Im Sinkflug

17. Mai 2013 11:40; Akt: 17.05.2013 20:42 Print

Massenentlassung bei RapidShare

von Sven Zaugg / Daniel Schurter - Beim Zuger Internetdienstleister RapidShare haben 45 der insgesamt 60 Mitarbeiter die Kündigung erhalten. Steht der Filehoster vor dem Aus?

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Baar: Hauptsitz des Zuger Filehosters Rapidshare.

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Aderlass beim Filehoster RapidShare: Der Zuger Internetdienstleister entlässt 45 seiner 60 Mitarbeiter. Laut einer gut unterrichteten Quelle kommt die Massenentlassung nicht aus heiterem Himmel: Die Geschäfte liefen schlecht, sagt ein Informant im Gespräch mit 20 Minuten. «Die Mitarbeiter selber, egal, wen man fragt, glauben nicht an ein Überleben der Firma.» Die Angestellten fühlten sich «verarscht», sagt der Informant, da RapidShare erst im Dezember 2012 das Versprechen gegeben habe, die Arbeitsplätze seien bis 2013 sicher.

Die Arbeitsplätze würden nicht sofort geräumt: «Jeder Mitarbeiter hat seine individuellen Kündigungsfristen einzuhalten», sagt der Informant. In höchstem Mass irritierend sei, dass erst vor wenigen Wochen noch neue Mitarbeiter aus dem Ausland angestellt worden seien. Diese Mitarbeiter hätten lediglich eine Kündigungsfrist von sieben Tagen.

Auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt CEO Kurt Sidler die Massenentlassung. Steht der Zuger Filehoster vor dem Aus? «Nein», antwortet Sidler, «die Lage ist zwar unbestreitbar so, dass wir Kosten senken und uns leider von etlichen Mitarbeitern trennen müssen. RapidShare wird den Betrieb aber aufrechterhalten und hat konkrete Pläne für die Zukunft.»

Ende letzten Jahres bereits habe der damalige CEO Alexandra Zwingli ein «striktes Sparprogramm» angekündigt, so der Informant. Die Firma sollte neu ausgerichtet werden. Dafür holte RapidShare den Ex-Chef des Business-Softwareherstellers Sage, Kurt Sidler, in die Geschäftsleitung. Sidler, der in der Vergangenheit den KMU-Bereich des Softwareherstellers SAP leitete, wurde mit dem Aufbau des Business-to-Business-Bereichs betraut.

Ehemals weltgrösster Filehoster

RapidShare hat sich auf die Speicherung und den einfachen Austausch von Dateien über das Internet spezialisiert. Die Finanzierung erfolgt durch kostenpflichtige «Premium»-Zugänge. Das heisst, die Kunden müssen bezahlen, um den Service ohne Drosselung der Übertragungsgeschwindigkeit oder andere Einschränkungen nutzen zu können.

Das Geschäftsmodell wurde immer wieder angepasst, um auch auf den wachsenden Druck der Unterhaltungsindustrie zu reagieren. Den US-Multis war RapidShare schon immer ein Dorn im Auge. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Gerichtsverfahren geführt. Insbesondere in Deutschland versuchte die Film- und Musikindustrie die angebliche Verbreitung von illegalen Kopien zu bekämpfen. Die RapidShare-Verantwortlichen beteuerten stets, entschieden gegen Raubkopierer vorzugehen.

In den USA betrieb die Firma massives Lobbying, um das eigene Geschäftsmodell zu verteidigen. Allein 2011 wurde laut Medienberichten eine halbe Million Dollar ausgegeben. Zum Vergleich: Im gleichen Jahr gab die Grossbank UBS in den USA rund 600'000 Dollar aus für Lobbying.

2008 war RapidShare gemäss eigenen Angaben der weltweit grösste Filehoster. Wegen verschiedener Massnahmen zur Eindämmung des umstrittenen Filesharings sank die Plattform in der Gunst der privaten Internet-Nutzer. Nach der Stilllegung von MegaUpload im Januar 2012 gab es nochmals einen Aufschwung. Doch nun befinden sich die Nutzungszahlen offenbar massiv im Sinkflug. Laut dem Webseiten-Analysedienst Alexia liegt rapidshare.com derzeit nur noch auf Rang 596 aller weltweit gemessenen Websites. Bei den Besucherzahlen war in den letzten drei Monaten ein Rückgang um fast 50 Prozent zu verzeichnen.

