Milchpulver

03. Oktober 2014 16:09; Akt: 03.10.2014 20:28 Print

Kein Nespresso mehr für George Clooney?

von Isabel Strassheim - Seine Frau solle Druck auf Clooney ausüben, nicht mehr für Nestlé zu werben. Dies fordert eine NGO in einem Brief. Der Grund: Das umstrittene Babymilch-Marketing Nestlés.

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Noch kurz vor seiner Hochzeit hat George Clooney in einer Villa am Comer See einen neuen Werbespot für Nespresso abgedreht. Wars umsonst? Denn die Organisation International Babyfood Action Network (IBFAN) fordert, der frischgebackene Ehemann solle seine Werbung für Nestlé einstellen. In einem Brief an Clooney und seine Frau, die Menschenrechtsanwältin Amal Alamuddin, will IBFAN auf die Kritik an der Vermarktung von Nestlé-Babymilch in Drittweltländern verweisen, die zum Tod von Säuglingen führe.

«Wir sind dabei, ein Schreiben vorzubereiten, worin wir an beide appellieren, sich für die Babys dieser Welt einzusetzen und Nestlé nicht weiterhin zu unterstützen», sagte Lida Lhotska von IBFAN zu 20 Minuten. Sie war am Mittwochabend zur Schweizer Premiere des Films «Tigers» ans Zurich Filmfestival gekommen. Ein Film, der bittere Vorwürfe gegen Nestlé wegen seiner Verkaufspraktiken von Babymilch in Pakistan erhebt. Der Streifen stiess zwar in Zürich zunächst auf wenig Interesse, könnte jedoch eine neue Diskussion über das Marketing des Weltkonzerns in diesem sensiblen Bereich auslösen.

Ein Whistleblower erzählt

Der oscarprämierte Regisseur Danis Tanovic zeigt weinende Mütter und ihre bis zur Unkenntlichkeit ausgemergelten und sterbenden Säuglinge in einer im vergangenen Jahr in einem Pakistaner Spital aufgenommenen Szene. Der Vorwurf: Statt ihre Kinder zu stillen, geben die Mütter, verführt durch aggressives Marketing, den Schoppen. Das mit schmutzigem Wasser angerührte Milchpulver ist der Grund für die tödliche Durchfallerkrankung der gezeigten Säuglinge.
 Vielerorts ist der Zugang zu sauberem Trinkwasser ein Problem.


Das Besondere an dem Film ist, dass er die Geschichte eines ehemaligen Nestlé-Angestellten in Pakistan erzählt. Dem wohl einzigen Whistleblower aus dem Inneren des Konzerns, der von seinen Praktiken als Babymilch-Verkäufer bei Ärzten und Spitälern in Pakistan berichtet. «Die im Film gemachten Anschuldigungen entsprechen in keiner Weise der Realität», sagt eine Nestlé-Sprecherin 20 Minuten. «Die beschriebenen Ereignisse in Pakistan liegen Jahre zurück und stellen die Fakten über unser Aktivitäten stark verfälscht dar.»

In Toronto gross gefeierter Film

Das Kinderhilfswerk Unicef schätzt, dass vor allem durch Stillen anstelle von Flaschennahrung der Tod von mehr als 800'000 Kleinkindern in Entwicklungsländern verhindert werden könnte. Schon in den 70er-Jahren gab es einen Skandal um Babynahrung. Vor allem Nestlé wurde damals vorgeworfen, Mütter in Afrika davon zu überzeugen, dass Pulvermilch besser sei. «Tigers» klagt an, dass der Skandal anhalte, und zwar weltweit. Nestlé verweist dagegen auf seine strikten internen Richtlinien zur Beratung von Eltern, wie sie Säuglingsnahrung sicher zubereiten können.

Beim Internationalen Filmfestival in Toronto war «Tigers» gross gefeiert worden. Der Clou ist, dass er mögliche Rechtsklagen von Seiten Nestlés vorwegnimmt: In Einblendungen zeigt er immer wieder Diskussionen mit einem Anwalt über die mangelhaften Beweise für die Anschuldigungen durch den Whistleblower. «Die Beweiskette ist nicht wasserdicht», sagt etwa ein Jurist im Film.



George Clooney sah sich schon mehrmals harscher Kritik wegen seiner Nespresso-Werbung ausgesetzt.

 Unter anderem wurde ihm vorgeworfen, der Kapselkaffee sei ganz und gar nicht umweltverträglich.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli Boli am 03.10.2014 16:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jaja

    Aber selber nichts tun für die Umwelt, die neue Frau an der Seite von Ihm, das ganze Jahr mit dem Flugzeug um die Welt Jetten, nur schon die Hochzeit von Ihr in Szene gesetzt , ist ein Skandal, nein so nicht, nur über andere Meckern , aber selber nichts dazu leisten.....

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  • Mike am 03.10.2014 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Frage:

    Was kann Nestlé dafür, dass die Babynahrung mit verschmutztem Trinkwasser angerührt wird? Es sollte jedem Menschen klar sein, dass dafür sauberes Wasser verwendet werden muss!

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  • Alana am 04.10.2014 06:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bald soweit

    Stillen ist das beste und erst noch gratis ! Wenn man bedenkt was so eine dose Pulver kostet ! Ich werde in ein paar Stunden? Mutter werden und hoffe sehr dass ich stillen kann .

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Die neusten Leser-Kommentare

  • marianne broennimann am 04.10.2014 19:34 Report Diesen Beitrag melden

    Bravo, ein prima Anfang!

    Endlich eine Frau die Klartext zu Multi spricht!

  • F Rausch am 04.10.2014 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenig differenziert ...

    Na ja ... Nette Kommentare. Das Milchpulver wurde mit verschmutztem Wasser angerührt. Ist nun das Problem beim Pulver oder in der Handhabe. Nestle hätte in diesen Ländern vermutlich diesen Vermerk oder Piktogramm ausrücken sollen. Stillen ist auch besser vorausgesetzt es wird ausreichend Milch produziert. Es ist einfach einen Konzern voreilig zu verdammen, ich denke mal sollte differenziert hinschauen. Vieles ist nicht optimal und kann verbessert werden, vieles läuft gut. Was machen denn jene die Nestle boykottieren ... Nichts, aus Nicht entsteht auch nichts auch keine neuen Wasserbrunnen

  • Thomas am 04.10.2014 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Nespresso

    Wenn die Menschen nicht ständig Nespresso trinken würden, wären auch keine Millionen da, um ihn bezahlen. Der Konsument hätte es in der Hand, aufzuhören für einen Kilo Kaffee 80 Euro zu bezahlen! Die vergolden ihm ja sein Geschäft!

  • Claude Iseli am 04.10.2014 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Nestlé: Profitgeier ohne Skrupel

    Nestlé ist leider schon lange nicht mehr, was Nestlé einmal war. Sehr schade - früher war ich (und viele andere) stolz auf Nestlé - heute muss man sich schämen. Speziell die Wassergeschichte - die Ärmsten auszubeuten - pfui - und das ist nicht alles - informiert Euch mal. Echt skrupellos!

    • Claude Iseli am 04.10.2014 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      P.S.: Black Planet Award 2007

      2007 hat Nestlé für ihre Politik der rücksichtslosen Gewinnmaximierung, den internationalen "Black Planet Award" für "die herausragende Verantwortung bei der Zerstörung und des Ruins unseres blauen Planeten - hin zu einem schwarzen Planeten" (ethecon).

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  • SandroPesina am 04.10.2014 09:15 Report Diesen Beitrag melden

    Unseriöse Firma

    Wir kaufen schon seit längerer Zeit Nestlè Artikel nur noch, wenn es nicht anders geht!

    • Thomas Sowieso am 04.10.2014 17:18 Report Diesen Beitrag melden

      @ SandroPesina

      Es würde IMMER anders gehen.. wenn man wollte. Sie meinen wohl, wenn es bequemer ist...

    • NoGo am 04.10.2014 20:12 Report Diesen Beitrag melden

      Innere Werte

      Wenn sich die inneren Werte im Geldbeutel befinden, geht's nicht anders!

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