Teure Krankenkassen

03. Dezember 2012 07:22; Akt: 03.12.2012 08:37 Print

Junge sollen nicht mehr für Alte blechen müssen

von Elisabeth Rizzi - Niemand hat höhere Prämienaufschläge zu verkraften als die Jungen. Eine neue Idee zeigt, dass es auch anders gehen könnte. Es wäre ein Bruch mit dem Solidaritätsmodell.

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Weil viele junge Erwachsene noch studieren oder ein unsicheres Verdienst haben, muss der Staat heute mit 500 Millionen Franken Prämienverbilligungen einspringen. (Bild: Keystone)

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Für ältere Versicherte ist die diesjährige Runde bei den Grundversicherungsprämien erfreulich. Die Prämien steigen 2013 durchschnittlich um lediglich 1,5 Prozent. Junge Erwachsene hingegen müssen tief in die Tasche greifen. Im Durchschnitt müssen sie nächstes Jahr 2,9 Prozent mehr zahlen. Der Grund: Immer mehr Versicherer kürzen aus Rentabilitätsgründen die Rabatte, die der Gesetzgeber für die Altersklasse 19 bis 25 an sich zulässt. Die Rabatte sind laut dem Online-Vergleichsdienst Comparis in den letzten fünf Jahren übers Ganze gesehen auf die Hälfte zusammengeschrumpft.

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Stefan Felder, Professor für Gesundheitsökonomie an der Uni Basel, ist das ein Dorn im Auge. Er lanciert bei 20 Minuten die Idee, dass 19- bis 25-Jährige künftig generell weniger Krankenkassenprämien zahlen sollen. Denn viele Junge verdienen laut Felder noch zu wenig, um ihre Prämien zahlen zu können. Deshalb muss der Staat in dieser Altersklasse mit Prämienverbilligungen einspringen.

Keine Solidaritätszahlungen mehr

«Es ist verkehrt, wenn der Staat die Möglichkeit zu Rabatten nicht durchsetzt und dann gezwungen ist, eine halbe Milliarde Franken aus dem Steuertopf zur Verbilligung der zu hohen Prämien einzusetzen», klagt Felder. Seine Lösung: Die jungen Erwachsenen sollen künftig – genauso wie Kinder heute schon – nicht mehr über ihre Prämien Solidaritätszahlungen an die teureren Alten zahlen müssen (Risikoausgleich).

Felders Forderung hätte zur Folge, dass die Erwachsenen ab 26 deutlich höhere Prämien zahlen müssten. Nach seinen Berechnungen hätte eine Senkung der Prämien für Junge auf 160 Franken monatlich einen Anstieg bei den Älteren um 10 Franken zur Folge. Bei einer Prämienhöhe von 80 Franken, die dem Kostenniveau der Jungen entspricht, wären es 17 Franken mehr für die Älteren.

Der Online-Vergleichsdienst Comparis unterstützt den Vorstoss: «Felders Vorschlag wäre eine sauberere Lösung als das, was wir heute haben», findet Comparis-Krankenkassen-Experte Felix Schneuwly. «Zudem wäre er einfach politisch realisierbar. Es wäre keine Gesetzesänderung nötig», so Schneuwly. Die Anpassungen liessen sich allein auf der tieferen Verordnungsstufe vornehmen.

Unzufriedene Kassen

Auch die Krankenkassen sind unzufrieden mit der heutigen Lösung. Verschiedene haben sich eigene Gedanken zum Thema gemacht. So ortet die Allianz Schweizer Krankenversicherer (ASK) ebenfalls dringenden Anpassungsbedarf bei den jungen Erwachsenen. «Die Höhe des Rabatts ist für die jungen Erwachsenen heute viel geringer als der Rabatt für Kinder, obwohl die Durchschnittskosten nicht viel höher sind», bemängelt Direktor Reto Dietschi. Zudem sei das System wegen der Prämienverbilligungen aufgrund überhöhter Jugendprämien ineffizient. Trotzdem will die ASK weiterhin die Solidarität mit den älteren Generationen erhalten. Sie arbeitet deshalb an einem eigenen Vorschlag zur Anpassung der Prämien.

Konstantin Beck, Gesundheitsökonom beim CSS-Institut fordert ebenfalls eine Prämienanpassung zugunsten junger Erwachsener. Seine Lösung: «Heute wird der gesamte Kostenvorteil der Jungen als Solidaritätsleistung an die Senioren eingefordert», sagt er. Die CSS würde demgegenüber begrüssen, wenn die Solidaritätsleistungen auf die Hälfte zurückgingen und die andere Hälfte an die Jungen als Rabatt weitergegeben werden könnte.

