Steuer-Wettbewerb

24. Januar 2018 18:41; Akt: 24.01.2018 18:41 Print

Staatschefs buhlen um den neuen Novartis-CEO

von Isabel Strassheim, Basel - Der neue Novartis-Chef Narasimhan ist ein begehrter Gast vieler Staatschefs. Sie hoffen auf Jobs und locken mit tiefen Steuern.

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Der neue Novartis-Chef: übernimmt im Februar Vakant Narasimhan.

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Die Staaten buhlen um den neuen Novartis-Chef Vas Narasimhan noch bevor er am 1. Februar an die Spitze des Basler Pharmariesen tritt. Am Montag war er zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Versailles geladen, letzten Donnerstag bei Kanadas Präsident Justin Trudeau, und am Mittwochabend reiste er zum Weltwirtschaftsforum nach Davos. Alle versuchen, mehr Investitionen und Jobs von Novartis in ihr Land zu ziehen, und sie locken dabei mit niedrigen Steuersätzen.

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Novartis wird an seiner weltweiten Aufstellung jedoch nichts ändern. «In unserem Herzen sind und bleiben wir schweizerisch», sagte der 41-jährige US-Amerikaner Narasimhan. Der Konzern gehe nicht wegen eines tieferen Steuersatzes in ein anderes Land.

Novartis zahlt 14,4 Prozent Steuern

Dafür gibt es auch keinen Grund: Der effektive Steuersatz von Novartis betrug im vergangenen Jahr 14,4 Prozent. Zum Vergleich: Die UBS hat eine Steuerrate von rund 25 Prozent, Nike kommt auf 13,2 Prozent und die durchschnittliche Steuerrate in den Industrieländern beträgt 24 Prozent.

Die US-Steuerreform mit einem Unternehmenssteuersatz von neu 21 Prozent wird Novartis keine weiteren Erleichterungen bringen. Der Konzern macht dort zwar gut ein Drittel seines weltweiten Umsatzes und betreibt dort auch Forschung und Produktion. Aber die Steuerexposition ist gering, denn die Patentrechte werden überwiegend in der Schweiz versteuert. Die Unternehmenssteuerreform der Schweiz wird so, wie sie jetzt geplant ist, keine grossen Änderungen für Novartis bedeuten.

Medikamentenpreise wichtiger als Steuerfrge

Wichtiger als die Steuerfrage sind für Novartis ohnehin die Medikamentenpreise. Die US-Regierung verhandelt hierüber gerade und der neue Novartis-Chef wird deswegen auch demnächst nach Washington reisen, wie er betonte. Eine der Hauptaufgaben von Narasimhan wird sein, trotz des wachsenden Drucks der Krankenkassen weiterhin hohe Preise halten zu können.

Dies will Narasimhan auch durch ein neues Bezahlsystem erreichen, wofür er das 500'000 Fr. teure neue Krebsmittel Kymriah als gutes Beispiel anführt: Das Medikament wird in den USA für seine Wirkung beim einzelnen Patienten bezahlt, je nach Heilungserfolg kann der Preis deshalb variieren. «Dafür müssen allerdings gute Datensysteme da sein, daran müssen wir in den nächsten Jahren noch arbeiten», sagte Narasimhan.

Novartis soll führend in Digitalisierung werden

Der neue Novartis-Chef will den Konzern zum Weltführer der Digitalisierung in der Pharmabranche machen. «Deswegen werden aber keine Arbeitsplätze gestrichen», sagte Narasimhan. Allein in der Forschung könnten durch gezieltere Probandenauswahl und bessere digitale Auswertung die Kosten um bis zu ein Viertel sinken. «Dennoch braucht es weiterhin Fachkräfte, denn Computer allein reichen nicht aus.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Für alle?? wirklich? am 24.01.2018 20:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht

    Komisch, die Schweiz wird von der Eu auf die schwarze Liste gesetzt, weil sie Firmen Steuervorteile bietet, um Arbeitsplätze in der Schweiz anzusiedeln. Gehe ich jetzt richtig , dass Frankreich ach auf die Liste kommt.

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  • Barbara R. am 24.01.2018 18:54 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch sein und bleiben

    Nehmt die guten Ratschläge einer Grossmutter zu Herzen. Das ist die Zukunft für eine friedliche Welt.

