Rekord in der Schweiz

26. November 2012 11:37; Akt: 26.11.2012 12:09 Print

Lego will an Weihnachten durchstarten

von A. Hämmerli - Lego rechnet fürs Weihnachtsgeschäft mit einem neuen Rekord. Das Unternehmen, das vor sieben Jahren kurz vor der Pleite stand, prahlt heute damit, das Apple der Spielzeugbranche zu sein.

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Wer in den 80ern und 90ern des vergangenen Jahrhunderts aufgewachsen ist, wird sich mit einem nostalgischen Seufzer an seine Spielzeugsammlung von damals erinnern. So erfolgreich wie Lego haben sich aber nur wenige gehalten: Viele der Klassiker sind aus den Kinderzimmern von heute verschwunden... So etwa der aus heutiger Sicht antiquierte Ur-Gameboy aus dem Jahr 1989. Wer in der Schule kein Aussenseiter sein wollte musste man Eltern eine gefühlte Ewigkeit anbetteln, um die erste Game-Konsole für Unterwegs endlich sein eigen nennen zu können. In eine ähnliche Kategorie gehört das Tamagochi der Firma Bandai. Dieses lag Mitte der Neunziger voll im Trend. Auf dem pixeligen des Plastik-Eis schlüpfte ein virtuelles Haustier, das einen fortan Tag und Nacht terrorisierte, weil es gefüttert oder gestreichelt werden wollte. Weniger Fingerfertigkeit aber dafür mehr Balance forderte einem der Pogo-Ball ab. Den Gummiballon mit Plastikring klemmte man sich zwischen die Füsse und hüpfte drauf los. Wie viele Kinder sich beim Spiel mit dem Pogo-Ball Knochenbrüche zugezogen haben, ist leider nicht dokumentiert. Der Spielzeugball aus Gummifäden mit dem merkwürdigen Namen Koosh war Ende der Achtziger nicht aus den Kinderzimmern wegzudenken. Der Vorteil aus Sicht der Eltern: Pfefferte man das Geschoss dem kleinen Bruder an den Kopf, gabs keine Beule – und auch das Geschrei hielt sich in Grenzen. «Bei der Macht von Grayskull!» war einer der beliebtesten Ausrufe Kinder der Neunziger. Die Action-Figuren aus den He-Man TV-Serien waren der absolute Renner. Der leicht bekleidete Muskelprotz und sein Widersacher Skeletor bescherten Hersteller Mattel prächtige Gewinne. 2004 wurde die Produktion mangels Interesse der Kinder eingestellt. Die bunten Plastikpferde der Hasbro-Marke «Mein kleines Pony» brachten die Mädchen der Achtziger und Neunziger zum schwärmen und die Buben zum davonrennen. Der Charme der Figuren ist mittlerweile verflogen. Ähnlich schrill wie die kleinen Ponys waren die Trolle mit ihren farbigen Haaren. Sie liessen sich nach Gutdünken frisieren. So mancher Grünschopf ging in Flammen auf, als die Kinder das Interesse an den Figuren verloren. Man kann argumentieren, dass Modelleisenbahnen schon in den 90er Jahren nicht mehr «in» waren. Die Fangemeinde bestand schon damals hauptsächlich aus Erwachsenen. Der Vollständigkeit halber sollen die Miniatur-Züge der Marke Märklin in dieser Bildstrecke dennoch nicht fehlen. Eine wahre Plage waren die Diddl-Mäuse. In den Neunzigerjahren waren sie scheinbar überall anzutreffen: Als Plüschtiere, Bettwäsche, Teetassen, Bleistiften und so weiter. Heute gibt es die Nagetiere zwar immer noch – der Hype um sie ist aber vorbei. Wer in den Achtzigern und frühen Neunzigern keine Transformers auf dem Nachttisch hatte, war als Bub arm dran. Die Spielzeugroboter liessen sich in Feuerwehrautos, Boote, Flugzeuge und vieles mehr verwandeln. Aus den Kinderzimmern sind die Figuren praktisch verschwunden – und das obwohl die Transformers letztmals im Jahr 2011 im Kino zu sehen waren.

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2003 stand Lego vor dem Ruin: 180 bis 190 Millionen Euro Verlust schrieb der dänische Spielzeughersteller damals. Grund war der unaufhaltsam wirkende Vormarsch der elektronischen Spiele – wer Lego spielte, war out.

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Seither ist der Hersteller der Kult-Klötze wieder auf der Überholspur: Den Boom mit zweistelligen Zuwachsraten beim Umsatz konnten weder Finanzkrise noch steigende Arbeitslosenquoten bremsen. Der Erfolg kam überraschend: «2004 hätten wir bestimmt keine Verdreieinhalbfachung des Umsatzes erwartet, sondern gesagt, dass jedes Jahr fünf Prozent auch schon toll wären», gesteht Europa-Chef Dirk Engehausen der Nachrichtenagentur DPA.

Zur Gesundung des Unternehmens beigetragen hat auch, dass sich Lego einen radikalen Sparkurs verpasste: Man verkaufte die Freizeitparks und verlagerte die Produktion von der Schweiz nach Osteuropa – zum Ärger der hiesigen Belegschaft.

Seit Kurzem die Nummer zwei der Welt

Die Massnahmen zeigten Wirkung: 2011 meldete der nach Mattel und vor Hasbro seit Kurzem zweitgrösste Spielwarenhersteller der Welt einen Umsatz von 18,8 Milliarden Kronen (gut 3 Milliarden Franken) und einen Rekordgewinn von umgerechnet über 660 Millionen Franken. Die Eignerfamilie Kirk Kristiansen gilt mit einem geschätzten Vermögen von 9 Milliarden Franken als die reichste Sippe Dänemarks.

