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08. Dezember 2011 23:40; Akt: 09.12.2011 23:48 Print

Notenbanken wappnen sich für den Euro-Crash

von Sandro Spaeth - Niemand gibt es offen zu, denn nur schon die geäusserte Absicht könnte zum Desaster führen. Dennoch bringen mehrere Zentralbanken Europas das Auseinanderbrechen der Euro-Zone vor.

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Wie lange hält der Euro noch? Zentralbanken rüsten sich fürs Äusserste. (Bild: Keystone)

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Bricht der Euro auseinander, wäre Europa politisch gescheitert. Dieser Tage versuchen die 27 EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel erneut die Rettung. Der Kampf gehe in die entscheidende Phase, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn bereits Anfang Dezember. Offiziell sehen die Regierungen und Notenbanken keine Alternative zum Euro, denn nur schon die Äusserung des Gedankens vom Euro-Zusammenbruch könnte zum Desaster, zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden.

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Im Hintergrund rüsten sich aber verschiedene europäische Zentralbanken für einen Austritt aus der Eurozone. Sie haben den Zusammenbruch der Währungsunion längst durchgerechnet. Das renommierte und stets gut informierte «Wall Street Journal» berichtet unter Berufung auf einen Insider, dass sich einige Notenbanken bereits darum kümmern würden, wo sie ihre neuen Währungen drucken könnten.

Montenegro und Irland rüsten sich

Insbesondere die Zentralbank Irlands halte Ausschau nach zusätzlichen Kapazitäten zum Gelddrucken, falls plötzlich wieder eine eigene Währung eingeführt werden müsste. Irland ist einer der pleitegefährdeten Staaten in der Eurozone und war das erste Land, das 2010 unter den Rettungsschirm flüchtete, sprich um Notkredite gebettelt hatte. Die Vorsichtsmassnahme der Bank of Ireland erstaunt, weil ein Euro-Austritt bisher nie ein Thema war.

Ganz anders in Athen. Selbst Angela Merkel hatte den Griechen mit dem Rausschmiss gedroht. Würde die schuldengeplagte Nation die Eurozone verlassen müssen, sollte die griechische Notenbank laut «Wall Street Journal» über genügend Druckmaschinen verfügen, um wieder eigene Noten herzustellen.

Angeblich ist auch die Notenbank Montenegros in Sorge. Der Kleinstaat ist zwar nicht Mitglied der Eurozone, benützt die Gemeinschaftswährung aber als offizielles Zahlungsmittel. Die Zentralbank-Ökonomen denken nun an Szenarien wie die Übernahme einer anderen oder die Einführung einer eigenen Währung.

Widmer-Schlumpf: «Wir sind vorbereitet»

Der mögliche Euro-Crash beschäftigt aber auch die Schweizerische Nationalbank (SNB). Für sie hätte ein Zusammenbruch massive Konsequenzen. Der Schweizerfranken dürfte unter starken Aufwertungsdruck geraten, da Anleger aus aller Welt in die sichere helvetische Währung flüchten würden. Seit dem 6. September verteidigt die SNB eine Kursuntergrenze zum Euro von 1.20 Franken und betont immer wieder, dass man notfalls bereit wäre, unbegrenzt zu intervenieren. «Im Falle eines Auseinanderbrechens der Eurozone dürfte die SNB aber Mühe haben, die Marke von 1.20 zu verteidigen», so UBS-Schweiz-Chefökonom Daniel Kalt zu 20 Minuten Online.

Bei der SNB gibt man sich auf Fragen zu Szenarien für den Fall eines Euro-Crashs zugeknöpft. «Die SNB prüft permanent alle Massnahmen, die zur Erfüllung ihres gesetzlichen Mandates nötig sind», sagt SNB-Sprecher Walter Meier. Etwas konkreter äusserte sich am Mittwoch Eveline Widmer-Schlumpf im Parlament. «Wir sind selbstverständlich auf mögliche Alternativen vorbereitet und haben Szenarien entwickelt». Laut der Finanzministerin verfolgt eine Expertengruppe aus SNB, Finma und Finanzdepartement die Entwicklung und plant die notwendigen Massnahmen.

