Elektrosensibilität

05. Februar 2018 17:58; Akt: 05.02.2018 17:58 Print

Strahlungsgegner fordern antennenfreie Wohnzonen

von R. Knecht - Eine neue Petition fordert Wohngebiete ohne Mobilfunkmasten in der Schweiz. Vorbild der Initianten sind rauchfreie Zonen.

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Kurz vor der Lancierung von 5G-Antennen will eine Interessengemeinschaft (IG) aus Hadlikon in Sachen elektromagnetischer Strahlung die Notbremse ziehen. Die IG um Initiantin Kathrin Luginbühl fordert, dass es in ausgewählten Schweizer Wohngebieten keine Mobilfunk-Antennen mehr geben soll. Die Gruppe schlägt das Dorf Hadlikon im Zürcher Oberland als konkrete antennenfreie Zone vor. Die von Funkmasten ausgehende elektromagnetische Strahlung verursacht laut Luginbühl gesundheitliche Schäden. Sie selbst sei seit Jahrzehnten besonders sensibel auf diese Strahlung und leide darum unter anderem an Schlafstörungen und Kopfschmerzen, wenn sie ihr ausgesetzt sei. Laut der Petition sind 5 bis 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung sensibel. Doch die Belastung habe auch Auswirkungen auf Menschen, die nicht zu dieser Gruppe zählen. Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH teilt die Bedenken Luginbühls nicht. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese Antennen mit ihrer Strahlung gesundheitliche Schäden verursachen könnten. Experten seien der Meinung, dass, wenn überhaupt, eher mit der Strahlung des Handys ein Risiko verbunden sein könnte, da dessen Antenne nahe am Körper liegt. Auch einen klaren Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Strahlung sieht Dürrenberger nicht. Die Symptome seien real, das sei unbestritten. Jedoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung die physikalische Ursache ist. Initiantin Luginbühl ist sich bewusst, dass es schwierig ist, die durch Strahlung verursachte Beeinträchtigung nachzuweisen. Sie hält es aber für falsch, dass die Betroffenen die Beweislast tragen müssen. Ihrer Meinung nach müssten stattdessen die Verursacher der Strahlung beweisen können, dass sie keine Wirkung auf die Gesundheit hat. Darum fordert die IG, dass sowohl die heute eingesetzten als auch die geplanten Mobilfunktechnologien einer solchen Prüfung unterzogen werden. Zudem soll der Bund in Zukunft besser verträgliche Technologien erzwingen. Experte Dürrenberger sagt jedoch: «Wenn man drahtlos kommunizieren will, gibt es keine Alternative zur Funktechnologie.»

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Ganze Gebiete ohne Antennen – davon träumt eine Interessengemeinschaft (IG) aus Hadlikon im Zürcher Oberland. Sie will, dass es in ausgewählten Schweizer Wohngebieten keine Mobilfunkantennen mehr geben soll. Am Freitag wird die IG dem Bundesrat und dem Parlament eine Petition unterbreiten.

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«Wir wollen in Bern die Notbremse ziehen», sagt Kathrin Luginbühl, eine der Initiantinnen der Petition, zu 20 Minuten. Bald werden die Konzessionen für 5G vergeben. Auch in der Nähe von Luginbühls Haus in Hadlikon ist eine 5G-Antenne geplant.

Erste strahlungsarme Zone: Hadlikon

Derzeit ist Hadlikon kaum mit Strahlung belastet, wie Luginbühl sagt. Die IG schlägt den zu Hinwil gehörenden Weiler darum als eine der ersten antennenfreien Zonen in der Schweiz vor. Sie verlangt zudem, dass weitere klar definierte Orte als «strahlungsarme Zonen» ausgewiesen werden, wo keine Mobilfunkantennen aufgestellt werden dürfen.

Eine wichtige Grundlage für das Anliegen der IG ist der Bericht des Bundesrats zum Schutz vor Passivrauchen aus dem Jahr 2006. Die antennenfreien Zonen verlangt die IG analog zu rauchfreien Zonen. Die Massnahme gelte dem Schutz der Bevölkerung – der volle Name der IG lautet denn auch Interessengemeinschaft Hadlikon zum Schutz der Bevölkerung.

Gesundheitliche Schäden befürchtet

Die von Funkmasten ausgehende elektromagnetische Strahlung verursacht laut Initiantin Luginbühl gesundheitliche Schäden. Sie selbst sei seit Jahrzehnten besonders sensibel auf diese Strahlung und leide darum unter anderem an Schlafstörungen und Kopfschmerzen, wenn sie ihr ausgesetzt sei.

