Konsum sinkt, Ernte steigt

22. November 2012 14:01; Akt: 29.11.2012 09:52 Print

Nach der Milch- nun die Apfelschwemme

von S. Sturzenegger - Die Schweizer Apfelbauern sind Opfer ihres eigenen Erfolgs: Wegen hoher Erträge gerät der Apfelpreis unter Druck. Einen Exportmarkt gibt es nicht. Das will der Obstverband nun ändern.

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Der Apfel ist mit Abstand die beliebteste Frucht in der Schweiz. Bereits in der Sage um Nationalheld Wilhelm Tell bildet der Apfelschuss den Höhepunkt. Dennoch ist unser Land mit Äpfeln übersättigt. «Im Durchschnitt werden mehr Tafeläpfel produziert als man auf dem Inlandmarkt absetzen kann», sagt Georg Bregy, Vize-Direktor des Schweizer Obstverbands (SOV).

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Laut Schätzungen des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes werden 2012 rund 137'000 Tonnen Äpfel von den Bäumen geholt – das sind 37'000 Tonnen zu viel. Die Schweizer Bevölkerung isst gleichzeitig immer weniger Äpfel. Seit 1999 ist der Pro-Kopf-Konsum um 1,2 auf 17,7 Kilo gesunken.

Kleiner Anteil importiert

Für einmal sind es aber nicht Billig-Importe, die den inländischen Produzenten das Leben schwer machen. Diese werden durch Schutzzölle erschwert: So können nur in den Monaten Juni und Juli Äpfel wie Granny Smith aus Südafrika ohne Schutzzoll importiert werden. Ausserhalb dieser Phase ist jedes Kilo mit einem Zoll von 1.40 Franken belegt. Pro Jahr fallen so weniger als 10 Prozent des Schweizer Apfelkonsums auf Importe ab.

Doch jetzt werden die einheimischen Apfelproduzenten immer mehr Opfer ihres eigenen Erfolgs. Sie produzieren auf immer weniger Fläche immer mehr Äpfel – dank Hagelnetzen, Pflanzenschutzmitteln und Zuchtfortschritten tragen ihre Bäume immer mehr Früchte – die sie nicht loswerden.

Jeder Rappen zählt

Schon kleine Übermengen hätten grosse Preisrückgänge zu Folge, sagt Bregy. Letztes Jahr lag der Kilopreis für Produzenten bei 90 Rappen – ein Tiefpunkt. Ideal wären 1.25 Franken. «In der Branche zählt heute jeder Rappen», sagt Bregy. Der SOV ist deshalb bereit, auch jeden Rappen zu verteidigen. Stattdessen suche man nach anderen Massnahmen.

Überschüssige Tafel-Äpfel auszupressen und Most herzustellen, ist nicht lukrativ, weil auch dieser Markt bereits gesättigt ist (siehe Box). «Wenn es gut kommt, kann man damit gerade noch die Pflückkosten decken», klagt Bregy.

Anbaufläche reduzieren

Eine weitere Möglichkeit ist die Reduktion der Anbaufläche. Diese wurde in den letzten 15 Jahren bereits von 5100 auf 4000 Hektaren reduziert. Bregy sieht dort nur eine langsame Entwicklung: «Wir können keinen Produzenten zwingen, seine Anbaufläche zu reduzieren.» Er kann ihnen lediglich empfehlen, ihre alten Anlagen sukzessive abzubauen.

Als letzte Option setzt der Obstverband jetzt auf eine Ausweitung des Exports. Zurzeit werden pro Jahr lediglich 1500 Tonnen Tafeläpfel ins Ausland verkauft. Viel mehr liegt nicht drin: Auch die EU-Märkte sind gesättigt. Die EU selber verkauft ihrerseits Äpfel nach Russland. «Wir prüfen, ob es Länder ausserhalb der EU gibt, in die wir Äpfel exportieren könnten», sagt Bregy. Um welche Länder es sich dabei handelt, will er noch nicht sagen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hanspeter Kreis am 22.11.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitszeit eines Obstbauern

    Dass ein Obstbauer nur 3 Monate arbeitet ist ein Witz. Von Januar bis April sind die Bäume zu schneiden, was pro ha 60 bis 100 h dauert. Im April wird nachgepflanzt und gebunden. Das Gras wird laufend gemulcht und Unkraut bekämpft. Pflanzenschutz von April bis kurz vor der Ernte. Das Ausdünnen ist zt Handarbeit und sehr aufwendig. Anfangs August bis Ende Nov. wird geerntet, danach Hagelnetze schließen, Unkrautbekämpfung, aufräumen und Neupflanzen. soooo viel süsses Nichtstun bleibt da nicht übrig. wer tauschen will kann dies gerne.

