Patientenhotel

22. Juni 2015 16:53; Akt: 22.06.2015 17:01 Print

Lausanne geht neue Wege bei Patientenbetreuung

Am Universitätsspital von Lausanne (CHUV) entsteht das erste Patientenhotel der Schweiz. Hotelkosten für Patienten werden künftig von den Krankenkassen übernommen.

storybild

In Lausanne entsteht das erste Patientenhotel der Schweiz: Das Universitätsspital Lausanne (CHUV). (Bild: Keystone/Jean-Christophe Bott)

Fehler gesehen?

Es ist ein Novum in der Schweiz: ein Patientenhotel soll in Zukunft das Universitätsspital Lausanne (CHUV) ergänzen. In 114 Zimmern können Patienten vor oder nach Eingriffen am CHUV untergebracht werden und das Spital bei der Bettenbelegung entlasten.

Das Hotel ist für Patienten bestimmt, die noch nicht nach Hause zurückkehren dürfen, aber auch nicht mehr auf aufwändige Pflege angewiesen sind, wie am Montag Pierre-François Leyvraz, Generaldirektor des CHUV, vor den Medien in Lausanne sagte.

Das Drei-Sterne-Hotel bietet in zwei Gebäuden eine Fläche von insgesamt 8000 Quadratmetern. Für die Patienten übernimmt die Krankenversicherung die Kosten eines Aufenthalts im Hotel. Auf eigene Kosten können auch Angehörige dort übernachten.

Pflegepersonal vom CHUV im Hotel

Im Patientenhotel steht rund um die Uhr medizinisches Personal bereit. Zu den Gebäuden des CHUV stehen Shuttlebusse bereit. Die Patienten werden zudem ein Armband mit Alarmknopf tragen, damit sie jederzeit medizinisches Personal anfordern können. Dieses kann dank einem GPS-Sender lokalisiert werden.

Von den 114 Zimmern werden rund 70 Prozent für das Universitätsspital reserviert. Für den Hotelbetrieb werden rund 50 Stellen geschaffen. Die Behandlung der Patienten wird vom Pflegepersonal des CHUV übernommen.

Entlastung für Universitätsspital

Der Waadtländer Gesundheitsdirektor Pierre-Yves Maillard (SP) stand seit Beginn hinter dem Projekt. Dank dem Hotel würden rund 60 Betten im Hauptgebäude im CHUV ab Ende 2016 wieder frei. Das Spital sei am Limit, jeder Winter sei eine grosse Herausforderung, so Maillard.

Mit dem neuen Hotel könne man die Lage etwas entspannen. Das Hotel wird zusammen vom CHUV und von privaten Investoren finanziert. Die Waadtländer Beamten-Pensionskasse steuert 33 Millionen Franken bei.

Die Privatfirma Reliva Patientenhotel SA übernimmt den Betrieb bei einer Vertragsdauer von 35 Jahren. Das CHUV stellt die Behandlung der Patienten und der Qualität sicher. Das sei eine passende Lösung für dieses besonders innovative Projekt, sagte Pierre-Yves Maillard.

Den Gegnern einer sogenannten Public-Privat-Partnership rief der Waadtländer Gesundheitsdirektor am Montag in Erinnerung, dass das Universitätsspital Lausanne nicht unbedingt qualifiziert sei, ein Hotel zu führen. Auf privates Geld zurückzugreifen sei legitim, um die notwendigen Investitionen im Gesundheitswesen einzuleiten.

(sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Betroffene am 23.06.2015 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftig

    Finde ich eine tolle Sache. Als Patientin wurde ich schon 2 mal "frühzeitig" aus dem Spital entlassen und sollte dann noch selber in einer Apotheke Medikamente beschaffen. Für ältere und/oder alleinstehende Menschen einfach unmöglich. Zu Hause ist man dann anfangs nicht fit genug zum Einkaufen und Kochen. Und die latente Unsicherheit ob der Heilungsprozess normal verläuft ist auch nicht gerade angenehm!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Betroffene am 23.06.2015 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vernünftig

    Finde ich eine tolle Sache. Als Patientin wurde ich schon 2 mal "frühzeitig" aus dem Spital entlassen und sollte dann noch selber in einer Apotheke Medikamente beschaffen. Für ältere und/oder alleinstehende Menschen einfach unmöglich. Zu Hause ist man dann anfangs nicht fit genug zum Einkaufen und Kochen. Und die latente Unsicherheit ob der Heilungsprozess normal verläuft ist auch nicht gerade angenehm!!