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Ungewöhnlicher Protest
05. November 2011 17:36; Akt: 05.11.2011 17:37 Print
Nackig gegen Berlusconi
Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi verliert seine treuesten Stammwähler: Die Unternehmer. Um seinen Unmut über die italienische Politik zu äussern, posierte einer jetzt splitterfasernackt.

«Kein Tag vergeht, ohne dass ein italienischer Unternehmer ohne Unterhosen dasteht»: Enrico Frare protestiert nackt gegen Berlusconis Politik (©E-Group SRL).
Seit Jahren sorgt Berlusconi mit seinen Sex-Eskapaden für Schlagzeilen, wird international belächelt. Doch die Unterstützung der italienischen Wirtschaft war ihm stets gewiss. Treu standen die Unternehmer hinter dem Premier. Damit scheint es jetzt aber vorbei zu sein. Die Wirtschaftselite wendet sich immer offener von Berlusconi ab. Manche gehen sogar so weit, sich nackt auszuziehen, um der Welt zu zeigen, wie wenig sie von Berlusconis Politik halten.
Der 36-jährige Enrico Frare war es, der mit seiner Nacktheit für Aufregung sorgte. Anfang 2011 habe er eine fast bankrotte Firma übernommen, die Winterkleidung herstelle, schreibt der «Spiegel». Die Zukunft schien rosig, der ehemalige Skifahrer investierte viel Geld. Es sei eine gut geplante Aktion gewesen. Bevor er den Kaufvertrag unterzeichnete, habe Frare alle Geschäftsbücher geprüft und den Markt sondiert, um zu wissen, wie akzeptiert die Sportmarke war.
Nach anfänglichem Erfolg folgte im August 2011 die Ernüchterung. Frare brauchte einen Kredit. Seine Bank verweigerte ihm diesen. Er probierte es andernorts, allerdings erfolglos. Begründet wurde dies jeweils mit «der Krise». Zufrieden gab sich Frare damit nicht. Stattdessen posierte er nackt in einer ganzseitigen Anzeige, die er selbst bezahlt hatte, der italienischen Zeitung «Corriere della Sera». Darüber steht: «Kein Tag vergeht, ohne dass ein italienischer Unternehmer ohne Unterhosen dasteht.» Jeder Tag könne für ihn und seine Firma die letzte sein, sagt der Unternehmer gegenüber «Zeit Online».
Unternehmer äussern sich öffentlich
Mit der Anzeige hat er sich für eine drastische Protestaktion entschieden. Ein seltener Fall. Weniger selten sind aber Vorfälle wie diese, die Enrico Frare zu seinem Gang an die Öffentlichkeit bewegt hatten. Die Unternehmer haben inzwischen ihr Vertrauen ins Land verloren. Eine schwache Konjunktur und die chaotische Politik macht es den Firmen nicht einfach. Italiens wirtschaftliche Lage ist schlecht, der finanzielle Notstand des Staates erreicht inzwischen über die Banken auch die Betriebe. Das ruiniert immer mehr Firmen. Die Regierung kündigt Reformen an. Eingehalten werden die Versprechen kaum.
Jetzt scheint Berlusconi immer mehr seine treuesten Stammwähler zu verlieren. Nicht jeder zieht blank, um seine Unzufriedenheit zu demonstrieren. Doch immer mehr Unternehmer wenden sich öffentlich von ihm ab. So schaltete Diego Della Valle, Vorstandschef des Lederwarenherstellers Tod’s eine Zeitungsanzeige unter dem Titel «Politiker, die Zeit ist abgelaufen». In einem offenen Brief an die Tageszeitung «La Republicca» verlangte Ferrari-Präsident Luca Cordero di Montezemolo nach einer neuen Regierung. Die Euro-Zone sei in Gefahr, man habe keine Zeit in Italien, um auf eine natürliche Evolution der politischen Situation zu warten.
Rücktritt von Berlusconi gefordert
Auch die Präsidentin des italienischen Industrieverbandes Emma Marcegaglia schlägt Alarm: Die Regierung habe noch immer nicht «kapiert, dass wir einen Schritt vor dem Abgrund stehen», zitiert der «Spiegel». Jahrelang wurden Berlusconis Eskapaden toleriert, jetzt haben die Italiener offenbar genug. Italien leide immer mehr am schlechten Image, das von Berlusconi aufs Land abfärbe, sagt Marcegaglia. «Wir haben die Nase voll, eine internationale Lachnummer zu sein.»
