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18. April 2011 07:20; Akt: 21.06.2011 17:22 Print
Mysteriöse Fonds, knausrige Sparkonti
von Gérard Moinat - Schweizer haben von Finanzfragen keine Ahnung – und investieren trotzdem. Das ist nicht ganz ungefährlich. Die wichtigsten Tipps.
Schweizer sollten sich das Investieren ihrer Fünfer und Fünfziger besser durch den Kopf gehen lassen. (Bild: Keystone)
Nicht einmal jeder dritte Schweizer weiss bei Finanzfragen gut oder sehr gut Bescheid. Das zeigt eine Umfrage von AXA Investment Managers Schweiz. Video
Investieren 2.0
Kassenobligationen
Obligationen, die laufend von Banken ausgegeben werden. Die Laufzeit beträgt meist zwei bis acht Jahre, höchstens aber zehn Jahre. Jedes Jahr fällt ein festgesetzter Zins — oder eben Coupon — an. Den Coupon konnte ein Inhaber früher vom Wertpapier abschneiden und so den Zins einfordern. Sparkonti
Spareinlage in der Form eines Bankkontos. Dem Sparzweck entsprechend, ist beim Sparkonto im Vergleich zum Privatkonto die Verfügbarkeit limitiert. Dafür wird das Sparkonto höher verzinst. Zahlungen zu tätigen ist damit jedoch nicht möglich. Strukturierte Produkte
Kombination von zwei oder mehreren Finanzinstrumenten, die zusammengefasst ein neues Anlageprodukt bilden. Mindestens eines der beiden Instrumente muss dabei ein Derivat sein; also ein synthetisches Finanzprodukt, das mit einem oder mehreren zugrunde liegenden Basiswert (wie Aktien, Anleihen, Indizes etc.) verbunden ist.
Nach der Befragung von rund tausend Schweizern kommen die Studienautoren zum Schluss, dass sich deren Wissensniveau bezüglich Investmentfonds auf «eher niedrigem Niveau» befindet. 20 Minuten Online nimmt sich deshalb den häufigsten Fragen an.
Fonds scheinen mir zu kompliziert. Soll ich stattdessen Kassenoblis kaufen?
«Zwar erscheinen Kassenobligationen oder Sparkonti auf den ersten Blick als einfache und sehr sichere Anlageformen», sagt Rolf Biland, Leiter Anlagestrategie beim Vermögenszentrum VZ. Bei Kassenobligationen droht jedoch das Risiko, dass sie sich nach einiger Zeit und einem höheren Zinsniveau als unattraktiv herausstellen. «Sobald der Coupon der Kassenobligation von den Kapitalmarktzinsen überholt wird, hat man ein Problem», warnt Biland. Denn mit einem Zinsanstieg zieht auch die Inflation an – das Ersparte wird rascher entwertet als Zinsen aufs Konto fliessen.
Mit dem Sparkonto habe ich einen solchen Ärger nicht…
Stimmt. Aber die Ertragsmöglichkeiten sind begrenzt. Der höchste Zinssatz auf Sparkonti in der Schweiz beträgt derzeit minimale 1,30 Prozent.
Sind Einzelaktien nicht überschaubarer als ein komplexer Fonds?
«Einzelanlagen erfordern ein massiv höheres Finanz-Know-How als Fonds und sind erst noch risikoreicher», warnt der VZ-Experte. Denn eine Risikoverteilung oder Diversifikation ist viel schwieriger und teurer – und deshalb «kaum eine Variante für Ungeübte». Trotzdem geben in der AXA-Studie (vgl. Box) lediglich 16 Prozent der Schweizer an, Fonds zu besitzen. 2007 waren es noch 20 Prozent.
Warum soll ich in einen Fonds investieren?
Gerade in Zeiten tiefer Zinsen ist es deutlich ertragsreicher, das Geld breit gestreut in Anlageklassen wie Obligationen, Aktien, Immobilien oder ausländische Währungen zu investieren. Das geht am leichtesten über Fonds.
Warum nicht das Geld in ein strukturiertes Produkt investieren?
