«Hohe Zahlungsbereitschaft»

25. April 2017 17:27; Akt: 25.04.2017 21:53 Print

Millennials wollen in teure City-Wohnungen

von V. Blank - Trotz hoher Mieten pilgern die unter 35-Jährigen in die Städte. Um das bezahlen zu können, bilden sie WGs. Die Wohnungen müssen dafür aber einiges bieten.

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Stadtwohnungen sind teuer: In Zürich kostet eine 85-Quadratmeter-Wohnung derzeit 2230 Franken (Median), in Genf sogar 2520 Franken. In Basel müssen Mieter 1630 Franken für eine Wohnung dieser Grösse berappen. Die hohen Mieten schrecken junge Schweizer aber nicht davon ab, in die Städte zu ziehen. Im Gegenteil: Die Grosszentren scheinen auf die 20- bis 34-Jährigen «eine magnetische Wirkung» zu haben, schreibt die Beratungsfirma Wüest Partner in ihrem neusten Immo-Monitoring.

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«Während langer Zeit war eine Dezentralisierung zu beobachten», sagt Studienautor Patrick Schnorf zu 20 Minuten. Noch bis zur Volkszählung im Jahr 2000 habe der Trend in Richtung Alterung der Städte gezeigt. «Doch jetzt kommen die jungen Menschen in die Zentren zurück», so Schnorf. Beliebt seien vor allem Zürich, Basel und Genf.

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Junge zahlen 10 Prozent mehr

Diese Tendenz sei mit Blick auf die hohen Wohnungsmieten in den Schweizer Städten «bemerkenswert», so Schnorf. Und: Die Zahlungsbereitschaft der jungen Generation sei sogar besonders gross. Die bezahlten Mieten bei den unter 35-Jährigen in den Klein-, Mittel- und Grosszentren sind zwischen 2010 und 2014 durchschnittlich um 10 Prozent gestiegen. Bei den anderen Altersklassen waren es nur 4 Prozent.

Im Jahr 2010 betrugen die Netto-Mietkosten von 20- bis 34-Jährigen, die nach Zürich zogen, gemäss Wüest Partner 1400 Franken (Median). Vier Jahre später waren es schon 1600 Franken. In Basel zeigt sich ein Sprung von 1190 auf 1300 Franken innert vier Jahren, in Genf von 1300 auf 1420 Franken. Bei diesen Zahlen handelt es sich um Nettomieten gemäss allen laufenden Mietverträgen – also auch solchen, die vor längerer Zeit abgeschlossen wurden. «Bei neuen Mietabschlüssen wird de facto teilweise noch deutlich mehr bezahlt», erklärt Schnorf.

Hohe Kosten, viel Luxus

Um die Mietkosten finanzieren zu können, greifen die jungen Schweizer auf ein altbewährtes Mittel zurück: «Sie bilden grössere Haushalte – sprich Wohngemeinschaften –, um die finanzielle Mehrbelastung zumindest teilweise kompensieren zu können.»

Dabei scheint die simple WG, die nur zum Schlafen und Duschen reichen muss, definitiv ausgedient zu haben. «Da die jungen Mieter heute viel mehr für die Wohnung ausgeben als früher, gilt der Grundsatz: Je grösser der Haushalt, in den man einzieht, desto mehr muss die Wohnung im Gegenzug bieten.»

Kampf um Mieter verschärft sich

Generell hat sich die Schweiz von einem Vermieter- zu einem Mietermarkt gewandelt, wie es im Monitoring weiter heisst. Der Kampf um Mieter sei härter geworden. Das liegt hauptsächlich an der anhaltend hohen Neubautätigkeit, während das Bevölkerungswachstum stagniert. Wegen dieser Faktoren könnte der Mietwohnungsmarkt aus den Fugen zu geraten, schreibt Wüest Partner. Auch die Anzahl leerer Wohnungen dürfte in einigen Teilen der Schweiz nochmals steigen.

Zumindest aus Mietersicht sind das gute Nachrichten: Seit dem Höchststand Mitte 2015 sind die Mieten bei den ausgeschriebenen Wohnungen um 1,8 Prozent gesunken (Stand Ende 2016). Auch dieses Jahr dürften die Mietzinsen weiter sinken (siehe Box).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • THINK am 25.04.2017 17:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hurra .. Sinkende Mieten

    Aber ob das der Realität entspricht ? Wenn man Luxuswohnungen miteinbezieht welche eben vorher 6000 Franken und nun 5000 Franken kosten , sinken im Schnitt insgesamt gesehen möglicherweise die Mieten. Aber stark nachgefragte Wohnungen im bezahlbaren Segment werden wohl kaum billiger geworden sein. Zumindest ist dies meine Wahrnehmung der Sachlage.

