AK-47-Erfinder besorgt

11. November 2012 11:07; Akt: 11.11.2012 11:10 Print

Kalaschnikow schreibt Putin einen Bettelbrief

von A. Hämmerli - Die Kalaschnikow ist die meistverkaufte Waffe der Welt, dennoch steht der Hersteller vor der Pleite. Nun bittet der Erfinder des legendären Sturmgewehrs den russischen Präsidenten um Hilfe.

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Kalaschnikow begutachtet sein Werk im Moskauer Militärmuseum im Jahr 2007. (Bild: Keystone)

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Die AK-47 ist das meistgebaute Sturmgewehr der Welt. Zwischen 80 und 100 Millionen Stück sollen seit seiner Erfindung durch Namensgeber Michail Kalaschnikow im Jahr 1947 produziert worden sein. Dutzende Armeen schwören noch immer auf die für ihre tödliche Zuverlässigkeit berüchtigte Waffe, ebenso private Waffennarren, Rebellen oder Terroristen.

Man könnte also meinen, dem Hersteller der Awtomat Kalaschnikowa obrasza 47 (kurz AK-47) müsste es blendend gehen. Doch die russischen Waffenwerke Ischmech und Ischmasch stecken tief in der Krise. Erst letzte Woche beklagte sich der am 10. November 93 Jahre alt werdende Michail Kalaschnikow in einem offenen Brief an Präsident Wladimir Putin. Darin schreibt er, dass die Herstellung «seiner» Gewehre komplett zum Erliegen gekommen sei. «Die Produktion ist ins Nichts gefallen.» Das zu erleben, sei «bitter und peinlich».

17 Millionen Kalaschnikows auf der Halde

Bitter ist die Situation besonders für die Angestellten: Das gut ausgebildete Personal verlasse den Betrieb Ischmesch, schreibt Kalaschnikow, da die meisten von ihnen nicht mehr als 10 000 Rubel (umgerechnet 300 Franken) im Monat bekämen. «Manche erhalten noch viel weniger.» Mitte Oktober hatten hunderte Angestellte gegen ihre kümmerliche Bezahlung protestiert.

Kalaschnikows Bitte an Putin: Er solle doch zusehen, das marode Geschäft wieder in die Gänge zu bringen. Doch beim Präsidenten dürfte Kalaschnikow auf taube Ohren stossen. Denn die russische Armee besitzt mehr Sturmgewehre aus dem Hause Kalaschnikow, als sie je brauchen wird. Nach Angaben des Generalstabs befinden sich 17 Millionen AK-47 auf Lager, obwohl das Land nur eine Million Soldaten hat.

Zudem passen die antiquierten Gewehre nur noch bedingt ins Arsenal der Atommacht: Moderne Waffen sollen her, vor allem Kampfjets und Hubschrauber – und das für hunderte Milliarden Franken, wie Putin vor seiner Rückkehr in den Kreml angekündigt hatte.

Billige Kopien aus Asien setzen dem Originalhersteller

Die Probleme sind ohnehin weitgehend hausgemacht: Zu Sowjetzeiten hatte man grosszügig Genehmigungen zur Herstellung des Maschinengewehrs ins Ausland vergeben. Dabei standen weniger die Einnahmen aus Lizenzen um Vordergrund, sondern vielmehr der Einsatz der Waffe als Instrument der Volksbefreiung. So gibt es etwa eigene AK-47-Versionen aus China, Bulgarien oder dem Irak.

Nach dem Ende des Warschauer Pakts im Jahr 1991 liefen zwar alle Lizenzen zur Herstellung aus, doch frühere Partner bastelten munter weiter an ihren eigenen Knarren und jagten den Russen Marktanteile ab. Besonders die billigen Kopien aus Asien, heisst es, setzen dem Hersteller des Originals zu.

