Pisa-Studie

11. Juli 2014 20:16; Akt: 11.07.2014 20:16 Print

Junge haben zu wenig Ahnung von Finanzen

von Valeska Blank - Die OECD hat das Finanzwissen von Jugendlichen getestet. Die Ergebnisse sind erschreckend: Viele Junge können nicht einmal eine Rechnung richtig lesen.

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Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat wieder einmal einen ihrer berüchtigten Bildungs-Tests - die Pisa-Studie - durchgeführt. Jugendliche wurden dabei erstmals auf ihr Finanzwissen geprüft. Das Ergebnis spricht nicht gerade für die Jungen: Jeder siebte Schüler hat schon mit einer ganz alltäglichen Aufgabe Mühe - etwa dem Lesen einer Rechnung oder eines Kontoauszugs. Bei komplexeren Fragestellungen sieht es noch düsterer aus: So kann nur jeder zehnte Jugendliche unterscheiden, welches Kredit-Angebot bei verschiedenen Zinssätzen das bessere ist.

Teilgenommen haben 15-jährige Schüler aus 18 Ländern. Die Überflieger kommen aus der chinesischen Wirtschaftsmetropole Shanghai: Sie haben beim Finanztest am meisten Punkte eingeheimst. Auch Jugendliche aus Belgien, Estland, Australien, Tschechien und Polen schnitten überdurchschnittlich gut ab. Am unteren Ende der Rangliste sind Länder wie Frankreich, Italien, die Slowakei, Israel und Kolumbien zu finden.

Schweiz nicht dabei

Die Schweiz hat beim neuen OECD-Finanztest absichtlich nicht mitgemacht. Das hat im Vorfeld für Unmut gesorgt. Während sich die Schweizerische Nationalbank und der Wirtschafts-Dachverband Economiesuisse für eine Teilnahme stark gemacht hatten, votierte die Erziehungsdirektorenkonferenz des Bundes (EDK) dagegen.

Der Grund: Fächer rund um Wirtschaft und Finanzen sind kein Teil der kantonalen Lehrpläne. «Darum ist es nicht sinnvoll, unsere Schüler auf etwas zu testen, das an den Schulen gar nicht unterrichtet wird», sagt Alexander Gerlings von der EDK im Gespräch mit 20 Minuten. Auch bei der nächsten Runde im Jahr 2015 wird die Schweiz voraussichtlich nicht dabei sein.

«Gravierende Defizite»

Wie sich Schweizer Schüler bei Fragen rund um Kontoauszüge, Ratenzahlungen oder Kredite geschlagen hätten, lässt sich darum nur erahnen. Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Schweizer Lehrerinnen und Lehrer, schätzt, dass hiesige Jugendliche «kein viel besseres Bild als die Jungen aus anderen Ländern» gemacht hätten (siehe Interview). «Es gibt beim Wirtschaftswissen gravierende Defizite», sagt der oberste Schweizer Lehrer zu 20 Minuten. Eine Konsequenz davon sei zum Beispiel der hohe Verschuldungsgrad bei jungen Leuten: «Es liegt auf der Hand, dass sich Jugendliche mit wenig Finanzwissen eher verschulden», so Zemp.

Mit dem Lehrplan 21 soll die Wissenslücke geschlossen und mehr Wissen rund um Finanzen und Wirtschaft vermittelt werden - und zwar schon in der Primarschule. Eingeführt wird er aber in den meisten Kantonen erst im Schuljahr 2017/18.

«Besorgniserregendes Bild»

Dass sich das Finanzwissen von Jugendlichen weltweit verbessern muss, findet auch OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Die Ergebnisse des neuen Tests zeichneten ein «besorgniserregendes Bild», sagte er bei der Präsentation der Pisa-Studie. Gerade in Zeiten, in denen Menschen schon jung Verantwortung für finanzielle Risiken eingingen, sei Wissen über Wirtschafts- und Finanzthemen entscheidend.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Meier am 11.07.2014 21:46 Report Diesen Beitrag melden

    Hänschen

    Es gibt auch viele Leute, die können keinen Brief adressieren, keine Rechnung zahlen, nicht abstimmen, keinen Fahrplan lesen, keine Karte lesen, nicht Zug fahren, nicht kochen, nicht einkaufen, nicht waschen, nicht planen, nicht haushalten Die Liste könnte endlos weitergeführt werden. Es liegt meistens weniger an den Schulen als an den Eltern! Was Hans nicht lernt, lernt Hänschen nimmermehr.

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  • Rüedu Hegu am 11.07.2014 23:15 Report Diesen Beitrag melden

    Ins Handy schauen

    Aber eines können die meisten Jungen Leute, den ganzen Tag ins Handy schauen und sinnlos darauf herumfuchteln.

  • Grishnackh am 12.07.2014 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Dumm wie fünf Meter Feldweg

    Das liegt ganz einfach daran dass sehr viele Leute in meinem Alter (Jahrgang 1995) den IQ einer Tomate haben. Noch dazu kommt die antiautoritäre Erziehung die ein selbstständiges und auf Eigenverantwortung beruhendes Leben verunmöglicht. Viele wollen einfach nur Spass und planen so dass es nur Kurzfristig aufgeht aber auf lange Sicht in Verschuldung und Depression endet.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • D.R. am 13.07.2014 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wissenslücke

    Es ist wohl bewusst, dass man die Problematik des Geldsystems und die Rechnung des Zins und Zinseszins nicht aufzeigt bzw. nicht anhand des Beispiels der Staatsverschuldungen aufzeigen möchte. Mit dem Lehrplan 21 soll es ändern? Lernen dann die Kinder wie Geld entsteht und wie es sich mit den Zinsen verhält? Ich denke nicht, denn dann würde dieses System keine weitere Generation überleben können. Oder wie sagte einst Henry Ford: Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.

    • David Müller am 16.07.2014 17:35 Report Diesen Beitrag melden

      Prof. Money

      GEILES FAZIT! AMEN!

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  • M.......... K................. am 13.07.2014 13:15 Report Diesen Beitrag melden

    Politiker haben noch viel weniger

    Ahnung sind es doch SIE die unser Land verschulden...

  • summa sumarum am 13.07.2014 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    prozentrechenen

    wir haben noch prozentrechnen gelernt in der schule

  • Anna am 13.07.2014 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Irrsinn!

    Hauptsache man lernt tüchtig Algebra für die Schule...

  • Besi am 13.07.2014 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder!

    Kein wunder, sowas wird ja weder in der Schule, noch in der Berufsschule gelernt, und ihr wundert euch? Man setzt lieber auf Mathematik, oder Geschichte...