Zweitreichster Schweizer

30. November 2012 17:21; Akt: 01.12.2012 15:18 Print

Milliardär – dank Bier und Burgern

von Sandro Spaeth - Was Jorge Lemann anfasst, wird zu Gold. Der Nachkomme eines nach Brasilien ausgewanderten Käsehändlers ist zum zweitreichsten Schweizer aufgestiegen. Diskretion ist sein oberstes Gebot.

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Der Brasilen–Schweizer Jorge Paulo Lemann ist der grosse Aufsteiger im Ranking der 300 reichsten Schweizer. Sein Geld hat der heute 72-Jährige mit einer eigenen Bank und grossen Investment in der Bierbranche verdient. Mehr über den Vermögenszuwachs der Reichen erfahren Sie auf den folgenden Bildern. Ingvar Kamprad hat um 3 Milliarden zugelegt. Sein Vermögen beträgt nun geschätzte 38 bis 39 Mrd. Franken. Der Sohn eines nach Brasilien ausgewanderten Käsehändlers aus dem Emmental verdient sein Geld mit Beteiligungen; allen voran beim Brauereikonzern Anheuser-Busch InBev. Sein Vermögen ist im letzten Jahr um unglaubliche 9 Milliarden auf 17 bis 18 Milliarden angewachsen. Damit ist Lemann der grösste Aufsteiger. Die Nachkommen der Roche-Gründer haben ein geschätztes Vermögen von 16 bis 17 Milliarden Franken. Das sind 3 Milliarden mehr als im Vorjahr. Im Bild: Gigi Oeri. Der russische Investor und Unternehmer hat wieder mehr Geld. Sein Vermögen ist um 4 Milliarden auf 14 bis 15 Milliarden angewachsen. Die niederländische Grossfamilie besitzt unter anderem die Modehauskette C&A und wie im Vorjahr ein Vermögen von 12 bis 13 Milliarden Franken. Wie im Vorjahr beträgt das Vermögen des italienisch-schweizerischen Unternehmers 10 bis 11 Milliarden Franken. Auch der Medizinaltechnikunternehmer bleibt bei 9-10 Milliarden. Das Staatsoberhaupt Liechtensteins investiert in Banken, Immobilien und Kunst. Sein Imperium ist 7 bis 8 Milliarden Franken wert; also 1 Milliarde mehr als im Vorjahr. Damit hat er sich in die Top Ten katapultiert. Das Vermögen des Mitbegründer des Rohstoffhändlers Gunvor hat im letzten Jahr um 3 Milliarden zugenommen. Das Vermögen des gebürtigen Russen mit Schweizer Pass wird auf 7-8 Milliarden Franken geschätzt. Die Alleinerbin des niederländischen Unternehmers und Bierbrauers Alfred Heineken besitzt 2012 ein geschätztes Vermögen von 6-7 Milliarden. Der fühere Glencore-Chef besass wesentlich weniger Glencore-Aktien als angenommen. Deshalb wird sein Vermögen 2012 auf 1.5 bis 2 Milliarden geschätzt. Auch das Vermögen des gegenwärtigen Glencorechefs hat abgenommen. Er verspielte laut «Bilanz» über eine Milliarde an der Börse und besitzt nun noch 5 bis 6 Milliarden. Die Erben des griechischen Reeders, Unternehmers und Investors haben auch dieses Jahr wieder Geld verloren: Sie besitzen jetzt eine Milliarde weniger als 2011; nämlich 2 bis 3 Milliarden Franken. Der Formel-1-Boss verliert ebenfalls 1 Milliarde. Schuld daran ist der Schmiergeldprozess gegen seinen Ex-Geschäftspartner und die Schadenersatzforderung von über 400 Millionen. Deshalb besitzt er 2012 nur noch 2 bis 3 Milliarden. Trotz FC Sion-Chaos ist er bei den 300 reichsten Schweizer mit dabei. Sein Vermögen von geschätzten 200 bis 300 Millionen hat er hauptsächlich durch Immobielenprojekte erwirtschaftet. Das Vermögen der Famile des SVP-Strategen Christoph Blocher hat um 1 Milliarden zugelegt. Neu besitzen die Blochers zwischen 3 und 4 Milliarden Franken. Dahinter steckt hauptsächlich die EMS-Chemie. Der Sohn des Jet Aviation Gründers besitzt mit seiner Familie ein Vermögen von 1 bis 1,5 Milliarden Franken.

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Eigentlich müssten die Kinder von Jorge Paulo Lemann tot sein. Ende der Neunzigerjahre gerieten sie bei einem Entführungsversuch auf ihrem Schulweg in Brasilien in einen Kugelhagel. Getroffen wurde nur der Fahrer der gepanzerten Limousine. Grund für das Attentat war der enorme Reichtum der Familie.

