Saläre

02. April 2011 09:16; Akt: 02.04.2011 09:53 Print

Miss stellt Mister in den Schatten

von Hans Peter Arnold - Die Mister-Schweiz-Wahlen locken fast so viele Zuschauer vor den Bildschirm wie die Miss-Wahlen. Doch beim Verdienst liegen die schönen Frauen klar vorne.

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Mister Schweiz Jan Bühlmann verdiente zwar in seinem Amtsjahr mehr als ein Bundesrat. Miss Schweiz Kerstin Cook wird ihn jedoch übertreffen. (Bild: Keystone)

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Der abtretende Mister Schweiz Jan Bühlmann hat in seinem Amtsjahr 350 000 Franken verdient. Das ist weniger als die Titelträgerinnen verdienen. Im Schönheitszirkus sind Frauen die Grossverdienerinnen. Miss Schweiz Kerstin Cook hat bereits nach sechs Monaten 250 000 Franken verdient. Sie ist damit auf dem besten Weg, die historischen Höchstmarken der ehemaligen Missen Christa Rigozzi und Linda Fäh von rund einer halben Million Franken zu erreichen. Die Höchstmarke bei den Männern lag dagegen bei 450 000 Franken (André Reithebuch) und 420 000 Franken (Renzo Blumenthal). Inklusive der langjährigen Werbeverträge sind die Salär-Unterschiede sogar nochmals massiv höher - zu Gunsten der Missen. Die Ex-Mister verschwinden hingegen rasch von der Bildfläche.

Macht der Organisator von Mister Schweiz einen schlechten Job? «Nein. Es gibt in Europa kein anderes Land, wo die Mister-Wahl so populär ist wie in der Schweiz», wehrt sich Urs Brülisauer von der Mister Schweiz Organisation. Man müsse auch den positiven Trend sehen. «Die Mister Schweiz der vergangenen Jahre verdienen nur noch unwesentlich weniger als die Missen.» Bei Jan Bühlmann würden Naturalleistungen in der Höhe von 100 000 Franken hinzukommen. Allerdings: 30 Prozent des Gesamtsalärs wird gleich wieder abgezogen; das ist die Managementgebühr für die Mister Schweiz Organisation. Das sei im Model-Business üblich, heisst es in der Branche.

«Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft»

Es könne sein, dass ein Mister Schweiz nach dem Wahljahr weniger in der Öffentlichkeit präsent sei, erklärt Brülishauer gegenüber 20 Minuten Online. «Das dürfte jedoch vor allem auf die anderen beruflichen Prioritäten zurückzuführen sein und weniger auf unsere Managementqualitäten.»

Raffy Locher von der Miss Schweiz Organisation: «Im weltweiten Top-Model-Business erhalten Frauen auch mehr als Männer. Das ist eine Tatsache.» Was langjährige Sponsorenverträge betreffe, habe aber die Mister Schweiz Organisation das Potenzial der ehemaligen Titelträger noch nicht ganz ausschöpft. Locher relativiert: «Allerdings ist eine Miss Schweiz erheblich jünger als ein Mister Schweiz. Das bedeutet, dass eine Miss Schweiz meistens erst am Anfang ihrer beruflichen Entwicklung steht und offen ist für den Sprung ins Showgeschäft.»

Locher bestätigt unter anderem das Jahressalär von Linda Fäh in der Höhe 480 000 Franken. Bei diesen Honoraren seien geschenkte Sachwerte - Auto, Uhren, Schmuck - nicht enthalten. Effektiv erhält die Miss Schweiz nach Abzug aller Gebühren, inklusive Managementgebühren, AHV und Sozialleistungen 67 Prozent der Bruttosumme. Der Abzug beträgt also rund ein Drittel.

Frauen werden bevorzugt

«Es ist einfach so, dass Frauen in der Werbung eher Männer ansprechen würden als dies mit Männern der Fall sei», meint Thomas Helbling, Marketing-Professor an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Zudem gebe es viele Segmente wie die Textilbranche, wo das Angebot für Frauen gross sei und wo die weibliche Kundschaft auch die entsprechende Werbung genau beobachten würde. Helblings Fazit: «Dass Frauen in der Werbung eine Präsentationsrolle einnehmen, ist ein generelles gesellschaftliches Phänomen.»