960 U-Bahn-Waggons

02. März 2018 08:01; Akt: 02.03.2018 22:29 Print

Stadler Rail dementiert Milliarden-Deal im Iran

Sowohl der Iran als auch die Schweizer Botschaft in Teheran vermeldeten eine Zusammenarbeit beim Bau von 960 U-Bahn-Waggons.

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Das Thurgauer Unternehmen hat sich bis jetzt noch nicht zum Deal geäussert: Blick auf das Werk der Stadler Rail Group AG in Bussnang. (Bild: Keystone/EQ Images/Melanie Duchene)

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Deal oder kein Deal? Am Freitag hat lange Zeit grosse Verwirrung über einen iranischen Grossauftrag im U-Bahn-Bau geherrscht. Nun ist klar: Der Thurgauer Zughersteller Stadler Rail hat noch keinen Milliarden-Auftrag zugesprochen bekommen.

Teil des Kommunikationschaos war eine auf dem Kurznachrichtendienst Twitter auf Englisch verbreitete Information der Schweizer Botschaft im Iran vom Donnerstag. Übersetzt stand dort geschrieben: «Ein grosser Infrastruktur-Deal wurde unterschrieben. Ab Ende 2020 werden die Iraner Schweizer Metro-Züge geniessen.»

Der Tweet verwies auf einen Link der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna. Dort war auf Französisch von einem Vertrag zwischen Stadler Rail und der iranischen Organisation für industrielle Entwicklung (IDRO) zur Zusammenarbeit beim Bau von 960 U-Bahn-Waggons für den Iran zu lesen. Der Auftrag solle einen Umfang von umgerechnet rund 1,3 Milliarden Franken haben.

Mit Bezug auf diese Meldung, zwei Fotos einer Vertragsunterzeichnung vom Mittwoch aus dem Iran berichteten die Onlineausgabe der «Handelszeitung» und weitere Medien über den angeblichen Deal und den Vertrag. Auch die Nachrichtenagentur sda verbreitete die Information.

Nur eine Absichtserklärung

Erst am Freitagnachmittag kam allmählich Licht ins Dunkel. «Es wurde nur ein 'Letter of Intent' unterschrieben», sagte Marina Winder, Sprecherin von Stadler Rail, auf Anfrage der sda. Damit sei der bereits bestehende unverbindliche Absichtserklärung bestätigt und die Absicht bekräftigt worden, dass die Verhandlungen fortgesetzt würden.

Mehr war bei Stadler Rail nicht in Erfahrung zu bringen. Dem Vernehmen nach läuft die milliardenschwere Ausschreibung mit zahlreichen Bewerbern bereits seit Jahren.

«Nicht ganz präzis»

Auch die Delegierte des Bundesrats für Handelsverträge, Livia Leu, meldete sich am Nachmittag zu Wort. Der Begriff «Deal» im Tweet der Schweizer Botschaft im Iran sei vielleicht etwas zu breit gefasst gewesen und deshalb falsch verstanden worden, sagte sie der sda.

Leu stellte klar, dass für alle Beteiligten – darunter sie selbst – immer klar gewesen sei, dass es sich bei den Dokumenten um eine Absichtserklärung und keinen Vertragsabschluss handle.

Handel mit Iran stärken

Der «Letter of Intent» kam laut Leu am Rande des ersten Treffens der gemeinsamen Handelskommission zwischen der Schweiz und dem Iran zustande. Die Kommission soll künftig auf Regierungsebene und unter Einbezug von Vertretern der Privatwirtschaft Rahmenbedingungen, aber auch Probleme im Handel zwischen den beiden Ländern thematisieren.

Dabei gehe es nicht vorwiegend um die Interessen einzelner Unternehmen, sondern um die Umsetzung des im vergangenen Jahr ratifizierten Handelsvertrags zwischen der Schweiz und dem Iran.

Vor genau zwei Jahren hatte Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann den iranischen Präsidenten Hassan Rohani getroffen. Damals stellten die beiden in Teheran einen Fahrplan für die engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern vor.

(roy/sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas Schoch am 02.03.2018 04:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Wenn die dumme Schweiz Züge aus Kanada bestellt, muss man eben anderweitig tätig werden.

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  • Dosto am 02.03.2018 04:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schön

    Glückwunsch an den Iran!

  • Melchior am 02.03.2018 04:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ASU

    Iran/Persien eines der freundlichsten Völker unseres Planeten. Auch wenn der Mister Mc Do das Gegenteil posaunt haben die nie mit einem fremden Volk gestritten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • ÖZGÜR am 02.03.2018 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Was man für Geld nicht alles macht!

    Immer kritisch gegenüber dem nahen Osten. Aber wenn es um ein Projekt geht wo man einsacken kann, freut man sich natürlich sich für die Region einzusetzen. Wie mich das anekelt die Schweizerpolitik.

  • PP am 02.03.2018 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stadler

    Würde ich auch so machen wenn ich schon vom eigenen Land im Stich gelassen wird und schliesslich muss er auch Arbeit für seine Leute haben oder wäre es besser das wir noch mehr Arbeitslose in der Schweiz haben?

  • Mike am 02.03.2018 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Was irritiert ...

    bei der angeblichen Vertragsunterzeichnung war kein Vertreter des Herstellers (Stadler Rail) dabei. Die Verträge werden doch grundsätzlich vom Besteller (Zahlungsverpflichtung) und dem Hersteller (Lieferverpflichtung) abgeschlossen und unterzeichnet.

  • Thurgauer am 02.03.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Bombensicher

    Die Iraner sind gescheiter, sie kaufen keine kanadischen Pötäerli.

  • Kurt am 02.03.2018 09:21 Report Diesen Beitrag melden

    Schade ist es nicht so

    Auch Stadler muss sehen dass er Arbeit hat, wenn die SBB ihre Züge lieber bei Bombardier bestellt. Nur weil die USA die halbe Welt zum Feind hat müsse wir es ihnen nicht gleich tun. Schliesslich ist die Schweiz kein Kriegstreiber.

    • Respekt ist alles am 02.03.2018 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      aber die Haftung für das Geschäft trägt der Bund...

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