Jetclass

27. Februar 2018 15:37; Akt: 28.02.2018 08:40 Print

Jetzt kommt der Privatjet-Flug zum Dumpingpreis

von R. Knecht - Privatjet statt Linienflug? Ein österreichisches Unternehmen will das für jedermann ermöglichen. 20 Minuten hat sich das Angebot angeschaut.

Passagiere von Jetclass fliegen im kleinen Privatjet statt in grossen Linienflugzeugen. (Video: rkn)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Lange Schlangen, enge Sitze und oft hohe Preise: Fliegen ist für viele der blanke Horror. Dem will das österreichische Unternehmen Jetclass entgegenwirken, indem es besonders erschwingliche Flüge im Privatjet bietet. Die Preise sollen dabei zumindest mit denen der Business-Klasse grosser Airlines mithalten können.

Umfrage
Würden Sie mit einem Privatjet fliegen?

Jetclass gibt es seit Juli 2017. Die Firma bietet schon seit Beginn Flüge ab Zürich und Genf an. Die Nachfrage in der Schweiz sei allerdings derart gross, dass das Unternehmen neu auch ab Basel fliege, wie CEO und Mitgründer Wagas Ali sagt.

20 Minuten hat das Angebot von Jetclass auf einem Flug von Zürich nach Luxemburg aufgrund von verschiedenen Gesichtspunkten bewertet:

• Preis
Für diese Strecke sind 390 Euro (450 Franken) der Bestpreis. Zum Vergleich: Wer von Zürich direkt nach Luxemburg fliegen will, bezahlt auch bei anderen Airlines mindestens diesen Betrag. Am Vortag der Reise bot die Swiss die gleiche Strecke für 774 Franken (Economy) und 1119 Franken (Business) an. Weniger als 450 Franken zahlt man nur, wenn man einen Umweg in Kauf nimmt – etwa über Frankfurt mit der Lufthansa. Dann ist die Reisezeit allerdings merklich länger. Der 450-Franken-Tarif ist zwar Teil eines Spezialangebots von Jetclass. Eine Sprecherin sagt jedoch, es sei noch nicht festgelegt, wann dieses enden wird.

• Wartezeiten
Jetclass wirbt damit, dass man bei seinen Flügen kaum Zeit verliert. Tatsächlich reichte es, 15 Minuten vor Abflug beim General Aviation Center des Flughafens Zürich zu erscheinen. Das Terminal ist wesentlich kleiner als diejenigen für Linienflüge. Das spart viel Zeit, denn innerhalb des Terminals muss man keine grossen Wege zurücklegen. Auch nach dem Security-Check, der beim Test weniger als 60 Sekunden dauerte, muss der Passagier nur noch wenige Meter zur Maschine gehen. Danach kam es allerdings zu einer der typischen Verzögerungen – der Jet nach Luxemburg musste über eine halbe Stunde auf den Start warten. Die privaten Maschinen nutzen keine eigenen Bahnen, sondern teilen sie sich mit den Flugzeugen der grossen Airlines.

• Komfort
Privatjets verbinden viele mit Luxus. Zu hoch dürfen die Erwartungen bei Jetclass diesbezüglich aber nicht sein. Sind alle vier Passagierplätze in der Cessna Citation Mustang besetzt, bleibt kaum mehr Beinfreiheit als beim Linienflug. Dafür sitzt man weniger dicht Seite an Seite, was gegenüber der Economy-Klasse in grossen Passagierflugzeugen ein Vorteil ist.

• Service
Wer hofft, im Privatjet Champagner zu trinken, dürfte enttäuscht sein: Zur im Preis inbegriffenen Verpflegung gehören ein Fläschchen Evian und etwas Nüsse, Chips und M&M's. Das Angebot ist vergleichbar mit dem auf Linienflügen. Ungewöhnlich war allerdings, dass einer der beiden Piloten kurz vor Landeanflug fragte, ob er einem der Passagiere ein Taxi rufen soll.

• Zielgruppe
Jetclass zielt mit seinem Angebot auf Geschäftsreisende. Das merkt man auch am Angebot: Die fünf Destinationen ab Zürich sind derzeit Luxemburg, Brüssel, München, Wien und Mailand. Natürlich kann man aber auch für den privaten Städtetrip einen Flug mit Jetclass buchen.