Auch beim Krankenversicherer Sanitas bemängelt man die heutigen grossen Finanzflüsse mit hohen Kosten. «Eine Entlastung der unter 25-Jährigen wäre ein Schritt in Richtung risikogerechtere Prämien», so Sprecherin Isabelle Vautravers. Als Alternative wäre für sie auch denkbar, eine zusätzliche Prämienstufe für jüngere Versicherte einzuführen. Bei Letzterem wäre allerdings eine Anpassung des Krankenversicherungsgesetzes nötig, was die Chancen auf eine Realisierung schmälert.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ivan R. am 03.12.2012 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Kranke-Kassen

    Die Idee der Krankenkasse ist wunderbar aber sobald man was ändern möchte, drohen sie sofort mit Prämienerhöhungen oder mit Stellenabbau. Andernseits bauen Sie aus. Frage mich nur mit welchem Geld das ganze finanziert wird. Die Vesicherungen steigen Stätig wärend die Löhne gleich bleiben. Ich finde der Staat sollte die Bücher der Krankenkassen kontrollieren können und eingreifen können. Das ganze stinkt bis zum Himmel.

  • Bernt am 03.12.2012 08:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schliffts?

    Ich bin 28 und habe noch nie der KK irgendwas in Rechnung gestellt. Über 12 Jahre bezahle ich nun meine Rechnungen selbst, und jetzt soll mir nochmal nen Lappen mehr abgenommen werden? Echt jetzt... Das habt ihr Euch sehr einfach gemacht! Und von wegen Bonus und so: ich hatte einmal ne 50.- Gutschrift erhalten weil ich NIE etwas auszugleichen hatte! Ein Witz, schämt Euch

  • Daniel am 03.12.2012 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Versicherung = nur für den Notfall!

    Versicherungen sind für den Notfall, sprich sollen vor dem finanziellen Fiasko schützen und keine All-inclusive voll Pension-Hotel sein! Ich verstehe nicht, warum man überhaupt Franchisen von CHF 300.- haben darf? Die tiefste Franchise sollte bei 2000 CHF sein, Patienten bestrafen die wegen jedem «Bobo» zum Arzt rennen. Wenn die Franchisen ab CHF 2000.- bis 10'000 CHF möglich wären, dann hätten wir auch günstigere Grundversicherungen (60-100 CHF/mt), man könnte Sperrkonten einrichten, wo automatisch monatlich 150 einbezahlt werden müsste, dies dann im Notfall verwendet wird bei hohen Kosten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tina am 03.12.2012 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur für Reiche

    Zuerst muss man dieses Geld auf der Seite haben. Und wer hat das? Sicher nicht diejenigen, welche ca 4000 Franken verdienen...

  • A.H. am 03.12.2012 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das nennt man Generationenvertrag und Solidarität zum einen. Das andere Problem, ist wie die Krankenkassen agieren. Ist die Gewinnmaximierung und Fette Managerlöhne die Direktive? Wäre nicht auch mal der Gedanke etwas Wert, dass das Jahresendresultat nach notwendiger Reservenbildung und Rückstellungen ausgeglichen wäre zum Wohl der Versicherten?

  • Phill am 03.12.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Sparen mit der richtigen Franchise

    Wer nie krank ist, soll als erstes die Franchise auf 2500.- setzen. Das spart im Jahr ungefähr 1500.- gegenüber der kleinsten Franchise.

  • Mark Burkard am 03.12.2012 15:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weg mit diesem Prämiensystem

    Sollen die Krankenkassenprämien für die Grundversicherung einfach durch erhöhte Steuern ersetzt werden. Ich muss gleich hohe Prämien (habe keine Verbilligung) bezahlen wie der Typ mit einem Millioneneinkommen. Ist das gerecht?

  • Peter2106 am 03.12.2012 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Erst orientieren, dann mit diskutieren.

    Das Problem in dieser Diskussion ist, dass die Wenigsten wissen, wie die KK aufgebaut ist und funktioniert. Wir reden über die Grundversicherung, viele aber beziehen sich mit ihrem Kommentar auf die Zusatzversicherung. Damit es klar ist: In der Grundversicherung werden die Kassen durch den Bund kontrolliert. Die Verwaltungskosten betragen 5% (+/-). In den Zusatzversicherungen sind die Kassen frei in der Gestaltung wie Leistung, Prämien, Aufnahmeverfahren ect. Also bitte - erst orientieren, dann mitdiskutieren. Danke.