Solarindustrie

21. November 2012 07:14; Akt: 21.11.2012 13:29 Print

Meyer Burger baut erneut 270 Stellen ab

Der Industriekonzern Meyer Burger muss der kriselnden Solarsparte erneut Tribut zollen. 270 Stellen werden abgebaut, 50 davon im Ausland. Die Aktie stürtzte ab.

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Der von der Krise der Solarindustrie arg gebeutelte Industriekonzern Meyer Burger baut weitere 270 Stellen ab. Eine zusätzliche Anpassung der Produktionskapazitäten sei aufgrund der Marktsituation unerlässlich, schrieb Meyer Burger am Mittwoch in einem Communiqué.

Eine erste Restruktierungswelle hat Meyer Burger bereits im Frühling eingeläutet. Seither ist fast jede fünfte Stelle des Unternehmens gestrichen worden. Momentan beschäftigt Meyer Burger nach eigenen Angaben umgerechnet auf Vollzeitstellen insgesamt 2272 Mitarbeiter. Künftig sollen es nur noch 2000 sein.

Von den rund 270 Stellen, die nun gestrichen werden, fallen 50 bei der deutschen Tochter Roth und Rau weg. Welche anderen Konzernbereiche vom Abbau betroffen sind und wo Stellen wegfallen, kann gemäss Meyer Burger zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt gegeben werden.

Ziel des Personalabbaus ist eine Reduktion der laufenden Kosten um jährlich 30 Mio. Franken. Seit Jahresbeginn führte Meyer Burger den Vertrieb zusammen, vereinfachte die Organisation und restrukturierte die Produktion.

Prognose erneut gesenkt

Für 2012 kündigte Meyer vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Verlust von 20 bis 40 Mio. Fr. an. Grund dafür ist neben den Restrukturierungskosten auch der geringere Umsatz. Dieser dürfte nur leicht über 600 Mio. Fr. liegen. Künftig will Meyer Burger auf dieser Umsatzbasis wieder ein ausgeglichenes Ebitda- Ergenbnis ausweisen.

Der Hersteller von Spezialsägen für Siliziumblöcke und Maschinen zur Solarpanel-Produktion hatte bereits im Juli die Prognosen heruntergeschraubt und einen Umsatz im unteren Bereich der angepeilten 600 bis 800 Mio. Fr. angekündigt. 2011 hatte Meyer Burger einen Umsatz von 1,3 Mrd. Fr. und ein Ebitda von 278 Mio. Fr. erzielt.

Ungeachtet der schwierigen Branchensituation sieht das Unternehmen positive Perspektiven. Meyer Burger treibe seine Bemühungen um technische Führerschaft voran. Projektgespräche mit Kunden in Asien, Südamerika, im arabischen Raum und Afrika bekräftigten die Firma darin, hiess es weiter. Wann daraus allerdings Aufträge resultieren, sei schwierig zu beurteilen: «Die Visibilität des gesamten Marktes bleibt begrenzt.»

Aktie bricht ein

Die Anleger reagierten negativ auf die Mittelungen der Firma. Die Aktie brach bis am frühen Nachmittag um 7,4 Prozent ein und notierte bei 6,23 Franken. Die Meyer-Burger-Papiere verloren im laufenden Jahr mehr als die Hälfte ihres Werts und lagen damit so tief, wie seit sechs Jahren nicht mehr

Analysten zufolge stellt sich die Frage nach der Liquidität, um die Krise durchzustehen; es könnte daher eine Kapitalerhöhung erforderlich werden.

Die angekündigten Restrukturierungsmassnahmen dürfte von den Investoren als positives Signal aufgefasst werden, urteilte die Bank Notenstein mit Blick auf den weggeschmolzenen Aktienkurs. Eine Erholung des Marktes scheine aber noch in weiter Ferne zu sein.

Daher stelle sich die Frage nach der Liquidität von Meyer Burger, hiess es bei der Bank Vontobel. Diese dürfte bis Ende 2013 sehr stark einbrechen, denn auf der Basis der neuen Prognose für das laufende Geschäftsjahr lasse sich ein Nettoverlust von 80 bis 90 Mio. Fr. erahnen.

So könnten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten Kapitalerhöhungen erforderlich sein. Die gleiche Befürchtung hegt die UBS.

Die Verwerfungen in der Solarindustrie, ausgelöst durch die Schuldenkrise und den Wegfall von Subventionen, Überkapazitäten und dem damit einhergehender Preiszerfall für Solarmodule, macht Meyer Burger schon länger zu schaffen. Abhilfe könnte eine Konsolidierung unter den Solarzulieferern schaffen, diese ist aber nicht absehbar.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Giussi am 21.11.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nun was mit Cleantech auf uns zu

    Das sind jetzt die versprochenen vielen Arbeitsstellen die uns die Alternativenergie - Lobby versprochen hat.

