Weihnachtsmärkte

11. Dezember 2009 10:46; Akt: 11.12.2009 12:41 Print

Millionenumsätze in  HolzhäuschenMillionenumsätze in Holzhäuschen

Anders als in Deutschland haben Weihnachtmärkte in der Schweiz keine jahrhundertelange Tradition. Dennoch florieren sie prächtig. Offensichtlich lassen sich die Schweizer gerne von Glühwein, Weihnachtsduft und elektrischen Kerzen in einen Kaufrausch versetzen.

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Menschen tummeln sich um die Holzhäuschen am Eröffnungstag des Weihnachtsmarktes auf dem Barfüsserplatz in Basel am Donnerstag, 26. November 2009 (Bild: Keystone)

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Der Markt mit den meisten Besuchern ist mit Sicherheit jener im Zürcher Hauptbahnhof, der dieses Jahr zum 16. Mal durchgeführt wird. Durchschnittlich 15 000 Besucher strömen pro Tag zwischen den Holzhäuschen in der Bahnhofshalle hindurch und um den riesigen Tannenbaum mit den Swarovski-Kristallen herum. An manchen Tagen gibts kaum mehr ein Durchkommen.

Das lässt bei den Standbetreibern und den Organisatoren die Kassen klingeln. Zahlen gibt das Marketingbüro CP9, das sowohl den Weihnachtsmarkt im Zürcher als auch im Luzerner Hauptbahnhof organisiert, nicht preis. Die Umsätze müssen sich allerdings in Millionenhöhe bewegen.

Denn alleine die Miete der Bahnhofsflächen dürfte für die Dauer des Weihnachtsmarktes rund 700 000 Franken kosten, dazu kommen hohe Logistik- und Sicherheitskosten. Jeder Standbetreiber zahlt für sein Häuschen eine Miete von rund 7500 Franken und liefert darüber hinaus eine Beteiligung an seinem Umsatz ab.

Für versierte Standbetreiber sei der Markt tatsächlich ein einträgliches Geschäft, bestätigte Stephan Dübi, Mediensprecher des Christkindlimarktes, auf Anfrage. Das zeige sich auch darin, dass für die 160 Marktstände dieses Jahr rund 400 Bewerbungen eingegangen sind.

Familiäre Ambiance

Ein starker Magnet für Kundschaft sind aber auch kleinere und weniger lang dauernde Märkte. Zudem belaufen sich deren Standgebühren oft nur auf einen Bruchteil derjenigen im Zürcher Hauptbahnhof, wodurch der Umsatzdruck für die Händler und Marktfahrer sinkt.

Einer der bekanntesten Weihnachtsmärkte der Schweiz ist jener in aargauischen Bremgarten. Über 100 000 Besucher zog der viertägige Adventsanlass heuer in das malerische Städtchen an der Reuss. Dieses hatte sich unter anderem mit einem Park-and-Ride-Service für den Ansturm gerüstet und auf dem Carparkplatz wurden gegen 160 Busse gezählt.

Erfolgsrezept des Bremgartner Marktes ist die besondere Ambiance in den dekorierten Gassen. Weil viele Verpflegungsstände von örtlichen Vereinen betrieben werden, hat der Weihnachtsmarkt trotz der vielen Besucher seine familiären Züge behalten.

Keine Konkurrenz für Läden

Anders als jener im Zürcher Bahnhof werden viele Schweizer Weihnachtsmärkte nicht von einem kommerziellen Unternehmen organisiert, sondern oft von Gewerbeverbänden oder Verkehrsvereinen getragen. Denn das Geschäft der Marktfahrer und Händler wird von den Läden längst nicht mehr als Konkurrenz empfunden.

Dass laut einer Studie der Universität St. Gallen nahezu jeder fünfte Schweizer beabsichtigt, seine Geschenke auf einem Weihnachtsmarkt zu kaufen, wollen auch die Läden in den Innenstädten und die Warenhäuser nutzen. Mit Weihnachtsmärkten locken sie zusätzliches Publikum in ihre Nähe.

Aus diesem Grund wurde vor rund 25 Jahren auch der älteste Weihnachtsmarkt der Schweiz im Zürcher Niederdörfli ins Leben gerufen. Marktchef René Spahn achtet nach eigenen Angaben aber darauf, dass das Angebot der Marktstände die Restaurants und Läden nicht direkt konkurrenziert.

Auch für Norbert Alb, Initiant des Weihnachtsmarkts in Winterthur, sind die grossen Einkaufszentren die Hauptkonkurrenz der Läden in der Innenstadt, und nicht die Holzhäuschen mit den Tannenästen auf dem Dach. Dass dank einer Kooperation mit der SBB Publikum aus der ganzen Schweiz nach Winterthur gelockt wird, freut daher die Marktfahrer gleichermassen wie die Ladenbesitzer.

(sda)

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