Der Industriellen-Club forderte zusammen mit dem Bankenverband, der Organisation der Kleinbetriebe, der Händler und der Handwerker den Regierungschef dazu auf, ein Reformprogramm vorzulegen oder ansonsten zurückzutreten. Berlusconi erfüllte weder die eine noch die andere Forderung. Frare selbst sieht sich laut «Zeit» nicht als Anführer einer Bewegung aus Unternehmern, die sich gegen Silvio Berlusconi stellen. «Ich bin ein Unternehmer. Ich interessiere mich nicht für Politik.»
Berlusconi auf der Kippe
Doch das politische Schicksal des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi hängt an einem seidenen Faden. Nach dem Austritt zweier Abgeordneter aus seiner Partei der Freiheit hat der 75-jährige im Parlament möglicherweise keine Mehrheit mehr. Die beiden Politiker schlossen sich der oppositionellen Zentrumspartei an, so dass sich Berlusconi jetzt nur noch auf 314 von 630 Mitglieder in der Abgeordnetenkammer stützen kann. Zudem fordern mindestens sieben andere Abgeordnete aus dem Koalitionslager die Bildung einer neuen Regierung.
Sie könnten sich bei der nächsten Abstimmung dem Regierungschef verweigern. «Die Mehrheit schmilzt wie ein Schneemann im Frühling», kommentierte die Wirtschaftszeitung «Il Sole 24 Ore». Für Berlusconi könnte es daher tatsächlich eng werden. Scheitert Berlusconi an der Vertrauensfrage, könnte Staatspräsident Giorgio Napolitano einen anderen Politiker damit beauftragen, eine neue Regierung zu bilden.
(ske)
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Alle 6 Kommentare
































So oder so geht
Berslusconi hier Berlusconi da. Ein Freund von mir hat in Italien 40 Jahre (In Italien kann man nach 40 Arbeitsjahre in Rente gehen) bei der Post gearbeitet und einen Lohn von 1340 Euro netto. Jetzt als pensionierter mit 57 Jahren bekommt er eine Rente von 1280 Euro. Rechnet man die Spesen weg, Arbeitsweg etc.. Verdient er jetzt mehr als, wo er noch gearbeitet hat. Aber noch nicht genug! Er hat sich noch einen neuen Job gesucht und in gefunden. Kein Einzelfall! Also Italien wird auch ohne Berlusconi zugrunde gehen.
Denn sie wissen nicht was sie tun!
Der Pöbel demonstriert gegen Berlusconi. Dabei entgeht ihnen, dass neben Berlusconi keine Alternative besteht und es kein Italien ohne Berlusconi gibt. Sonst endet Italien wie Griechenland im Chaos!
Falsche Frage
Das Problem ist, der Rettungsschirm. Wieso sollte Berlusconi unliebsame Reformen machen. Wenn alles Bachab geht gibt es ja Geld von der EU. Und was noch tragischer ist und von allen Journalisten hartnäckig verschwiegen wird die italienische Linke bringt nichts und niemand seriöses auf die Beine. So bitter es ist es gibt keine wählbaren Alternativen zu Mister Oberpeinlich.
80 Milionen Italiener...
...und keine Alternative!
leider nicht so
Und wieder nichts verstanden..... . Frau Sonia S. , haben Sie schon mal in Italien gearbeitet, mit italienischen Firmen gearbeitet?? Wohl kaum. Ich schon, und ich hab vor diesen Menschen sehr grossen Respekt, ich hab auch sehr grossen Respekt vor kleinen Firmen, die trotz dieser Regierung sehr zuverlässig arbeiten und Kunden anständig bedienen. Vom Rettungsschirm hat der italienische Bürger nichts, im gegenteil, und ebenso wenig der mittelständige Unternehmer. Würdige Alternativen zu Berlusconi gibt es genug, aber ein , für Berlusconi massgeschneidertes Wahlgesetz, verhindet echte Wahlen.
Fakten
Dann nenn doch eine Alternative, nur eine, reicht mir schon.