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  • Hunne am 25.04.2017 17:50 Report Diesen Beitrag melden

    Statussymbole

    Tja, Statussymbole sind heute halt leider mehr als in. Schicke Karre, Luxuswohnung/-haus, teure Klamotten, neustes Handy...aber von Zwischenmenschlichkeit keine Ahnung.

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  • Srdjan am 25.04.2017 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Ach mein Provinznest

    Ich würde nie in einer der grossen Städte. Miete, Krankenkasse,... alles viel zu teuer. Ich lebe gerne in meiner "Kleinstadt". Alles da was es braucht und nicht irgendwelche Hipster die die Mieten hochtreiben. Herrlich! Ich bin übrigens 23.

Die neusten Leser-Kommentare

  • mags frisch am 25.04.2017 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Sagenhaft, um 1,8% gesunken. Das wäre dann nicht mehr 6000.- sondern nur noch 5892.-/Mt. Ich kanns kaum fassen.

  • Ein Leser am 25.04.2017 22:48 Report Diesen Beitrag melden

    Na dann gute Nacht

    Wir sprechen hier von Mieten, wenn ich mir vorstelle man kauft sich eine Eigentumswohng. Und hat lärmende Studenten im Haus, keine Parkplätze, keinen Terassenplatz, keine eigene Waschküche. Da stehen mir die Haare zu berge. Ich wohne in einem Mehrfamilienhaus mit 2 Gewerbe und 1 Familie + wir. Auch wenn wir nur so wenig sind hatten wir schon Probleme vorallem das Thema Parkplatz, das war ein Knackpunkt. Ich will gar nicht wissen wie es in einem Mehrfamilienhaus mit 10 Wohnungen zu und her geht.

  • Stefan am 25.04.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Realitätsverdrehung

    Zu Zeit unserer Eltern baute man mit 30 sein Einfamilienhaus und bezahlte dieses mit einem normalen Durchschnittslohn. Was macht man also, wenn man die Tatsache, dass unsere Generation gegenüber der Letzen enorm an Wohlstand verloren hat, nicht wahrhaben oder leugnen will? Man erklärt einfach kleine 3-Zimmerwohnugen, für deren Bezahlung mittlerweile mehrere volle Löhne notwendig sind, zum Luxusgut. Und voila: aus der verarmten Generation ohne Eigentum werden trendige Luxusmieter in nur einem Artikel! Fabelhaft.

  • Chreischeib am 25.04.2017 21:51 Report Diesen Beitrag melden

    Die Hipster wollen eben nach ZH Stadt

    Bin momentan vorübergehend in einer knapp 3500.- Wohnung. Superschön und sehr zentral nur sind in vielen der anderen Wohnungen Studenten drin. Die wohnen dann zu 4, 5 in einer 3.5 oder 4 Zi Wohnung. Im Sommer Ruhe = 0. Zudem ziehen immer mehr Paare in 2.5 Zimmer Wohnungen weil sie sich 3.5 Zi. nicht leisten können und konkurrieren so mit Einzelpersonen. Für die bleiben dann noch 1.5 Zi oder Fantasieburgen.

  • Der Unbeliebte am 25.04.2017 21:48 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklung der Geselschaft

    Ist leider so, wen Jemand als Mensch nicht punkten kann, dann muss Sie oder Er mit materielen Dingen seine Mitmenschen erobern.

    • THINK am 25.04.2017 21:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Der Unbeliebte

      Oder auch: Es zählen oftmals nur noch materielle Dinge bzw. Geld als oberste Priorität. Genauso wie übertriebene Selbstdarstellung (Der Selfi Wahn ist ein gutes Beispiel dafür) was rein gar nichts mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu tun hat.

    • Ein Leser am 25.04.2017 22:41 Report Diesen Beitrag melden

      Das ist so

      @Der Unbeliebte Und meist klappt das auch sehr gut. Man sagt ja Geld regiert die Welt. Bei den Stadtmenschen muss man schon mit einem Lambo angeben, das diese einem überhaupt anschauen. Da sind die Leute auf dem Land schon bescheidener.

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