 Stück 40 Franken kosten, das Doppelte 70 Franken. Vorerst wird es die Lutschgummis in der Schweiz und Liechtenstein geben. Andere Länder sollen später dazu kommen.

Experten runzeln die Stirn

Skeptisch gibt sich Matthias Liechti, stellvertretender Chefarzt Klinische Pharmakologie und Toxikologie des Unispitals Basel. «Mit CBD kann man derzeit viele Leute anlocken. Ob das Hanf-Extrakt aber entspannend wirkt, weiss man nicht genau», sagt er auf Anfrage. Solange es kein Medikament sei, müsse man auch die Wirksamkeit nicht belegen.

Auch Cannabis-Forscher und Pharmazeut Rudolf Brenneisen ist nicht begeistert: «Die Pastillen befinden sich in einem Graubereich zwischen Lifestyle-Produkten und Medikamenten.» Auf der Verpackung vermeide man tunlichst eindeutige medizinische Indikationen. Denn solche würden eine Zulassung als Medikament bedingen. Der Begriff «stressabbauend» könne man dennoch als Indikation interpretieren. Zudem ist es laut Brenneisen nicht klar, wie viel CBD die Pastillen enthalten. «Hanfextrakt kann auch bloss ätherische Öle und Nicht-Cannabinoide enthalten», so Brenneisen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Herbert Roth am 08.03.2018 13:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schüssler Salz lässt grüssen

    Ahaa. Aber Schüssler Salze und andere "Naturheilmittel" die bewegen sich alle im völlig akzeptablen Bereich und sind 100% erwiesen das sie wirken. Wieso macht man bei Cannabis immer gleich ein Drama? Nur weil Hanf im spiel ist?

  • Para Celsus am 08.03.2018 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Naja, auch wenn es klinisch gesehen

    auch nichts nützen würde, so wird es wahrscheinlich nicht schaden. Aber wenn jemand daran glaubt, dann nützt es ihm auch...

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  • M. B. am 08.03.2018 13:54 Report Diesen Beitrag melden

    Problem?

    Wo ist das Problem? "Nützt nüt so schads nüt". Schon alleine der Placeboeffekt wäre doch gut. Vielleicht sind die Bonbons auch noch lecker. Somit passt doch alles.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Mr. Spock am 09.03.2018 07:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hahahaha

    "Ob die Pastillen wirklich stressabbauend wirken, kann Wyss nicht sagen" So läuft das heutzutage

  • Suymui am 08.03.2018 19:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    40.- für 20 Tabletten?

    Ich glaube, ich habe mich da verlesen? Da züchte ich lieber eine echte Pflanze auf und lebe mit dem Flash.

  • Niki19 am 08.03.2018 18:56 Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Ich finde, dass da ist nicht gut, und deswegen verboten sein muss wie viele verschiedene Angebote, was rein auf eigene Risiko aufkommen, da glaubt Man dass es sei nicht gefährlich aber da könnte gerade diese Plazebo-effekt wirken, was macht eine künstliche Beruhigung ohne wirkliche Aenderung im Probleme im Realität

    • Heidi Heidnisch am 09.03.2018 13:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Niki19

      Na klar, jetzt CBD wieder verbieten, wegen dem Placebo Effekt. Da könntest ja praktisch alles verbieten, was Mensch irgendwie zu sich nehmen kann. Ich glaub ich spinne...

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  • Amel Softic am 08.03.2018 18:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alkistdieeinstiegsdroge

    Also ich habe mit dem Alk angefangen und bei dem rausch vom Alk habe ich angefangen Kokos zu probieren . Alk war meine einstigs Drogen. Habe dank dem Hanf mein leben voll im griff. Bin Vater von 2 Kindern habe eine tolle frau und einen top Job

  • King Kong am 08.03.2018 18:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hanf forever?

    Hanf ist gesund. Daumen hoch ja. Daumen runter, nein. Bin gespannt aufs Resultat.

    • Samira Keller am 09.03.2018 13:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @King Kong

      Kommt auf die Konsumart an... Prinzipiell ja, rauchen nein.

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