Detektiv für Visa und Co

15. Januar 2018 17:27; Akt: 15.01.2018 17:28 Print

Hier wird Betrug mit Kreditkarten verhindert

von S. Spaeth - Sie sind so etwas wie die Detektive der Kreditkartenfirmen. 20 Minuten konnte den Betrugsbekämpfern der Firma Swisscard über die Schultern schauen.

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Hohe Bargeldbezüge mit Kreditkarte, ein nächtlicher Anruf für die Erhöhung der Limite oder der Einsatz einer Schweizer Karte in Nigeria: Sie haben eine Nase dafür, wenn etwas faul ist – die zwanzig Mitarbeiter der Abteilung Betrugsbekämpfung beim Kartenherausgeber Swisscard. Das Team arbeitet in einem modernen Glasgebäude in Horgen mit Sicht auf den Zürichsee und die Alpen. Die Betriebszeiten der Kreditkarten-Detektive: 24 Stunden, 365 Tage im Jahr.

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Wer die Betrugsbekämpfer besuchen will, muss mehrere Sicherheitsschleusen passieren – und vorgängig eine Geheimhaltungsverpflichtung unterzeichnen, womit unter anderem das Einhalten des Bankgeheimnis und des Datenschutzgesetzes bezeugt wird. Wir treffen Thomas M.*, der seine Schicht am frühen Morgen begonnen hat. Jetzt, um 14.30 Uhr, haben er und seine Kollegen bereits 170 verdächtige Transaktionen bearbeitet, wie auf einem grossen Bildschirm im Raum angezeigt wird. Über 50 Fälle klärt ein Mitarbeiter im Schnitt pro Schicht ab.

Verdächtige Einkaufsserie

M. arbeitet auf seinem Bildschirm eine Liste mit «Fraud Alerts» ab. Der oberste Eintrag betrifft eine Kreditkarte, die kurz nacheinander für zwei mehrere Hundert Franken teure Einkäufe bei einem Online-Modehändler von eingesetzt wurde. «Wenn ich in den früheren Transaktionen sehe, dass der Kunde oft für derartige Summen bei diesem Shop einkauft, gebe ich die blockierte Kreditkarte wieder frei», sagt M. Ist dies nicht der Fall, wird der Kunde kontaktiert und per Telefon oder SMS nachgefragt, ob er die Bestellungen getätigt habe. In diesem Fall zeigt der Blick in die Aufzeichnungen: Der Kunde kauft regelmässig bei diesem Online-Modeshop ein, darum alles im grünen Bereich.

Der nächste Fall: Eine Kreditkarte wurde sechsmal hintereinander im Onlineshop eines Bahnunternehmens zum Kauf eines Tickets eingesetzt. Hier könnte es sich laut M. um einen Betrug mit geklauten Kartendaten handeln, wobei die Betrüger sich dann das Geld am Schalter für die nicht verwendeten Bahnbillette rückerstatten lassen wollen. M. ruft die Karteninhaberin an. Alles in Ordnung, sagt die Frau. Sie habe mit der Kreditkarte die Tickets für die Bahnfahrt der Geschäftskollegen gekauft. M. vermerkt dies und gibt die Karte frei.

Betrugsmasche: Den Lieferdienst abfangen

«80 Prozent der von uns kontaktierten Personen sind dankbar. 20 Prozent sind verärgert, weil zuvor ihre Karte gesperrt wurde», sagt M., der bereits sechs Jahre in der Betrugsbekämpfung arbeitet. «Man entwickelt mit der Zeit ein Bauchgefühl für verdächtige Transaktionen.» Derzeit komme es vermehrt zu Betrugsversuchen bei Same-Day-Lieferungen. Die Masche: Gauner bestellen mit geklauten Kartendaten teure, rasch lieferbare Elektronikartikel an eine Schweizer Adresse, wobei ein Komplize den Zusteller bei der Lieferung abfängt.

«Über die Tracking-Funktion wissen auch die Gauner ziemlich genau, wann der Bote kommt», sagt M. Bei derartigem Verdacht kontaktieren die Betrugsbekämpfer so rasch als möglich den Karteninhaber und den Verkäufer, damit Letzterer die Lieferung womöglich noch stoppen kann. «Gelingt das, schwingt schon etwas Stolz mit», sagt M.

Diese Art von Betrug wird möglich, weil ein Teil der Onlineshops, darunter auch grosse internationale Online-Versandhändler, auf das 3-D-Secure-Verfahren verzichtet. Dabei muss ein Karteninhaber per App oder Passwort eine Transaktion bestätigen. «Gewisse Anbieter glauben, 3-D Secure schrecke Kunden ab», sagt Hélder da Costa, Teamleiter in der Abteilung Betrugsbekämpfung. Verzichtet ein Onlinehändler auf 3-D Secure, liegt die Haftung im Betrugsfall beim Händler. Der Kunde bleibt auch in diesen Fällen vor finanziellen Schäden geschützt, solange er seine Kreditkarte gemäss den üblichen Regeln einsetzt.