Prognose des Schwarzmalers

Selbst die Grossbanken scheinen am Euro zu zweifeln. So rät der US-Bankriese JP Morgan seinen Anlegern, sich gegen den Euro-Kollaps abzusichern. Die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenbruchs beträgt laut den JP-Morgan-Spezialisten 20 Prozent. Noch pessimistischer ist der US-Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini. In seinem Blog beziffert er die Wahrscheinlichkeit eines Crashs der Eurozone während der nächsten zwei bis drei Jahre auf 50 Prozent. Soll man ihm glauben? Immerhin ist Roubini einer der ganz wenigen, die die Finanzkrise vorausgesagt haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chr. Tromsø am 09.12.2011 00:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Norden us Süden

    Schon vor über 100 Jahren wurde mit der lateinischen Münzunion bewiesen, dass verschiedene Kulturen keine gemeinsame Währung haben sollten. Leider wollten es die Berufspolitiker 100 Jahre später nicht wahrhaben. Der Norden ist gegenüber dem Süden gesellschaftlich 2-3 Generationen voraus. Egal in welchem Bereich. Das hält eine Währung nicht aus. Und den Süden zum Glück zwingen sollte ja man doch nicht.

    einklappen einklappen
  • Hans bachmann am 09.12.2011 07:09 Report Diesen Beitrag melden

    Euro

    man braucht nicht US-Wirtschaftsprofessor oder irgen ein anderse Genie zu sein um die Finanzkrise voraus zu sehen. Einfach nur logisch denken, oder glaubt jemand, ein System das auf stetigem Wachstum beruht sei möglich ?

  • Hofer E. am 11.12.2011 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Der Euro muss sterben

    Wann endlich sehen Sie es so nicht weiter geht. Ich als Euro Land würde nur noch schulden machen Deutschland und Frankreich werden sie dann halbieren oder ganz übernehmen also hört auf oder Deutschland und Frankreich gehen mit den Defiziten Länder unter und Bankrott. Ade Euro

Die neusten Leser-Kommentare

  • B. Ernst am 12.12.2011 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Nationale Währung längst beschlossene Sache

    Sorry, ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Die nationale Währung ist längst beschlossene Sache. Warum sonst hätte die Bundesregierung im Dezember 2009, 14 neue Gelddruckmaschinen bestellt. Wer's nicht glaubt der googelt einfach.

  • Wirth, R. am 12.12.2011 09:41 Report Diesen Beitrag melden

    Szenarium für Neuanfang

    Die Leute von der Homepage Global Change 2009 (haben wirklich gute Ideen wie wir die Welt nach dem Crash gestalten könnten. Die Grundidee ist Entmachtung der Banken und totale Marktwirtschaft. Dazu haben sie mehrere gute Filme gemacht. Vor allem muss der Zinseszins bzw. die Geldschöpfung aus dem Nichts abgeschafft werden.

  • Hofer E. am 11.12.2011 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    Der Euro muss sterben

    Wann endlich sehen Sie es so nicht weiter geht. Ich als Euro Land würde nur noch schulden machen Deutschland und Frankreich werden sie dann halbieren oder ganz übernehmen also hört auf oder Deutschland und Frankreich gehen mit den Defiziten Länder unter und Bankrott. Ade Euro

  • Beobachter am 10.12.2011 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Widerspruch

    Auf der einen Seite freie Marktwirtschaft auf der anderen eine künstliche Währungsunion, manchmal frage ich mich wie lange man studieren muss, dass man selber an solche Konzepte glaubt und dabei der Widerspruch nicht sehne kann. Der Euro ist nur ein Mittel zum Zweck.

  • Gody Beck am 10.12.2011 22:56 Report Diesen Beitrag melden

    Crash als Segen

    In der Tat: Griechenland, Portugal und Irland hätte man aus der Euro-Zone rausschmeissen müssen. Der sog. "Euro-Crash" ist in der Tat überfällig. Doch eine verkleinerte Eurozone kann (nach dem schmerzhaften Schnitt) zum Segen werden.