  • Kunde am 22.11.2012 15:59 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Wirtschaft

    Es gibt eine einfache Regel - sinkt der Preis, steigt die Nachfrage! Aber natürlich verdienen die Obstbauern mit den (verlangten) Subventionen noch mehr.

  • Dennis K. am 22.11.2012 14:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gier

    Warum immer mehr und mehr produzieren??? Die Qualität wird nur drunter leiden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Landwirt am 22.11.2012 21:53 Report Diesen Beitrag melden

    Apfelsorten

    Hier wird viel über schlecht schmeckende, mehlige CH-Äpfel geschrieben. Als Bauern muss ich die Apfelsorten, welche vom Händler gewünscht werden anpflanzen, da ich sonst auf meinen Äpfeln sitzenbleibe. Und diese schmecken anscheinend nicht allen Konsumenten. Wenn jemand Glockenäpfel, Booskop, Berner Rosen und so möchte, soll doch mal beim Nachbauern nachfragen, der wird sicher gerne für einen fairen Preis solche von den eigenen Bäumen pflücken.

  • Hanspeter Kreis am 22.11.2012 18:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitszeit eines Obstbauern

    Dass ein Obstbauer nur 3 Monate arbeitet ist ein Witz. Von Januar bis April sind die Bäume zu schneiden, was pro ha 60 bis 100 h dauert. Im April wird nachgepflanzt und gebunden. Das Gras wird laufend gemulcht und Unkraut bekämpft. Pflanzenschutz von April bis kurz vor der Ernte. Das Ausdünnen ist zt Handarbeit und sehr aufwendig. Anfangs August bis Ende Nov. wird geerntet, danach Hagelnetze schließen, Unkrautbekämpfung, aufräumen und Neupflanzen. soooo viel süsses Nichtstun bleibt da nicht übrig. wer tauschen will kann dies gerne.

  • rene Wetter am 22.11.2012 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apfelschorle

    Ich glaube dass die PFZ daran Schuld ist. Die Deutschen haben hier Apfelschorle salonfaehig gemacht und das braucht weniger Äpfel als Süssmost. Die Bauern halten halt nicht viel von Marktwirtschaft und wollen den Zusammenhang von Preis und Absatz nicht erkennen. Vielleicht könnte man einen neuen Apfelschnaps einführen und im Ausland verkaufen

  • tststs am 22.11.2012 17:05 Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    Fakt ist: der Preis den Herr und Frau Produzent bekommt um ihre äpfel zu hegen und zu pflegen, um sie zu Ernten und zu Liefern zu tief ist. Berechnet man den Platz, die Pflegemitteln und den Transport bleibt nach abzug von Fonds ect. nicht mehr viel. Auf deutsch: schätze dass nur einer auf 10 in diesem Forum äpfel erntet im wissen wie viel Fr/Stunde bekommt. Mit diesen Worten möchte ich Herr und Frau Produzent danken, dass sie das für die Gesellschaft auf sich nehmen. Ach ja... Würde jeder 1.- mehr im laden Zahlen, würde diese Geschichte womöglich anders ausgehen.

  • ThomasKnowsBest am 22.11.2012 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überangebot von Äpfeln

    Am liebsten Lebensmittelmärkte ausserhalb der EU mit billigen schweizer Äpfeln unterwandern. Dass man bei Überangebot vielleicht auch weniger Äpfel produzieren könnte und sich stärker auf andere Produkte konzentriert ist den Bauern noch nicht eingefallen. "Subvention für Tradition" müsste das Motto des Bauernverbandes heissen.