«Strukturierte Produkte sind meist teuer, schlecht diversifiziert und der Käufer trägt erst noch das Emittentenrisiko», sagt Damian Gliott von Vermögenspartner in Winterthur. Das heisst: Zum Kursrisiko kommt noch das Risiko der Zahlungsunfähigkeit des Herausgebers hinzu.
Es gibt so viele Fonds. Wie finde ich den richtigen für mich?
Bei der Auswahl des passenden Fonds müssen verschiedene Punkte beachtet werden. Wichtig ist gemäss Biland, nicht wie in einem Supermarkt blindlings einzelne Produkte aus dem Regal zu nehmen oder bestimmten Trends nachzujagen. Sondern: «Anlagen müssen gesamthaft mit den Zielen eines Anlegers zusammenpassen.»
Und wie finde ich heraus, ob ein Fonds meine Ziele trifft?
Sie müssen Fragen, wie «Was macht der Fonds? Worin investiert er? Stimmt das für mich? Habe ich ein gutes Gefühl dabei?» beantworten können. Daneben rät Biland, Zeit zu investieren, um die Kosten und Qualität eines Fonds genau unter die Lupe zu nehmen.
Was sind die grössten Anlagefehler?
Viele Anleger kennen nicht einmal den Namen geschweige denn den Inhalt ihrer Finanzprodukte, erzählt Biland. «Ich erlebe immer wieder, wie viele bei wichtigen Anlageentscheiden leichtfertig vorgehen. Bei einem Autokauf hingegen monatelang akribische Vorbereitung betreiben.»
Wie kann ich mich denn besser informieren?
Heute kann man sich die Möglichkeiten des Internets zu Nutze machen und Produkte vergleichen. Früher habe man Fonds einfach bei der Hausbank gekauft. Heute sei das Bewusstsein, dass es Fonds auch andernorts zu kaufen gibt, viel grösser, sagt der VZ-Experte. Das sei insofern gut, als dass die Selektion des Hausbank-Produkts oft sehr zufällig erfolge und deshalb «grundverkehrt» sein könne. Beruhigend ist hierbei zumindest die Erkenntnis der AXA-Studie, dass der Falschaussage «Fonds kann man nur bei der Hausbank kaufen» nur noch jeder Zehnte aufsitzt.
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Alle 61 Kommentare
































Mysterioese Fonds, knausrige Sparkonti?
Warren Buffet meint: "Wer ein Harem hat, lernt keine Frau richtig kennen!" Das Problem ist, das Banken versuchen mit dem Schwachsinn "Diversifikation" die Menschen in Sicherheit zu wiegen. Das Problem dabei ist, dass man damit versucht, dem Anleger die Verantwortung an einen Fondsmanager delegiert. Welcher CH-Fonds hat zumindest einem 3-Jahres-Rythmus die die Inflation geschlagen (auf 20 Jahre?). Wenn sich ein Anleger mit der Thematik selber auseinandersetzt und sich z.B. mit 5 Titeln konzenzentriert, hat selber viel mehr Erfolg damit, als Dritten die Verantwortung zu überlassen.
Von wegen Boni,...
Von wegen Boni,... Klar hat eine Bank Vorgaben wie viele Produkte sie verkaufen möchte, welche Unternehmung arbeitet schon nicht Gewinnorientiert im heutigen Kapitalismus? Doch auch jeder Anleger ist ja ein absoluter Kapitalist, wenn man bedenkt, dass er mit seinem blossen Geld ebenfalls einen hohen Ertrag erziehlen möchte....
Beratung? .... welche Beratung?
Solange Banken und sog. "berater" nach "Fondsdurchdringungsgraden" provisioniert werden und ihre Boni erhalten, solange werden die Kunden an der Nase herumgeführt. Nicht zu schweigen davon, dass gerademal 2,7% der zugelassenen Fonds in D-A-CH besser sind als die Benchmark und dass über einen Zeitraum von 20 Jahren. Aber Hauptsache die Branche verdient Geld.