Und auch diese Weihnachten soll das Geschäft prächtig laufen: Lego rechnet insgesamt mit einem beachtlichen Plus von mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zur Überraschung vieler kommt dieser Zuwachs selbst aus vermeintlich hoffnungslosen Märkten: Gerade erst sei der Spielzeugmarkt in Spanien um 25 Prozent eingebrochen. Lego aber ist um 17 Prozent gewachsen, vermeldet Engehausen.

Neuer Rekord in der Schweiz

Für die Schweiz rechnet man ebenfalls mit einem neuen Rekord: «Wir gehen von einem Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich aus», verrät Sprecherin Katharina Sutch im Gespräch mit 20 Minuten Online. Lego macht 60 Prozent des jährlichen Umsatzes in der Vorweihnachtszeit.

Woher rührt der Erfolg? Erster Retter in der Not war die von vielen Lego-Fans als nicht typisch kritisierte Roboter-Serie Bionicle, die besonders in den USA reissenden Absatz fand.

Den ganz grossen Jackpot knackte Lego aber mit der Lizenz zum Verkauf von Bausätzen mit dem Thema «Krieg der Sterne». Dass Star-Wars-Schöpfer George Lucas sein Werk an den Disney-Konzern verkauft hat, hat in Dänemark Jubel ausgelöst. Denn die angekündigten drei neuen Filme bis 2018 versprechen wieder grosses Interesse an den Lego-Padawans und Todessternen.

Mädchen-Lego finden reissenden Absatz

Seit neustem richtig eingeschlagen hat auch die Mädchen-Serie «Friends». Sie verkauft sich derzeit so gut, dass die Spritzgussmaschinen in Dänemark, Tschechien und Ungarn mit der Produktion kaum nachkommen: «Es kann Engpässe geben, dabei haben wir schon mehr als das Doppelte an den Handel geliefert, als geplant war», sagt Engehausen zur DPA. «Die Nachfrage nach den «Friends»-Bausätzen haben unsere Erwartungen auch in der Schweiz um ein Vielfaches übertroffen», bestätigt Sutch.

Dem erfolgsverwöhnten Lego-Konzernchef Jørgen Vig Kundstorp fehlt es denn auch nicht am Selbstbewusstsein: «Lego ist einzigartig. In der eigenen Branche kann man unsere Position mit der von Apple in deren vergleichen», sagte er kürzlich der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Damit der steile Aufstieg von Lego weitergeht, will er in etwa fünf Jahren die riesigen, noch weitgehend unbeackerten Märkte Asiens durch neue Fabriken vor Ort beliefern.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Globi am 26.11.2012 12:34 Report Diesen Beitrag melden

    LEGO

    Mindstorms :D frage: ein Projekt von mir ist der Bau eines Hydraulikbaggers oder änliches denn man per Smartphone vernsteuern kann. dazu muss ich eine vollautomatische luftpumpe bauen... hat jemand schon einmal etwas änliches gebaut??

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  • carmen diaz am 26.11.2012 11:53 Report Diesen Beitrag melden

    früher war lego einfach nur lego...

    ...jetzt muss man schon krampfhaft nach vergleichen aus der computerbranche suchen und sich das "apple" der spielzeuge nennen. schauen die bauwerke dann auch so aus wie auf den apple maps? lego waren niemals out, auch die computerspiele waren nicht am absatzmangel schuld. lego haben aber tatsächlich etwas gemeinsam mit apple und das ist der preis. eine duplo ritterburg kostet fr. 160.- ! knight kingdom ritterburg je nach ausführung zwischen 200.- und 300.-. das ist eine bodenlose frechheit für ein paar plastikbausteine. zum glück gibts jetzt erste billigere alternativanbieter wie QUIX...

  • Stefan O. am 26.11.2012 12:06 Report Diesen Beitrag melden

    Super, find ich toll :)

    Auf jeden Fall eines der besten Spielzeuge für Kinder - und ich freu mich auch jedes mal, wenn ich dem kleinen Cousin was zusammenbauen darf. Fördert zudem noch unterbewusst das Denkvermögen und räumliche Vorstellungsvermögen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jolly Rog am 26.11.2012 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    tja...

    Mh, das Lieblingsspielzeug aus meiner Kindheit - leider wurde mit den vorgefertigten Bausätzen viel vom Reiz genommen - da man nicht mehr so kreativ sein kann wie früher...

  • Aline Koch am 26.11.2012 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Lego

    Ist wirklich was Tolles, wir haben Kistenweise von der Grossen. Und unser Nachzüglerli hat Duplos und baut schon die tollsten Sachen mit etwas Unterstützung. Ist so oder so viel schöner als irgendwelche Game-Konsolen oder Fernsehen, und man macht etwas zusammen. Da aber Mama oder Papa dann halt mal helfen oder motivieren müssen, ziehen leider viele Eltern elektronische Spiele vor. Schade um die Kinder!!!!

  • Adrian Müller am 26.11.2012 13:46 Report Diesen Beitrag melden

    Furbies?

    Wo sind die Furbies in der oben aufgeführten Liste. XD

  • Peter M. am 26.11.2012 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    Schon immer das Beste

    Die besten Zeiten waren doch damals als Kind , den riesigen Lego Eimer auskippen und dann ans Teile-wühlen! Wenns "aufräumen" hiess, wurde mit einer grossen Platte einfach eine Schneise zum Laufen in den Teileberg geschoben.

  • Mr Legoan am 26.11.2012 13:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ikea

    Hilft auch beim Aufbau Ikea-Möbel, Lego ist genial!