Jorge Lemanns Vater – ein aus Langnau stammender Käsehändler – war vor Jahren nach Bahia im Nordosten Brasiliens ausgewandert. Das Attentat bewog Lemann, mit seiner Familie an den Zürichsee umzuziehen. Es heisst, anfänglich sei der Milliardär jeweils am Freitag zwischen São Paulo und der Schweiz gependelt – standesgemäss mit dem Privatjet.

Jorge Paulo Lemann ist der Aufsteiger im am Freitag publizierten Ranking der 300 reichsten Schweizer des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». Das Vermögen des Brasilien-Schweizers ist innerhalb eines Jahres um 9 auf 17 bis 18 Milliarden Franken gestiegen. Den gewaltigen Vermögenszuwachs verdankt der 73-Jährige seinen auf verschlungenen Pfaden gehaltenen Anteilen am Brauerei-Riesen Anheuser-Busch-InBev. Die Aktien schossen innert Jahresfrist zeitweise 80 Prozent nach oben.

Goldman Sachs als Vorbild

In Brasilien geniesst Lemann den Ruf eines «Midas». Alles, was er anfasst, wird zu Gold. Wie nur wenige hat er das Gespür, zum richtigen Zeitpunkt auf die Branchen mit den grossen Renditen zu setzen. Lemann studierte in Harvard Wirtschaft und stieg danach bei der Credit Suisse ein. Zehn Jahre später machte er sich selbständig und gründete Banco Garantia, die erste echte Investmentbank Brasiliens. Das Vorbild: die legendäre Goldman Sachs.

In der Welt der Manager gilt der grossgewachsene Lemann als einsilbig. Der Frühaufsteher höre mehr zu, als er spreche, schrieb der in Brasilien lebende Journalist Alexander Busch einst über den heutigen Multimilliardär. Selbst in den glorreichsten Zeiten seines Investmentbanker-Lebens hat Lemann Bescheidenheit vorgelebt und ist mit einem einfachen Gol, dem in Brasilien gefertigten Modell des Volkswagen Konzerns, zur Arbeit gefahren.

Später verkaufte Lemann seine Bank seinem Ex-Arbeitgeber Credit Suisse – allerdings nicht ganz freiwillig. Garantia war durch die Krise in Russland und Asien in Schieflage geraten. Dadurch liess sich Lemann aber nicht unterkriegen. Seinen Ehrgeiz hatte der Brasilien-Schweizer unter anderem im Sport entwickelt, denn Lemann wollte ursprünglich Tennis-Profi werden. Er wurde in den Sechzigerjahren fünffacher brasilianischer Meister und spielte sogar in Wimbledon. Bis ins hohe Alter soll Lemann täglich in den frühen Morgenstunden Tennis gespielt haben.

Lemann als Bierkönig

Das Geld aus dem Bankenverkauf investierte Lemann ins Brauerei-Geschäft und fädelte gemeinsam mit anderen reichen Partnern Milliardendeals ein. Der grösste Coup: Die Fusion des brasilianischen Bierkonzerns AmBev mit der belgischen InBev. Als InBev später die US-Brauerei Anheuser-Bush einsackte und daraus der weltweit grösste Brauereikonzern wurde, soll Lemann die Fäden gezogen haben – gemeinsam mit seinem Freund und Grossinvestor Warren Buffett. Noch heute sitzt Lemann im Verwaltungsrat von Anheuser-Bush-InBev.

«Anders als die Amerikaner, die nur in Technologie investieren wollten, expandierten die Brasilianer gerne in alte Branchen, wie Bier, Stahl und Zement», soll der 72-Jährige kürzlich bei einem seiner raren öffentlichen Auftritte gesagt haben. Gefallen findet der Investor aber auch an der Gastronomie. 2010 erkaufte er sich über seine Beteiligungsfirma 3G Capital das Sagen beim Fastfood-Riesen Burger King.

Stiftung für Studenten

Lemann dürfte seine prominente Erwähnung in der Reichen-Liste und das damit verbundene Aufsehen wenig Freude bereiten. Er tritt ausschliesslich in Zusammenhang mit seiner in Rapperswil domizilierten Bildungsstiftung auf, die brasilianischen Studenten Stipendien für US-Elite-Universitäten gewährt. Interviews gibt der Milliardär keine, denn Presse und Spenden-Galas für Schöne und Reiche – bei denen überall irgendwo ein Fotograf lauert – bedeuten Gefahr. So heisst es über Lemanns zweite Frau – eine ehemalige Lehrerin einer Schweizer Schule – dass aus Sicherheitsgründen keine Fotos von ihr abgedruckt werden dürfen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Nötig am 30.11.2012 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bier 

    Also ab jetzt investiere ich nur noch in Bier.