Fusionspläne wegen drohendem Konkurs

Der für die russische Rüstungsindustrie zuständige Vizepremier Dmitri Rogosin hat nun den Zusammenschluss der Waffenschmieden Ischmech und Ischmasch gefordert, wie die Zeitung «Nowyje Iswestija» berichtet. Das fusionierte Unternehmen soll unter der Dachmarke Kalaschnikow zusammengelegt werden. Viele halten Entlassungen in den Werken für unvermeidlich. Die Fusion sei das Gebot der Stunde, wird Rüstungsexperte Igor Korotschenko von der russischen Nachrichtenagentur Ria Novosti zitiert. «Dadurch können die Ausgaben optimiert werden, und der neue Betrieb kann sich auf die Entwicklung und Produktion der neuen Maschinenpistole AK-12 konzentrieren.»

Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass das russische Verteidigungsministerium auch an der neuen Kalaschnikow nicht sonderlich interessiert ist. Der Unterschied zu den Vorgängermodellen ist schlicht zu klein.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Max Birch am 12.11.2012 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Waffenhasser? Denkt mal nach!

    Waffenhasser sind naive Illusionisten die nicht begriffen haben was Stabilität und somit Sicherheit erzeugt! Sie sollten sich besser bei den Waffenherstellern bedanken für die Sicherheit und vor allem Freiheit die sie tag für tag geniessen dürfen! Wo wäre die Schweiz heute ohne die Waffenherstellern Anno 1291?

  • Hans B. am 11.11.2012 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Die sollen doch ne Crowdfoundingseite eröffnen dann kann man spenden dieses Gewehr ist ein grosses Stück Geschichte. Und nie vergessen nicht Waffen töten Menschen sonder Menschen töten Menschen wen die Kalschnikoff nicht mehr gekauft wird kauffen die Länder die Waffen der RUAG oder Winchester,Beretta oder Heckler und Koch.

  • Kurt am 11.11.2012 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sollen pleite gehen 

    Ich hoffe es geht pleite, ein Waffenhersteller weniger und somit weniger Tote.

    • Rico am 12.11.2012 00:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Oh man

      Du hast aber gar keine Ahnung. Waffen töten keine Menschen, sondern Menschen töten Menschen. gäbe es keine schusswaffen würden Pfeile und Sperre eingesetzt und gäbe es die nicht, dann werden Messerklingen genutzt. es werden mehr ,,Morde,, mit Klingenwaffen vollzogen als mit Schusswaffen. Willst du jetzt das alle Küchenmesser verboten werden?

    • Einfach am 12.11.2012 06:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Einfach

      Bravo! Was für eine einfache Lösung für eine einfache Welt!

    • Ziggy am 12.11.2012 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Logik

      Das ist eine komische Logik die Sie haben... Also sollen weniger Messer und Gabeln hergestellt werden, damit es weniger dicke gibt?

    • True am 12.11.2012 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Oder...

      oder es werden halt andere und bessere waffen gekauft und die Todeszahl steigt weiter

    • elin am 12.11.2012 07:39 Report Diesen Beitrag melden

      wunschdenken

      andere waffenhersteller werden die so entstandene lücke mit freude schliessen... glauben sie wirklich dass die menschheit irgendwann wieder ohne waffen auskommen wird? wunschdenken. mord und totschlag hat es schon immer gegeben und wird es, leider, immer geben.

    • Max Birch am 12.11.2012 12:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Menschheit ohne Waffen?

      Äh gabs jemals eine Menscheit ohne Waffen? Wie will man denn so eine Zivilisation aufbauen die sich gegen Psychopathen etc. verteidigen kann?!

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  • Peter Schmit am 11.11.2012 18:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer zum Teufel

    braucht eine AK 47, ausser der Teufel selbst ? Es sind noch etliche dieser Waffen im Umlauf, so dass noch der ein oder andere (Kinder-)Soldat mit diesen spielen werden wird. Also, keine Sorge: die AK 47 lebt und tötet fröhlich weiter.

    • Max Birch am 12.11.2012 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Besitze eine AK-47

      Danke, dass sie mich als Teufel titulieren!

    • beni am 14.11.2012 11:56 Report Diesen Beitrag melden

      ja @max

      @max birch: natürlich, was denn sonsts? waffen sind nur zum töten gemacht worden. es gibt nicht eine sinnvolle und ehrliche andere antwort dafür, oder?

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  • Häuslebauer am 11.11.2012 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    wo kann man spenden?

    wo kann man spenden?

    • J T am 11.11.2012 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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