Kritik wegen hohem Lohn

16. Mai 2017 07:50; Akt: 16.05.2017 10:38 Print

Jürg Schmid verlässt Schweiz Tourismus

Zuletzt war er wegen seines hohen Lohnes in die Kritik geraten: Nun gibt Jürg Schmid seinen Posten als Direktor bei Schweiz Tourismus ab.

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Jürg Schmid, Direktor Schweiz Tourismus, spricht an der Sommermedienkonferenz 2017 von Schweiz Tourismus. (20. April 2017) (Bild: PPR/Nick Soland)

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Zum zweiten Mal in seiner Karriere bei Schweiz Tourismus verlässt Direktor Jürg Schmid die Organisation. Dieses Mal wagt er den Schritt in die Selbstständigkeit. Damit erfülle er sich einen grossen Wunsch, heisst es in einer Mitteilung vom Dienstag.

Video – «Die Talsohle ist erreicht»

Jürg Schmid im Oktober 2012 zur Krise und zur Frage, warum weniger Deutsche und mehr Asiaten und Amerikaner in die Schweiz kommen. Video: TA.

Schmids eigenes Unternehmen wird ebenfalls eine Marketingagentur sein. Sein Abgang wird von seinen Kollegen bei Schweiz Tourismus (ST) bedauert. Schmid habe Grosses geleitet, die Organisation in den 18 Jahren neu ausgerichtet, lobt ST-Präsident Jean-François Roth in der Mitteilung.

Graubünden im Herzen

Für den «obersten Verkäufer der Schweiz», wie der Marketingspezialist in der Presse schon bezeichnet wurde, wird nun ein Nachfolger gesucht. Eine Findungskommission wird sich darum kümmern. Schmid bleibt noch bis Ende Jahr im Amt.

Auch nachher wird Schmid der Reise- und Freizeitbranche über verschiedene Mandate verbunden bleiben, heisst es. Ein Mandat fand Schmid bereits bei Graubünden Ferien, der touristischen Marketingorganisation des Kantons Graubünden. Dort wird er Präsident. Die Wahl Mitte Juni ist nur noch eine Formsache. Dies machte die «Südostschweiz» ebenfalls am Dienstag bekannt.

Er trage Graubünden im Herzen, sagte er der Zeitung. In Graubünden habe er, der Zürcher, Skifahren gelernt, erste Wanderungen unternommen, und heute sei er wegen eines Feriendomizils auf der Lenzerheide regelmässig Gast. Der abtretende Graubünden Ferien-Präsident Marcel Friberg freut sich über «eine supergute Lösung».

Lohndebatte

Doch nicht immer hat Schmid in der Öffentlichkeit geglänzt. Sein Lohn von 424'969 Franken (inklusive Bonus und Spesenpauschale) hatte zu Kritik geführt, denn dieser wird zum grossen Teil – wie die Marketingorganisaton selbst - aus öffentlichen Geldern bezahlt. Der Bundesrat hat daraufhin Anfang Dezember 2016 eine Obergrenze beschlossen. Der Fixlohn darf maximal 313'000 Franken betragen.

Der leistungsabhängige Bonus darf zweieinhalb Monatslöhne nicht überschreiten. Schmid (Jahrgang 1962) hat ursprünglich eine Bank-KV-Lehre gemacht und sich nachher zum Betriebsökonomen weitergebildet. Bevor er in den Tourismus wechselte, war er unter anderem Geschäftsleitungsmitglied in der Schweizer Organisation des Softwareunternehmens Oracle Corporation.

«Zum Leben gehören Holperer»

Im Jahr 2010 hat Schmid Schweiz Tourismus für ein kurzes Gastspiel verlassen. Doch noch in der Probezeit als Leiter der SBB-Division Personenverkehr ist Schmid zu seinem alten Arbeitgeber zurückgekehrt.

Die gestalterischen Möglichkeiten im Tourismus kämen seinen Neigungen und Stärken eher entgegen als das prozessorientierte und industrielle Umfeld, hiess es damals in der Mitteilung. «Zum Leben gehören Holperer, daraus zieht man wichtige Erfahrungen», sagte er Ende Jahr der NZZ.

(kaf/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • H.St. am 16.05.2017 07:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich geht er

    Besser jetzt als später. Ist ja nicht das erste Mal, dass er Schweiz Tourismus verlässt. Dass man ihn dann wieder anstellte, zeigte das Unvermögen der Tourismuslobby in der Schweiz. Da müssen sich die Verantwortlichen nun heute selbst an der Nase nehmen. Ob es besser kommt bleibt offen. Schlechter kann es aber wohl kaum werden.

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  • Lukas am 16.05.2017 07:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Das ist mir so was von egal ,keine rede wert

  • Hr Schmidt am 16.05.2017 07:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Braking News?

    Schon interessant, was manchmal als Braking News dargestellt wird! Täglich verlassen tausende Schweizer ihren Arbeitsplatz: für einen neuen Job, um sich selbstständig zu machen usw.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Netzwerk KMU Tourismus am 18.05.2017 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Grosse Destinationen quersubventioniert

    Die Vermarktung der Städte und Topdestinationen ist ein weiteres Problem. Es werden mit öffentlichen Geldern die Toporte bevorzugt und ländliche Regionen haben das Nachsehen. Wir hoffen der Nachfolger verdinet weniger und hat bessere Ideen als die Grand Route...

  • Herr Nörgeli am 16.05.2017 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Jürg Schmids Leistung

    Jürg Schmid und ST haben vielleicht nicht wirklich etwas geleistet (der Tourismus ist ja ziemlich in der Krise), aber hier Rumnörgeln bringt auch nichts. Schmid hat viel Kohle gemacht, natürlich ist er der Ansicht, dass er einen fairen Lohn erhalten hat, und die Geschichte ist für ihn erledigt. Das ist bei allen Abzockern so. Er wird das alles ausblenden, verdrängen und sich mit seinen Millionen, die er vom Bund bekam, ein schönes Leben machen. Also: Hier nörgeln nützt nichts, ist verlorene Energie. In einem Jahr wird niemand mehr von Schmid reden.

  • Ehrlicher am 16.05.2017 13:26 Report Diesen Beitrag melden

    Hochmut kommt vor dem Fall

    Auch Bundesräte und Parlamentarier verdienen zuviel.Das macht die Leute träge und hochmütig.

  • Tina Stettler am 16.05.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schmid ist ein "Blouderi"

    er hat dem Tourismus nicht zur neuen Blüte verholfen. In Szene setzen und jammern konnte er immer gut! Er macht sich selbstständig und hofft, weil er sich ein Netzwerk während seiner Anstellung aufgebaut hat, nun davon profitieren zu können. Ich bin gespannt, ob er Beratungsaufträge bekommt oder er dann nach wenigen Jahren zum dritten Mal wieder angestellt wird.

  • Sandra M am 16.05.2017 12:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bahn frei

    Es gibt bestimmt zahlreiche talentierte und motivierte junge Leute, die zum festgelegten Honorar grossartiges leisten werden. Überfütterte Hamster mit Sesselhaftung wird niemand vermissen.