Modekette

08. Juni 2018 13:10; Akt: 08.06.2018 13:54 Print

OVS streicht 132 Filialen in der Schweiz

Die Tage der Modekette OVS in der Schweiz sind gezählt. Das Unternehmen liquidiert 132 Filialen.

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Mitarbeiter erhielten am Dienstag einen eingeschriebenen Brief von OVS. Ein Leser berichtet, dass bei OVS die Retouren von Kleidern nicht mehr möglich sind. In den Läden sind Schilder zu sehen, die besagen, dass Umtausch oder Rückerstattung wegen der Nachlassstundung nicht möglich seien. Der Verwaltungsrat der Schweizer OVS-Kleidergeschäfte hat beim Bezirksgericht Höfe ein Gesuch um provisorische Nachlassstundung eingereicht, wie das Unternehmen mitteilte. Die Marke OVS habe sich nicht wie gewünscht am Schweizer Markt positioniert. Die anhaltend ungenügenden Umsätze hätten daher zu massiven finanziellen Engpässen geführt, so das Unternehmen. Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert. Damals schrieb Vögele rote Zahlen im zweistelligen Millionenbereich. Stefano Beraldo, der CEO von OVS, sagte bei der Übernahme aber, er werde das Unternehmen wieder auf Kurs bringen und wolle in der Schweiz zum Marktführer werden. Stattdessen steht der Händler hierzulande jetzt vor dem Aus. OVS dürfte den Schweizer Markt unterschätzt haben. Nur weil die Markenvielfalt kleiner sei als in den umliegenden Ländern, dürfe man nicht auf ein weniger umkämpftes Umfeld schliessen, sagt CS-Analyst Sascha Jucker zu 20 Minuten. Für ein schwächelndes Unternehmen ist es zudem schwer, in einem gesättigten Markt wieder zu wachsen. Und der Schweizer Markt war schon vor der OVS-Übernahme weitgehend gesättigt. Das Unternehmen soll laut Medienberichten im April Vermieter seiner Filialen kontaktiert und teils massive Reduktionen gefordert haben. Es scheint, als hätte OVS den teuren Standort Schweiz unterschätzt. Auch der Wechsel vom Namen Vögele zu OVS war riskant: «Ein Rebranding birgt immer das Risiko in sich, dass mehr Stammkunden der alten Marke zur Konkurrenz abwandern, als dass Neukunden gewonnen werden können», erklärt CS-Experte Jucker. Um OVS war es in der Schweiz in Sachen Werbepräsenz relativ ruhig. Charles Vögele warb früher mit prominenten Markenbotschaftern wie Penélope Cruz ... ... und Til Schweiger. Zwar half das nicht direkt gegen die roten Zahlen, immerhin dürfte heute aber vielen der Name Charles Vögele noch geläufiger sein als OVS. OVS hatte es bereits 2000 in der Schweiz versucht. Das Unternehmen, das damals noch Oviesse hiess, zog sich wenige Jahre später aber wieder aus dem Land zurück. Weniger als zwei Jahre sind seit der Übernahme durch OVS vergangen – die vollständige Umstellung von Vögele auf OVS dauerte bis Ende 2017. Das sei normalerweise nicht genug Zeit, um einen Händler wie Vögele aus den roten Zahlen zu hieven, sagt Jucker dazu.

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Bei der Modekette OVS kommt es zum grossen Ausverkauf. Wie OVS gegenüber dem «Blick» bestätigte, liquidiert die Firma 132 Filialen in der Schweiz, darunter den Flaggschiff-Standort an der Sihlstrasse in Zürich.

Nur sieben Filialen werden vorerst nicht aufgelöst. Sie befinden sich in Aigle, Appenzell, Chur, Freiburg, Ilanz, Lugano und Peseux NE.

An diesen verbleibenden Standorten wird es zu einem Totalausverkauf und grossen Rabatten kommen. Es sei nur noch eine Frage der Zeit, sagt OVS-Sprecher zum «Blick». Noch müssten die Kassen umgerüstet und das Personal instruiert werden.

Um von den vergünstigen Preisen zu profitieren, müssen die Kunden bei den Shops vorbeigehen. Ein Bestellen über das Internet wird nicht möglich sein, da der Onlineshop bereits nicht mehr zugänglich ist.

Die rund 140 OVS-Geschäfte in der Schweiz entstanden aus den ehemaligen Filialen von Charles Vögele, die im Dezember 2016 an OVS verkauft worden waren. OVS ist an der Mailänder Börse kotiert.

(fur)