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  • Kurt O am 24.01.2018 18:57 Report Diesen Beitrag melden

    Variable Medikamentenpreise

    Dass die Medikamentenpreise je nach Heilungserfolg bzw. Linderung der Krankheit variiert würden ist zwar Zukunftsmusik, jedoch eine sehr wünschenswerte und hoffentlich erfolgversprechende.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Unistudentin am 25.01.2018 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Apropos

    Risige Konzerne und Monopolien sind sehr schädlich für die Wirtschaft und für die Allgemeinheit. Dies verhindert den Wettbewerb und produziert den Armut. Die Schere zwischen Arm und Reicht wird darurch sehr schnell grösser

  • Te Rasse am 25.01.2018 12:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn nur schon die Hälfte

    Von Allem eingehalten und umgesetzt wird, ist schon mal vieles in Butter

  • Betriebsökonom am 25.01.2018 08:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    Ich war ein wenig erstaunt, dass nach Meinung der meisten hier die Unternehmen sowieso hier in der Schweiz bleiben wegen anderen Vorzügen. Das ist leider realitätsfremd. Sie bleiben hier wegen den Steurvergünstigungen UND den anderen Vorzügen. Sollte etwas wegfallen sind sie in unserer globalisierten Welt schneller weg als man denkt.

  • bea am 25.01.2018 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsche Bescheidenheit

    Bescheiden?? Im Tagesschau Interview sagte er gestern, er sei zu Bescheidenheit erzogen worden. Klar, mit einem Anfangsgehalt von 9 Millionen pro Jahr!! Charakterloser Heuchler

    • asterix am 25.01.2018 08:43 Report Diesen Beitrag melden

      Neid??

      Im Vergleich zu anderen CEO's oder zu seinem Vorgänger ist sein Lohn marktgerecht und aus meiner Sicht sehr bescheiden. Oder soll ein CEO nur 10'000.- / Mt. verdienen? Aus Ihrer Aussage höre ich ein bisschen Neid heraus.

    • Klaus07 am 25.01.2018 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @asterix

      In den 80 Jahren waren 150000 bis 200000 für einen CEO Marktgerecht!

    • Timon am 25.01.2018 09:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus07

      Tja, willkommen im 21. Jahrhundert.

    • Kanni Bori am 25.01.2018 09:08 Report Diesen Beitrag melden

      Andere Zeiten, andere Löhne.

      Heute verdient das jeder einigermassen Begabte im unteren bis mittleren Management. Und damals hatten die auch noch keine Konzerne mit Dutzenden und Hunderten von Mrd. Umsätzen zu lenken.

    • Klaus07 am 25.01.2018 11:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kanni Bori

      Das die Managerlöhne gestiegen sind ist auch klar, ab warum auf Millionenbeträge? Das ist Betrug an der eigenen Firma.

    • Martin am 25.01.2018 13:43 Report Diesen Beitrag melden

      Klaro neidisch

      Klar ist das Neid. Wenn ich mal rechne und für mich ein Jahresgehalt von 100.000,- annehme und für einen CEO 1 Mio. und wenn ich dann annehme, dass ich in meinem Leben 50 Jahre arbeite, dann muss der für das gleiche Geld nur 5 Jahre arbeite. Und wenn ich 10 Mio. für ihn annehme, dann muss der nur ein halbes Jahr arbeiten. Logisch, dass ich da neidisch bin. Wäre ja verlogen es nicht zuzugeben.

    • Klaus07 am 25.01.2018 17:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Timon

      Willkommen im Neoliberalismus der FDP und SVP!

    • asterix am 26.01.2018 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      Verantwortung eines Managers

      @Martin und co. Bei allem Respekt für Ihre Arbeit. Aber Sie vergleichen hier Äpfel mit Birnen. Sie müssen auch nicht ein Milliarden-Konzern führen. Sie müssen auch nicht für Tausende Angestellten Verantwortung tragen. Sie dürfen nach 8 Stunden nach Hause gehen und den Fuss hochheben usw. Jeder, der hier über den Gehalt dieses Managers aufregen, kann sich für seinen Posten bewerben (falls die Fähigkeit dazu vorhanden ist). Ab einer gewissen Lohngrenze kann man diskutieren, ob ein Betrug an seiner Firma vorliegt. Aber bei 9 Mio. ???

    • Eva Grdjic am 26.01.2018 11:12 Report Diesen Beitrag melden

      bewerben

      Und nein, für einen CEO Posten kann man sich nicht bewerben, der wird vergeben. Zumindest bei grösseren Firmen.

    • Zürcher am 27.01.2018 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Klaus07

      In den 80 Jahren hatte ich in Zürich eine schöne 3 Zimmer Wohnung für 800 Fr

    • Drizzt am 10.02.2018 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Zürcher

      Gibts Heute für 950.- mit Genossenschaft. Alles andere ist eh nicht sauber.

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  • Richi B. am 25.01.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geschminkt

    Gut geschminkt der Macron.

    • Te Rasse am 25.01.2018 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Richi B.

      Resultat der gesunden Bergluft

    • Finconor Gmbh am 26.01.2018 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Te Rasse

      Zusätzlich hilft noch Maluns, Capuns und Subvenziuns

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