Provokative Studie sagt

11. Dezember 2012 10:42; Akt: 11.12.2012 14:53 Print

Ohne Agrar-Spekulanten wäre es noch schlimmer

von Sandro Spaeth - Sie kassieren ab, während andere Hunger leiden. Rohstoffspekulanten gelten als Ursache für explodierende Weizen- oder Sojapreise. Doch nun sagt eine Studie: Ihr Einfluss ist marginal.

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Fluch oder Segen: Handel mit Weizen-Optionen an der Chicago Board of Trade. (Bild: Keystone)

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Rohstoffspekulanten als gewissenlose Zocker, als Hungermacher: Steigen an den Börsen die Notierungen für Reis, Weizen oder Soja, wächst in der Bevölkerung der Unmut. «Sie schädigen mit Spekulation auf Nahrungsmittelpreise das globale Gemeinwohl», schrieb die Nichtregierungsorganisation Foodwatch im Oktober 2011 in einem offenen Brief an den damaligen Deutsche-Bank-Chef Joe Ackermann.

Dem Kampf gegen die Rohstoffspekulanten hat sich auch der Genfer Professor Jean Ziegler, verschrieben. Im Sommer veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel «Wir lassen sie verhungern – die Massenvernichtung in der Dritten Welt». «1,2 Milliarden Menschen haben nicht genug Geld, um die aufgrund von Spekulation gestiegenen Reis- oder Maispreise zu bezahlen», sagte Ziegler im Interview mit 20 Minuten.

Nun dürfte eine neue Studie der Diskussion um Agrar-Zockerei neuen Auftrieb verleihen. «Schadet oder nützt die Finanzspekulation mit Agrarrohstoffen?», heisst die Analyse des Leibnitz-Instituts für Agrar-Entwicklung und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Wenig Befunde?

Die Kernaussage: Die weit überwiegende Mehrheit der Studien kann die in der öffentlichen Diskussion vorherrschenden Befürchtungen – Finanzspekulation würden das Preisniveau für Agrarrohstoffe nach oben treiben – nicht bestätigen. