Dr. Doom & Co.

16. Juli 2010 12:39; Akt: 16.07.2010 13:16 Print

Kommt jetzt der grösste Crash seit 300 Jahren?

von Sandro Spaeth - Schwarzmaler haben Konjunktur. Robert Prechter, einer der erfolgreichsten, prophezeit: 2016 wird das Finanzsystem endgültig zusammenbrechen.

storybild

(Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit der Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini den Crash des US-Finanzsystems für das Jahr 2008 prognostiziert hat, gilt er als brillantester Schwarzmaler unter den Ökonomen. Rubini ist der Krisenprophet und hat es zu Ruhm und Ehre gebracht. Den Titel «Doktor Untergang» macht er dem Schweizer Börsenexperten und Berufspessimisten Marc Faber streitig. Dieser ist Herausgeber des Börsenbriefs «Gloom Boom & Doom Reports».

Immer mehr Ökonomen stimmen in die Untergangsprophezeiungen mit ein. Die neuste Crash-Vorwarnung kommt vom Amerikaner Robert Prechter. Gemäss seinen Berechnungen werden an der Börse in den nächsten zwei Jahren Auf- und Abwärtsbewegungen zu sehen sein, in der Tendenz geht es aber bereits nach unten. Ab 2012 sieht Prechter den grossen Fall: «Ein lang anhaltender Bärenzyklus wird mehr als 90 Prozent der Index-Punkte weltweit vernichten und den Dow Jones 2016 auf unter 1000 Zähler drücken», sagte er im Interview mit der «New York Times». Ein solches Szenario würde unser Finanz- und Wirtschaftssystem in seinen Grundfesten erschüttern, steht das führende US-Börsenbarometer derzeit doch bei rund 10215 Punkten.

St. Galler Pessimismus

Eine ähnliche schlechte Prognose für den Dow Jones Industrial machte kürzlich Wirtschaftswissenschaftler Fredmund Malik (20 Minuten Online berichtete). Er verkündete, der dritte Akt der Krise sei eingeläutet. Laut dem Österreicher, der in St. Gallen das Management Zentrum leitet, werde der Dow Jones Industrial zuerst auf 3000, dann auf 1000 Punkte fallen. Malik vergleicht die von ihn prognostizierte Situation mit den Jahren nach dem Börsencrash des Black Friday im Jahr 1929.

Prechter sieht die US-Börse sogar noch stärker einbrechen als in den Depressionsjahren nach 1929 oder der Finanzkrise von 2008: «Der Zerfall wird ein Superzyklus-Ausmass erreichen und wird der grösste Crash seit dem Platzen der Südsee-Blase im Jahr 1720.» Damals gingen viele Investoren davon aus, mit dem Handel von exotischen Produkten und Sklaven märchenhafte Gewinne einzustreichen und kauften Papiere der britischen South Sea Company. Der Kurs stieg gewaltig, obwohl die Company noch kein einziges Pfund im Südseehandel verdient hatte. Die Blase platzte schliesslich, als am Dividendentag klar wurde, dass nichts ausbezahlt werden kann.

Wellenreiter

Prechter, studierter Psychologe und Betreiber eines US-Marktforschungsinstituts, begründet seien Pessimismus mit dem nicht unumstrittenen Wellenmodell, das Ralph Nelson Eliott in den Dreissigerjahren entwickelte. Dabei geht es um eine technische Analyse von Optimismus und Pessimismus der Anleger, mit der sich sowohl kurzfristige als auch jahrzehntelange Entwicklungen vorhersagen lassen.

Wie jeder Untergangsprophet hat auch Prechter Kritiker, doch wagen sich diese derzeit nicht allzu weit vor. Der Grund: Prechter kann mit seinen Theorien eine eindrucksvolle Erfolgsquote vorweisen. So sagte er beispielsweise Ende der Siebzigerjahre einen lang anhaltenden Aufschwung voraus oder schaffte es sogar im Krisenjahr 2008, ein positives Portfolio zusammenzustellen.

Abstürze sind Teil des Systems

Zurück zu «Dr. Doom» Nouriel Roubini: In seinem neuesten Buch schreibt er: «Extreme Phasen des Aufschwungs gefolgt von katastrophalen Einbrüchen hat es schon immer gegeben, und es wird sie immer geben.» Klar ist auch: Alle Untergangspropheten bekommen irgendwann Recht, wenn sie nur lange genug ihre These vertreten.

Und sollte Prechter mit seiner Prognose für 2016 komplett daneben liegen, wird sich niemand an seine Voraussage erinnern. Oder wissen Sie noch, welche unheilvollen Einschätzungen die Ökonomen im Jahr 2004 abgaben?