Rive-Reine

16. Januar 2011 12:50; Akt: 16.01.2011 23:09 Print

Nestlé lädt zur geheimen TagungNestlé lädt zur geheimen Tagung

von Sandro Spaeth - Am Montag trifft im Nestlé-Palast die «classe économique» auf die «classe politique». Wirtschaftsbosse und Top-Politiker bestimmen im Verborgenen über die Zukunft der Schweiz.

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Um die Teilnehmerliste der Rive-Reine-Tagung wird ein grosses Geheimnis gemacht. (Bild: Keystone)

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Diskretion ist oberstes Gebot, Verschwiegenheit Pflicht. Um die Teilnehmerliste der Rive-Reine-Tagung wird ein grosses Geheimnis gemacht. Bekannt ist: Es treffen sich die 40 mächtigsten Konzernbosse der Schweiz und einige Spitzenpolitiker; Bundesräte, Partei- und Fraktion-Chefs.

Die Einladung zum Anlass in der Nestlé-Villa Rive-Reine in La-Tour-de-Peilz (nahe Vevey) kommt jeweils direkt aus der Nestlé-Führungsebene. «Unser Gedankenaustausch findet ohne Publizität statt», steht gewöhnlich im Schreiben von Gastgeber und Nesté-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck an die Schweizer Machtelite. Damit appelliert der Weltkonzern an die Verschwiegenheit seiner Gäste.

Die Zukunft der Schweiz

Mitorganisator des Geheimtreffens ist die Denkfabrik Avenir Suisse, was eine von 20 Minuten Online kontaktierte Person aus dem Avenir-Suisse-Management aber weder bestätigen noch dementieren wollte. Moderiert wird der Anlass angeblich von Gerhard Schwarz, dem ehemaligen NZZ-Wirtschaftschef und heutigen Avenir-Suisse-Direktor. Präsent ist traditionell auch die NZZ. Die Zeitung hat über Inhalte des Rive-Reine-Treffens aber stets geschwiegen.

Thema der diesjährigen Geheimtagung sind dem Vernehmen nach Demographie und Migration. «Wir diskutieren über langfristige Trends und Probleme, welche die Schweiz und ihre Wirtschaft betreffen», sagte Altbundesrat und Ex-Nestlé Verwaltungsrat Kaspar Villiger einst zum Publizisten Viktor Parma. Und dieser schreibt in seinem Buch «Machtgier» über das ominöse Treffen: An der Rive-Reine-Tagung werden die Weichen für die Zukunft der Schweiz gestellt.

«Wähler und Politik desavouiert»

Empört über Geheimniskrämerei und fehlende Transparenz der Tagung ist die globalisierungskritische Organisation Erklärung von Bern EvB. «Die hinter verschlossenen Türen eingegangene unheilige Allianz von Firmenbossen und Spitzenpolitikern desavouiert Wähler und Parlament», sagt EvB-Sprecher Oliver Classen zu 20 Minuten Online. In einer spektakulären Aktion projizierten EvB-Aktivisten im vergangenen Jahr mit einem Scheinwerfer den Slogan «Public Eye ist Watching You» auf den Nestlé-Prunkbau – und brachten damit Licht ins Dunkel des Geheimbundes.

Unklar ist, ob die letztes Jahr nicht anwesende SP beim morgigen Rive-Reine-Treffen wieder mit von der Partie ist. Als offiziellen Grund fürs Fernbleiben gab die SP Terminschwierigkeiten an. Hinter vorgehaltener Hand liess die SP aber durchblicken, dass man sich an der Heimlichtuerei des Anlasses störe. Die SP-Spitze war für 20 Minuten Online leider nicht zu erreichen.


Grübel und Schneider-Ammann?

Mit Sicherheit folgen werden dem Aufruf von Nestlé-Präsident Brabeck die Konzernbosse der Schweizer Multis aus Pharma, Banken und Chemie. So waren im vergangen Jahr sowohl Novartis-Chef Daniel Vasalla also auch UBS-CEO Oswald Grübel und EMS-Chemie-Chefin Magdalena Martullo Blocher präsent.

Den Bundesrat vertraten 2010 Wirtschaftsministerin Doris Leuthard und Finanzminister Merz. Hält das Gremium an dieser Regel fest, dürften morgen die Bundesräte Eveline Widmer-Schlumpf und Johannes Schneider-Ammann vorfahren. Womöglich bietet sich Wirtschaftsminister Schneider-Amman ja die Gelegenheit, UBS-Boss Grübel auf Spekulationen der Banken gegen den Euro zu anzusprechen, die den Schweizer Franken stärker und stärker machen.

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  • Lopes Pedro am 18.01.2011 18:05 Report Diesen Beitrag melden

    Transparenz - Neutralität - Ehrlichkeit - Menschli

    Das Vertrauen zerbricht.. solch ein Geheimgetue bringt berechtigte Fragen. Dass nur Mächtige und Vermögende eingeladen sind, und ansonsten niemand erfahren darf was besprochen wird, oder gar - wer überhaupt eingeladen ist - stiegert die Neugier und Skteptik. Mit demokratie hat das nichts zu tun. Das Volk kann wählen und stimmen gehen, wie auch immer - die grossen machen "ihre Sache"...

  • Top Gun am 17.01.2011 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Produkt der Vergangenheit

    Zinsen sind ein Produkt der Vergangenheit - 0 Zinsen hilft nur den Banken (Finanzindustrie), welche den ganzen Teig angerichtet haben. Wo leben wir eigentlich ? USA gehört downgraded by min. 8 Stufen und der Aktienmarkt bei min. 30% oder mehr !

  • Dayu am 17.01.2011 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Alles geheim!

    Na, dann gute Nacht. Das kann ja nur schlecht für uns normales Volk ausgehen. Die Geheimnistuerei hier nervt. Man sollte ein paar Leute hinschicken, die das aufdecken, was dort besprochen wird!

    • Snoozen am 17.01.2011 13:47 Report Diesen Beitrag melden

      Soll geheim bleiben

      Finde ich nicht... Sie entscheiden über die Zukunft der Schweiz, wenn jeder wüsste wo die hingeht würde doch niemand mehr arbeiten, weil man sein Geld einfacher an der Börse verdienen kann....

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