    • Hans B. am 01.12.2012 08:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bier 2.0

      Ich auch da ist das Geld am besten angelegt. Ich unterstütze lieber die Eichhof als die Schnorrer und Schwindler die jeden Tag vor der Tür stehen und einem "Güselversicherungen" und sonstigen Gerümpel andrehen wollen den keiner braucht.

    • Yeti Von Kilkenny am 01.12.2012 10:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Guter Investmen Tipp

      Mache ich schon länger....immerhin garantierte 5 % (je nach Sorte) Bruttorendite, doch schon eine im Promille Bereich liegende Nettorendite kann ganz schön berauschen sein. Der Fonds (äh Bauch) wächst auch stetig

    • Gordon Biero am 01.12.2012 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Investmentbank

      Ps: ich kenne da eine ganz gute Investmentbank! Hat ihre Wurzeln in Irland und vertreibt 1a Investmentprodukte. Mein favorisiertes Produkt: Kilkenny

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  • Rafael am 30.11.2012 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Platz 8

    Weshalb lebt das Staatsoberhaupt von FL in der Schweiz?

    • Standort-Marketer am 01.12.2012 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Weils ihm hier gefällt?

      wegen den schönen Bergen (an Steuereinsparungen) - es Lebe die Schweiz! Das Manhattan von Europa.

    • Hans Eber am 01.12.2012 10:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ganz einfache Antwort

      Weil es hier in der Schweiz einfach wunderschön ist ;-)

    • FLerin am 01.12.2012 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Felsa-Sepp

      falsch,er lebt in Vaduz,FL.

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  • André Gubelmann Brasilien am 30.11.2012 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Europa

    Als Milliardär würde ich nie in Brasilien leben,höchstens 1 Monat Urlaub.Den Rest würde ich in Europa und Karibik verbringen.

    • i Gangdalang am 01.12.2012 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Ou ja....

      oder nur in der Karibik...

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  • antonzum am 30.11.2012 18:43 Report Diesen Beitrag melden

    Bierkönig

    Heisst er nun Lehmann oder Lemann?

    • Diego Martins am 30.11.2012 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lemann 

      Er heisst Lemann - ohne H.

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  • Mani Aarau am 30.11.2012 18:30 Report Diesen Beitrag melden

    Steuerreform II

    Kein Problem mit Milliardären sollange die auch die Steuern zahlen ca. 18% wie alle, mit kleinem Einkommen. Leider ist es nicht so, es fehlen seit der Steuerreform II Milliarden in den Kassen AHV-IV ALV usw. Jetzt will man sparen bei den ärmsten. Man will die MwSt. erhöhen statt die ungerechte Reform abschaffen.

    • Freier Mensch am 30.11.2012 20:04 Report Diesen Beitrag melden

      Missverständnis

      Wenn eine AG Aktien zum Nennwert von CHF 100 zu CHF 300 verkauft und dann bis zu CHF 200 zurückbezahlt ist das doch kein steuerbares Einkommen sondern eine Rückzahlung. Das versteht 99% der Bevölkerung nicht.

    • Frankie am 30.11.2012 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stopp dem Sozialneid

      Voelliger Quatsch, die Steuerreform hat einen Teil von unsinnigen Doppel- und Dreifachbesteuerungen abgeschafft, die laengst ueberfaellig waren. Also denk mal ueber Leistung nach, anstatt im Sozialneid zu suhlen. Wer eine Firma mit hohem Risiko gruendet und Tausende Leute einstellt, gehoert gelobt, nicht gemobbt.

    • Sparschwein am 01.12.2012 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      korrekt

      bei den ärmsten wird leider schon zu lange gespart...in Indien, Pakistan, Bangladesh und wo unsere Produkte für den tollen Wohlstand sonst noch herkommen!

    • Mani Aarau am 02.12.2012 10:56 Report Diesen Beitrag melden

      Falsche antworten

      Die Antworten sind nicht richtig, man überlege, auch vor der Steuereform II wurden die Reichen reicher nun eben noch mehr. Das Proplem ist eben, dass die umverteilung sich bescheunigt und es dem Land an Gelder fehlt, die eben nun fehlen. Ich glaube man hat den Menschen schon zuviel Geld abgenommen, in der BVG und ALV sowie AHV, überall wird es weniger. Man Spart und das ist schlecht.

    • Supermario am 03.12.2012 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      Blödsinn

      Kleine Einkommen sind in der Schweiz nie und nimmer irgendwo mit 18% direkten Steuern belastet. Da sind die Sozialabzüge viel zu hoch als dass sich irgendwo solche Abzüge ergäben. Zur Erinnerung: Der Grenzsteuersatz sagt überhaupt nichts über die Gesamtbelastung aus!

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