Ein gewisser Anteil an Betrugsfällen wird akzeptiert

Die Anzahl Betrugsfälle ist laut Swisscard seit 2013 auf tiefem Niveau stabil. «Eine weitere Senkung wäre nur mit unverhältnismässig hohem Aufwand für Kunden und Swisscard möglich», sagt da Costa. Ein gewisser Anteil an Betrugsfällen werde darum akzeptiert.

Bevor die Betrugsbekämpfer zum Einsatz kommen, ist eine Software im Einsatz, die die Transaktion innerhalb von wenigen Sekunden auf ihre Plausibilität prüft und versucht, Betrugsmuster zu erkennen. So schlägt das System beispielsweise Alarm, wenn eine Karte innert kurzer Zeit an zwei weit auseinander liegenden Orten eingesetzt wird. Die Folge: Die Autorisierung wird verweigert und das Anti-Fraud-Team erhält einen Alert.

Rund 91 Millionen Autorisierungsanfragen gehen jährlich bei Swisscard ein, wovon lediglich ein Bruchteil manuell geprüft wird. Von diesen Transaktionen stellten sich im letzten Jahr rund 16’000 als Betrugs- oder Betrugsversuch heraus. «Den Schaden tragen meist die Kreditkartenherausgeber, ausser die Kunden sind grob-fahrlässig mit ihren Daten umgegangen», sagt da Costa.

Wenn plötzlich ein Superreicher am Draht ist

Zurück zu M., der regelmässig auch Nachtdienste schiebt und dann beinahe allein ist in dem grossen Glasgebäude in Horgen. «Es kommt ab und zu vor, dass prominente Persönlichkeiten um eine Erhöhung ihrer Limite anfragen, weil eine Zahlung abgelehnt wurde», sagt M. Das könne einen schon nervös machen. «Bei einem Promi willst du nichts falsch machen.» Im Notfall gelte es darum, selbst mitten in der Nacht einen Manager zu kontaktieren.

Namen und Limitenhöhe nennt M. natürlich keine. Datenschutz und Diskretion sind oberstes Gebot. Darf M. eigentlich sagen, wo er arbeitet? «Ja klar. Wir arbeiten in der Abteilung Betrugsbekämpfung und nicht beim CIA.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel isidro am 15.01.2018 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super Bericht

    Mal ein guter Bericht und keiner schreibt was. Gut gibts solche Mitarbeiter die uns schützen. Datenschutz hin oder her gibt sicherlich manchmal Situationen die nicht Nötig wären zur Nachfrage. Aber von mir aus kann dies auch noch ein bisschen weiter gehen mit der Kontrolle so das Kunde und Kartenherausgeber besser geschützt sind

    einklappen einklappen
  • Alexander Hirzel am 15.01.2018 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke

    Danke für ihre Arbeit die sie machen und es den Betrügern auch immer schwerer machen.

  • zulius am 15.01.2018 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    danke

    danke für eure arbeit. da sind viele froh dass es euch gibt, denn nicht jeder merkt selber den Betrug, oder zu spät.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Laura Kundin am 17.01.2018 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    danke euch

    Ich finde die Swisscard und ihre mitarbeiter GENIAL!! In diese Abteilung arbeitet ein Portuguisen und er ist sooooo Heiss!! Lol

    • Ex Mitarbeiterin am 17.01.2018 16:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Laura Kundin

      als Ehemalige Mitarbeiterin kann ich das nur bestätigen! Sie machen einen super Job und der Mitarbeiter der du meinst ist wirklich sehr Hot!!

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  • Markus K am 16.01.2018 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Karte mit app

    Genial ist es natürlich wenn man eine Kreditkarte hat und ein entsprechendes app auf dem Handy wo man direkt Länder Sperren, Bargeld Bezüge Blockieren und allgemein die Kartennutzung ein und Ausschalten kann. So ist der missbrauch schon eher Unwarscheinlich

  • Traveller am 16.01.2018 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Arbeit

    Bin kürzlich selber kontaktiert worden, ob alles mit rechten Dingen zugehe. War alles ok. Bin froh, dass es Euch gibt! Danke

  • M. Schwaar am 16.01.2018 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Toller Bericht

    Kompliment, ein sehr spannender Bericht den ich mit viel Interesse gelesen habe. Super Arbeit, die die Detektive der Kreditkartenfirma da 365 Tage im Jahr leisten.

  • Ruedi am 16.01.2018 14:51 Report Diesen Beitrag melden

    Danke!!!

    Danke für diese Arbeit. Ich war auch schon froh hat die Kreditkartenfirma mich über einen versuchten Betrug informiert und gleich blockiert.