Laut der Petition reagieren 5 bis 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung sensibel auf elektromagnetische Strahlung. Doch die Belastung habe auch Auswirkungen auf Menschen, die nicht zu dieser Gruppe zählen. Das bestätigten viele unabhängige Studien, so Luginbühl. Welche Studien sie genau meint, wollte die Initiantin aber noch nicht verraten. Die verschiedenen Befunde werde die IG am Freitag in Bern vorlegen.

Keine wissenschaftlichen Belege

Gregor Dürrenberger von der Forschungsstiftung Strom und Mobilkommunikation an der ETH teilt die Bedenken Luginbühls nicht. Es gebe keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass die Antennen mit ihrer Strahlung gesundheitliche Schäden verursachen könnten. Experten seien der Meinung, dass – wenn überhaupt – eher mit der Strahlung des Handys ein Risiko verbunden sein könnte, da dessen Antenne nahe am Körper liegt.

Auch einen klaren Zusammenhang zwischen Elektrosensibilität und Strahlung sieht Dürrenberger nicht. Die Symptome seien real, das sei unbestritten. Jedoch sei es sehr unwahrscheinlich, dass die Strahlung die physikalische Ursache ist. «Einiges weist darauf hin, dass die Überzeugung der Menschen, die Strahlung sei schädlich, eine wichtige Rolle spielt», so Dürrenberger.

Sie wohnen neben einer Antenne, die Strahlung ist Ihnen aber egal? Oder merken Sie etwas davon? Erzählen Sie uns von Ihrer Erfahrung.

Verursacher sollen Beweislast tragen

Initiantin Luginbühl ist sich derweil bewusst, dass es schwierig ist, die durch Strahlung verursachte Beeinträchtigung nachzuweisen. Sie hält es aber für falsch, dass die Betroffenen die Beweislast tragen: «Stattdessen sollten die Verursacher der Strahlung beweisen können, dass sie keine Wirkung auf die Gesundheit hat.»

Netzanbieter seien grobfahrlässig vorgegangen, als sie Technologien flächendeckend in Betrieb nahmen, ohne sie ausreichend auf die Umweltverträglichkeit zu prüfen, sagt Luginbühl. Darum fordert die IG, dass alle Mobilfunktechnologien einer solchen Prüfung unterzogen werden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • suchender am 05.02.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    ahaa

    und danach sich aufregen weil man keinen Empfang hat in dieser Siedlung :-)

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  • anton moser am 05.02.2018 18:02 Report Diesen Beitrag melden

    antennentyp

    es würde wohl reichen, die antennengegnwr glauben zu lassen, es gäbe keine...

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  • Sonja Gut am 05.02.2018 18:01 Report Diesen Beitrag melden

    Immer das gleiche...

    Zuerst müssten diese Personen aufs Handy verzichten. Danach sämtliche Kosten für die Verzögerung übernehmen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • elektrosmogsensibler am 21.02.2018 18:51 Report Diesen Beitrag melden

    Solidarisieren

    Leute, solidarisiert Euch und geht auf die Strasse.Nur es muß organisiert werden!!!!!

  • Fabrizio Parro am 08.02.2018 03:12 Report Diesen Beitrag melden

    Weisse Zone auch für WLAN

    Aussenantennen kann man gut mit Alufolie abschirmen. Mit WLAN der Nachbarswohnungen von allen Seiten wird es schon schwieriger. Bei Powerlinestrahlung (PLC/D-Lan), das mittlerweile auch jedes Mehrfamilienhaus verseucht, sind Alufolie und andere leitfähige Abschirmungen kontraproduktiv und verstärken die Strahlung als Antenne, siehe youtube "Powerline Strahlung". In diesen weissen Zonen müssten auch WLAN, DECT, Smartphones mit WIFI und PLC verboten werden, sonst macht das für die Elektrosensiblen keinen Sinn und die Beschwerden bleiben weiterhin bestehen!

  • DonK am 07.02.2018 17:25 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Antennen

    Ich möchte mehr Antennen ! Je näher bei der Antenne, desto weniger stark die Strahlung.

  • Das Gewissen am 07.02.2018 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Verantwortung übernehmen

    Immer das Gleiche: die meisten wollen nicht auf die Bequemlichkeiten verzichten, die Wirtschaft macht was sie kann um Gewinne zu maximieren, die Politik richtet sich nach der Wirtschaft um den Wohlstand zu sichern und schlussendlich will dann niemand die Rechnung bezahlen (Contergan-Skandal, Asbestopfer, radioaktiver Abfall und Stilllegung AKW's, etc. etc.)

  • Rolf am 07.02.2018 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Verbot in Wohn-Quartieren

    Das Bundes-Antennen-Diktatur Reglement muss in der Schweiz entlich abgeändert werden. Es kann nicht sein, das Gemeinden für Einsprachen noch bezahlen müssen, und das Swisscom-Monopol immer Bundes-Recht bekommt.