  • BeBa am 21.11.2012 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdiges Kader

    Vor ca. zwei oder drei Jahren wurde diese Firma wegen der erneuerbaren Energien (Solartechnik)in den Himmel gepriesen! Irgendwie verstehe ich die ganze Sache nicht!Was sind da für Führungskräfte in der obern Etage.Innert kurzen Zeit werden so vieleArbeitsstellen abgebaut.Warum hat man die Firma so ausgebaut und längerfristige Aufträge nicht besser organisiertViele stehen nun vor dem NICHTS!Hoffnungen sind zerstört! DieAktionäre haben in erneuerbareEnergien investiert und sind nun auch die geprellten!So einKader ist wirklich fragwürdig! Den auf die Strasse gestellten wünsche ich alles Gute!

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  • Peschä am 21.11.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es dämmert

    Die Krise der Solarbranche kommt womöglich daher, dass es immer mehr Menschen dämmert, dass Photovoltaik in unserer Region keine zuverlässige Stromquelle ist. Die wetter- und saisonabhängigen Schwankungen sind einfach zu gross.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Giussi am 21.11.2012 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nun was mit Cleantech auf uns zu

    Das sind jetzt die versprochenen vielen Arbeitsstellen die uns die Alternativenergie - Lobby versprochen hat.

  • Peschä am 21.11.2012 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Es dämmert

    Die Krise der Solarbranche kommt womöglich daher, dass es immer mehr Menschen dämmert, dass Photovoltaik in unserer Region keine zuverlässige Stromquelle ist. Die wetter- und saisonabhängigen Schwankungen sind einfach zu gross.

    • Papierlischweizer am 21.11.2012 11:40 Report Diesen Beitrag melden

      ...und dann wirds Tag oder Nacht.

      Ihr Kommentar rührt womöglich daher, dass Sie die Gründe für die Krise der Solarbranche im zweitletzten Absatz schlicht überlesen oder ignoriert haben. Solarenergie wird sicher in naher Zukunft keiner der Hauptenergielieferanten werden, aber eine wertvolle Ergänzung zur Energiewende, zusammen mit der Nutzung von Windenergie, Solarthermie und Biomasse. Wussten Sie übrigens, dass auch AKW saisonbedingten Produktionsschwankungen unterliegen? Dann nämlich, wenn sich im Sommer das für die Kühlung notwendige Wasser erwärmt und die Flüsse Niedrigwasser führen.

    • Stefan am 21.11.2012 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      dämmerts...

      Meyer Burger ist weltweit tätig, somit ist die Schweiz da nicht ausschlaggebend

    • nöggi am 21.11.2012 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      im Kühlschrank

      Aha, bei Peschä wird Strom von der Steckdose produziert und das Licht kommt aus dem Kühlschrank!

    • Domus Solaris am 21.11.2012 13:01 Report Diesen Beitrag melden

      falsche Strategie

      Meines Wissens hat die Firma nach der an und für sich rentablen Produktion von Solarelementen, eigens mit der Produktion & Vermarktung von Maschinen zur Herstellung von Solar & PV-Elementen begonnen und diese in Länder wie China geliefert. Was dann passiert, scheint offensichtlich: die Chinesen kopieren, bauen nach und produzieren dann Solar-elemente zu massiv günstigeren Preisen. Vermarktung des Herzstücks einer Firma war noch nie eine gute Strategie...

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  • BeBa am 21.11.2012 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdiges Kader

    Vor ca. zwei oder drei Jahren wurde diese Firma wegen der erneuerbaren Energien (Solartechnik)in den Himmel gepriesen! Irgendwie verstehe ich die ganze Sache nicht!Was sind da für Führungskräfte in der obern Etage.Innert kurzen Zeit werden so vieleArbeitsstellen abgebaut.Warum hat man die Firma so ausgebaut und längerfristige Aufträge nicht besser organisiertViele stehen nun vor dem NICHTS!Hoffnungen sind zerstört! DieAktionäre haben in erneuerbareEnergien investiert und sind nun auch die geprellten!So einKader ist wirklich fragwürdig! Den auf die Strasse gestellten wünsche ich alles Gute!

    • Stefan Rebsamen am 21.11.2012 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht so einfach

      Das Problem ist, dass es in der Branche keine langfristigen Aufträge gibt. Vor zwei Jahren gab es keine andere Wahl, als zu liefern oder die Aufträge der Konkurrenz zu überlassen. Darum wurden sehr viel der Spitzen mittels temporären Arbeitskräften bewältigt. Dass die Kunden dermasen Überkapazitäten aufgebaut haben, ist nicht wirklich die Schuld von MB.

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