Schweinegrippe

20. April 2010 15:09; Akt: 20.04.2010 16:36 Print

Milliarden für Impfdosen verschleudertMilliarden für Impfdosen verschleudert

von Werner Grundlehner - Im Gesundheitswesen fehlt das Geld an allen Ecken und Enden. Trotzdem: Für die Schweinegrippe-Vorsorge wurden Milliarden ausgegeben. Die Pharmaindustrie freuts – die Steuerzahler weniger.

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Der neue Chef von Novartis, Joseph Jimenez, freut sich über das erfreuliche Resultat zum Jahresauftakt. Im ersten Quartal nahm der Reingewinn der Basler im Vergleich zur Vorjahresperiode um 49 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar zu und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Dazu trug auch der Verkauf von Schweinegrippe-Impfstoffen bei. In diesem Segment vervierfachten sich die Erlöse auf 1,1 Milliarden Dollar.

Riesenmargen für Pharma-Industrie

«Die globale Pharmaindustrie hat für die Entwicklung und Herstellung der Impfstoffe vier Milliarden Dollar ausgegeben und wohl 18 Milliarden weltweit verdient», sagt Medizinprofessor Ulrich Keil von der Universität Münster gegenüber stern.de.

Hamsterkäufe

Auch wenn man rückwirkend immer schlauer ist, fällt doch auf, wie die einzelnen Staaten Impfstoffe hamsterten. Das hochverschuldete Frankreich kaufte 90 Mio. Impfdosen zum Preis von mehr als einer Milliarde Euro. Nur 5 Millionen Franzosen haben sich aber impfen lassen. Die Schweiz hat 13 Millionen Dosen eingekauft. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) liessen sich hierzulande 1,3 Millionen Menschen gegen die Schweinegrippe impfen. Das entspreche der Zahl der jährlichen Impfungen gegen die saisonale Grippe. Als sich abzeichnete, dass sich der grösste Teil der Schweizer auch nicht einmal impfen liess (die erworbene Menge war für zwei Impfungen gerechnet), beschloss die Schweiz, sich der Schenkungsaktion von US-Präsident Obama anzuschliessen: 4,5 Millionen Dosen wurden an Drittländer verschenkt und preiswert verkauft – beispielsweise an den Iran.

Wir sind mitten in der Pandemie

Die Impfdosen haben jedoch einen grossen Nachteil: Sie laufen ab. Der Impfstoff Celtura von Novartis verfügt über eine Haltbarkeit von 6 Monaten. Ein Sprecher von Swissmedic weist darauf hin, dass ein Teil der weltweiten Impfstoffe bereits abgelaufen sei. Erstaunlich: Die Warnstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht auch heute auf Stufe sechs – dem höchstmöglichen Level – und soll noch zwei Jahre auf diesem Niveau verharren. Denn es besteht laut WHO die Möglichkeit, dass es zu einer gefährlichen Mutation des H1N1-Virus kommt. Als die Organisation die Pandemiewarnung auf Stufe sechs anhob, traten automatisch Verträge zwischen Regierungen und der Pharmaindustrie in Kraft. Die Impfkampagne konnte anlaufen.

«Der Bürger bewies Mündigkeit»

«Ich erachte den Umstand, dass sich so viele nicht impfen liessen, als Zeichen der Bürgermündigkeit», sagt Margrit Kessler von der Stiftung SPO Patientenschutz. Die Leute hätten sich informiert und festgestellt, dass die Schweinegrippe zwar ansteckend, aber nicht sehr gefährlich sei. Zudem seien viele neue Impfstoffe auf den Markt gekommen. Das habe die Transparenz reduziert. Novartis habe beispielsweise erstmals Impfstoffe verkauft, die nicht in Eiern gezüchtet wurden. Zwei Tatsachen ärgern Margrit Kessler. Erstens, dass so viel Geld für nichts in den Sand gesetzt wurde. Zweitens: «Künftig wird es schwieriger, bei einer wirklich gefährlichen Pandemie die nötige Aufmerksamkeit zu erregen.» Gefährlich wäre gemäss Kessler beispielsweise die Vogelgrippe. «Für mich ist wahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie hinter der ganzen Hysterie steckt», so die SPO-Expertin. Sie ergänzt, dass die Schweinegrippe bereits 1976 in unserem Land ohne verheerende Folgen aufgetreten sei.

Der Bürger zahlt

Die WHO erntet für ihr Vorgehen Kritik. Bei einer Anhörung vor dem Europarat warfen Abgeordnete der Organisation vor, die Schweinegrippe auf Druck der Pharmaindustrie voreilig zur Pandemie erklärt zu haben. Dies bestreitet die WHO aber heftig. Sie streitet hingegen nicht ab, dass die Verbindungen zwischen WHO und Industrie eng sind. Man sei auf das Wissen der besten Experten angewiesen, so die Begründung. Die Kosten für die im Rückblick hysterische Vorsorge zahlt grösstenteils der Steuerzahler und teilweise auch die Krankenkassen.

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  • silvi am 21.04.2010 19:20 Report Diesen Beitrag melden

    besser als sterben

    Ich bin froh das ich die Impfung gemacht habe es gab ja einige Fälle von der Grippe. Will mir nich vorstellen wieviel ich als Altenpflegerin anstecken hätte können.Medizin sei Dank

    • Robert Holzwart am 24.04.2010 12:33 Report Diesen Beitrag melden

      blöde Aussage

      ich bin froh, dass ich nicht auf die Strasse ginge. es gab ja einige fälle von unfällen. soll nun der bund ein mulitmilliardenprogramm zur impfung gegen autos aufziehen...

    einklappen einklappen
  • alphornbläser am 21.04.2010 18:12 Report Diesen Beitrag melden

    wehe, wenn...

    Im Nachhinein ist auch der "kleine Bünzli" schlauer ... und regt sich nun furchtbar auf... Gab es am Anfang nicht ein Riesengeschrei, als die Schweiz noch etwas Verspätung hatte? Gab es nicht Leute, die über die Grenze gingen, um "ihre Impfdosis" subito im Ausland zu erhalten? - Auch die Behörden sind keine Hellseher: wehe, wenn sie nichts gemacht hätten...

  • Werner Nyffenegger am 21.04.2010 15:51 Report Diesen Beitrag melden

    BAG kanalisiert zur Pharma

    Wir bräuchten einen Bundesrat der die Pharma in die Pflicht nimmt und nicht umgekehrt !

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