Alertswiss 2.0

09. September 2016 10:13; Akt: 09.09.2016 10:13 Print

Nationale Alarm-App warnt Volk ab 2017 vor Terror

von S. Spaeth - Bei Terror oder Katastrophen will der Bund die Bevölkerung per Push-Meldung warnen. Nun werden Details zum Alarm-System bekannt. Setzt Bern auf die falsche Technologie?

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Eine giftige Chemiewolke in der Region Basel, eine Flutwelle im Rhonetal, ein Terroranschlag: Vor derartigen Gefahren will der Bund die Bevölkerung in Zukunft per App warnen. Nach den Anschlägen von München hiess es beim Bund, man prüfe ein Alarmsystem.

Umfrage
Wie soll der Bund am ehesten bei Terror-Attacken oder Amokläufen warnen?
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Insgesamt 4958 Teilnehmer

Nun bringen Recherchen von 20 Minuten erste Details ans Licht. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (Babs) sucht einen Hersteller für eine Alarm-App, die im Herbst 2017 für iOS- und Android-Geräte in Betrieb geht.

«Die Bevölkerung soll künftig nicht mehr nur über Sirenen und Radio alarmiert werden», heisst es in der Ausschreibung des Projekts. Stattdessen sollen die Leute in allen Phasen eines Ereignisses regional unterschiedliche Informationen per Push-Meldung erhalten. Zudem plant der Bund, die neue Warn-App im Vergleich mit den bisherigen Radiomeldungen oder dem Sirenenalarm häufiger einzusetzen.

Warn-App kostet über 230'000 Franken

Der Bund hat den Auftrag nach den Richtlinien der Welthandelsorganisation (WTO) ausgeschrieben. Das ist für Aufträge mit einem Wert von über 230‘000 Franken obligatorisch. «Das finanzielle Volumen des ausgeschriebenen Auftrags ist nicht vorgängig definiert und hängt von den Angeboten ab», sagt Babs-Sprecher Kurt Münger zu 20 Minuten.

Das Babs gehe jedoch davon aus, dass der Auftrag Kosten von mehr als 230'000 Franken verursache, weshalb man eine WTO-Ausschreibung publiziert habe. Der Hersteller muss die App programmieren und den Betrieb bis 2022 sicherstellen.

Ist die Warn-App eine Reaktion auf die Terroranschläge der jüngerer Zeit? Das Babs verneint. Eine Ausschreibung nach WTO-Kriterien erfordere einen erheblichen Aufwand. «Als kurzfristige Reaktion auf die Terroranschläge in jüngerer Zeit wäre eine solche Ausschreibung allein aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich gewesen», sagt Münger.

Setzt der Bund auf die falsche Technologie?

Dass der Bund für sein neues Alarmsystem auf eine App setzt, sieht Verivox-Telekomexperte Ralf Beyeler skeptisch: «Der Bund setzt auf eine Technologie, die im Krisenfall das Mobilfunknetz zu stark belastet. Folglich setzt der Bund auf die falsche Technologie.» Der Grund: Im Krisenfall ist die Netzbelastung sowieso schon viel höher als üblich, womit die Gefahr eines Ausfalls des Mobilfunknetzes steigt.

Als geeigneter betrachtet Beyeler darum eine Lösung per sogenanntem Cell Broadcast Service (CB). Dabei senden die Netzbetreiber im Auftrag des Bundes Nachrichten an alle Geräte, die an bestimmten Mobilfunkantennen eingeloggt sind. Ein solches System wird in Japan zur Erdbebenwarnung verwendet.

«Die Smartphone-Hersteller können ihre Geräte neu so ausrüsten, dass automatisch der richtige CB-Kanal aktiviert wird, sobald jemand das Gerät in der Schweiz installiert», so Beyeler. Beim Bund heisst es, der Versand von SMS- oder CB-Meldungen sei zurzeit kein prioritärer Auftrag und sei daher weder Gegenstand der aktuellen Ausschreibung noch konkret geplant.

Vorsorge-Massnahmen treffen

Basis fürs neue Warnsystem des Bundes ist die Alertswiss 1.0. Die von der Zürcher Firma Ubique Engineering entwickelte App ist seit 2015 in Betrieb und soll die Bevölkerung motivieren, vorsorgliche Massnahmen zu treffen, um beispielsweise bei Hochwasser die Schäden zu minimieren.

Gekostet hat das Tool den Bund exakt 148'304 Franken. Bis jetzt wurde die App 38'000-mal heruntergeladen. Mit der alertfähigen Version 2.0 plant der Bund sowohl den Nutzen als auch die Anzahl Downloads zu erhöhen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reisender am 09.09.2016 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    CB würde mehr Sinn machen

    War vor zwei Jahren in New York als plötzlich eine Sturmwarnung auf meinem Handy erschien. Diese wurde von den Behörden via CB an alle Personen geschickt, welche sich im Gefahrengebiet aufhielten. Ohne Installation von irgendwelchen Apps die sowieso niemand hat...

  • Markus Gorn am 09.09.2016 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    Push

    Wunderbar. Ich habe bei meinem Mobiltelefon Push-Nachrichten deaktiviert. In meinem Kollegenkreis handhaben das viele auch so. Wie sollen wir erreicht werden? Ich habe nicht vor, Push-Nachrichten zuzulassen, nur damit ich irgendwann in einem Ernstfahl benachrichtigt werden kann. Und wie soll das mit den Leuten funktionieren, die kein Smartphone besitzen?

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  • john am 09.09.2016 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    informatiker

    per sms oder cb wärs zu einfach. dann könnte man kein geld in it projekte verlochen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • D'accord am 09.09.2016 20:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    I waas nid

    Das kann auch nach hinten los gehn. Panik pur, je nach dem.;/

  • Geissenpeter am 09.09.2016 17:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wer installiert die App?

    Die Wenigsten! Also macht sie auch keinen Sinn. Sie muss entweder ein Teil des Smartphones beim einrichten sein (was unmöglich ist, wenn man das Smartphone im Ausland kauft) oder man bekommt ganz einfach SMS, dafür muss der Bund alle HandyNr. herauskriegen.

  • Klaus Berner am 09.09.2016 17:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer braucht das schon

    Hätte lieber eine App die mich vor kk Prämien Erhöhungen warnt, davor habe ich wesentlich mehr Angst als vor einem terroranschlag.

  • Salva62 am 09.09.2016 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso alles über das Internet?

    Telefonie übers Internet. Warnungen über Apps. Was wird wohl am ehesten ausfallen bei einer Katastrophe? Da wird nichts mehr gehen!

  • Fredy Fred am 09.09.2016 16:27 Report Diesen Beitrag melden

    Alertswiss 1.0

    148'304.- rausgehauen für 32'000 App Downloads. Gratulation, das sind ganze 4'650.- pro Download! Darum jetzt grad nochmals >230'000.- hinterherschmeissen ;)

    • Peider am 10.09.2016 10:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fredy Fred

      richtig rechnen: 4.65 Fr

    • Peider am 10.09.2016 10:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Fredy Fred

      resp. wenn man sogar die richtigen Zahlen aus dem Text nimmt 3.90 Fr.

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