Umtriebiger Firmengründer

Firmengründer ist der Deutsche Christian Schmid (32), der 2004 rapidshare.de ins Leben rief. 2006 zog der umtriebige Geschäftsmann in die Schweiz und gründete die RapidShare AG, die von Mitinvestoren getragen wird. 2010 wurde die deutsche Domain rapidshare.de eingestellt, um sich ganz auf rapidshare.com zu konzentrieren.

Zuletzt geriet Schmid wegen des Kaufs einer Multimillionen-Villa in Vitznau am Vierwaldstättersee in die Schlagzeilen. Die ehemalige Besitzerin, die Gewerkschaft Unia, hatte ihm das stattliche Anwesen nicht abtreten wollen. Ein anderer Käufer kam zum Zug – und verkaufte die Villa wenige Monate später an den RapidShare-Gründer. Platznot kenne der Internetmillionär kaum, berichtete die «Handelszeitung». Schmid habe sich in Küssnacht am Rigi eine Villa im futuristischen Stil bauen lassen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Premium am 18.05.2013 14:02 Report Diesen Beitrag melden

    Rapidshare -> UBS

    Wir sehen, was die USA mit Deutschland & Co anrichten können. Das passiert im Moment mit der UBS auch. Sie kann sich zwar noch etwas auf den Beinen halten, aber nicht mehr lange, denn das Ziel besteht längst nicht mehr um Gerechtigkeit sondern um den Untergang eines Unternehmens, wie in diesem Fall eben Rapidshare. Ich war stolzer Kunde von RS, aber leider musste ich eine Alternative suchen, nachdem das Vertrauen durch USA zertrümmert wurde.

  • Souichi Sugano am 17.05.2013 21:30 Report Diesen Beitrag melden

    Es war nur ein Filehoster mehr nicht...

    Es ist genauso wie mit den Bankkonten im Ausland, jeder ist selbst Verantwortlich ueber die korrekte Deklarierung beim eigenen Finanzamt. Jeder die Daten hochlaed, muss Verantwortung ueber diese Uebernehmen, so einfach. Aber Nein, die lieben Anwaelte und Gesetzes macher sehen das ganz anderst... Dann muesst Ihr auch alle Cloud Dienste, bei dem man Daten hoch, und wieder Runterladen kann ebenfalls bekaempfen. Klar, wird nie passieren...

  • Martin A. Huber am 17.05.2013 16:26 Report Diesen Beitrag melden

    Recht so!

    Als langjähriger RS-Kunde fühlte ich mich von diesem Laden mehrmals ziemlich verarscht und abgezockt. Recht so, wenn solche Läden, die aus Kreisen, von denen man genauestens weiss, welche Art von Daten sie teilen, Jahresgebühren einnehmen, um ihnen anschliessend den Hahn zuzudrehen, schnellstens von der Bildfläche verschwinden. Pech für die Mitarbeitenden, auf Kundenseite hatten einige 10'000 Pech ...

  • Müller Hans am 17.05.2013 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt doch

    Nun evtl hat es da ja ein Fehler wenn sie im Dez 2012 gesagt haben bis 2013 sein die Stellen sicher da wäre das ein Monat und das war ja richtig. Sie waren sogar fast bis Mitte 2013 sicher also haben die von der Geschäftsleitung nicht gelogen

  • Thomas Egli am 17.05.2013 13:03 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld!!!

    Ich war jahrelang Kunde bei Rapidshare, aber die haben sich mit ihren letzten "Updates" sowas von selber in's Fleisch geschnitten, und das sowas nun mal nicht spurlos an den Kunden vorbeigeht, bezeugt dieser Artikel. Ich bin ehrlich gesagt sehr verwundert, dass diese drastischen Massnahmen nicht schon früher stattgefunden haben. Für die Mitarbeiter tut mir dies wirklich leid. Für die Firma aber ganz und gar nicht. Mein Rapidshare Premiumkonto wurde schon eine ganze Weile nicht mehr "erneuert". Die Konkurrenz ist um einiges grösser wie von Rapidshare angenommen. Wird wohl Zeit das einzusehen!!!