• Verfügbarkeit
Auffällig ist die stark limitierte Frequenz der Jetclass-Flüge. Von Zürich nach Luxemburg fliegt der Jet jeweils nur am Montag. Das habe damit zu tun, dass Geschäftsleute vor allem an diesem Tag nach Luxemburg reisen wollen, wie eine Sprecherin von Jetclass sagt. Abhängig von der Nachfrage sei es jedoch denkbar, dass in Zukunft auch täglich Flüge angeboten werden. Immerhin lässt sich ein Platz auch noch sehr kurzfristig, bis maximal zwei Stunden vor Abflug, online buchen, sofern noch nicht alle Plätze besetzt sind.

• Marktchancen
Das Angebot von Jetclass klingt gut, ist jedoch noch stark eingeschränkt. Flüge in Metropolen wie London oder Berlin bietet das Unternehmen derzeit nicht. Und sollte Jetclass in diesen Markt drängen wollen, würde das Unternehmen wesentlich härterer Preiskonkurrenz ausgesetzt sein als bei der Destination Luxemburg. Das zeigt sich bereits heute am Beispiel Zürich–München für 450 Franken. Diese Strecke bieten die Swiss und Lufthansa nämlich wesentlich günstiger an. Jetclass punktet hier nicht mit dem Preis, sondern mit den massiven Zeitersparnissen und der Tatsache, dass man nicht draufzahlt, auch wenn man kurz vor Abflug noch bucht, wie das oft bei Linienflügen der Fall ist.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • JR Chewing am 27.02.2018 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Schon wieder?

    Ähniche Geschäftsmodelle wurden schon etliche auf den Markt geworfen. Richtig Erfolg hatte bisher niemand und die meisten Firmen in diesem Segment sind so schnell vom Markt verschwunden wie sie aufgetaucht sind. Wünsche trotzdem jedem, der etwas wagt, viel Glück!

    einklappen einklappen
  • Gerry am 27.02.2018 15:56 Report Diesen Beitrag melden

    Lohnt sich das?

    Bin jetzt kein Luftfahrtexperte aber 390,- Euro von Zürich nach Wien bei nur vier Sitzplätzen mit einer Citation Mustang, wovon übrigens gerade eine von Skytax bei Friedrichshafen Ende 2017 abgestürzt ist, ist doch kein lohnendes Geschäft? Wie bezahlt man da zwei im Cockpit, Treibstoff, Amortisation usw.? Oder ich verstehe da etwas nicht ganz. Lufthansa hat auch "Private Jet" Angebote aber da kommt man mit 390,- Euro nicht wirklich weit. Bei Lunajets kostet die Stunde mit diesem Modell 2000,- Euro. Das wären 3000,- für nach Wien bei 1560,- Einnahmen?????

    einklappen einklappen
  • Peter Wolf am 27.02.2018 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Gierschlund?

    Nationalrat, Balatasar Glättli, wird sicherlich den Vorstoss einreichen, dass jeder Parlamentarier zusätzlich zu den Pauschalen von 140'000 CHF jährlich, solche Flüge bekommen. Alles nur eine Frage der Zeit.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • cpsstar am 28.02.2018 15:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gibts schon länger

    Gibts schon länger Firma heißt Victor mit dazugehörender App....... naja bisschen andere Preisklasse und andere destinationen ;)

  • Boss Hoss am 28.02.2018 11:38 Report Diesen Beitrag melden

    Business Case?

    Da gab es doch vor einem Jahr eine Firma. Die eine Flatrate für ZRH-LUX angeboten hat. Die haben nach wenigen Wochen wieder aufgehört. Die Wahl der Strecke ist schon richtig für Konkurrenz. Dank Monopol, kostet der halbstündige Flug (reine Flugzeit) gleichviel wie ein Langstreckenflug nach Japan oder Südamerika.

  • Jetclass am 28.02.2018 08:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fliegt er nur nach Luxemburg?

    Würde der Jetclass auch mach Thailand, Schweden, Finland, Tschechien oder so Fliegen? Steht nur Luxemburg. Nachfrage steht gross aber immer nur nach Luxemburg? Ist das ein PR Masche?!?

    • Raphael Knecht am 28.02.2018 15:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jetclass

      Jetclass fliegt von Zürich derzeit nur Luxemburg, Brüssel, München, Wien und Mailand an.

    einklappen einklappen
  • giorgio1954 am 28.02.2018 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    super

    Braucht man sich ja dann nur noch einen kleinen Flughafen, Tower etc. zu bauen. Super :-).

  • Cello am 28.02.2018 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jet

    Das wäre doch etwas.Keine Airlines landet auf dem polnischen Flughafen Bydgoszcz aus der Schweiz. Wenn dieser Jet das Angebot hat sofort.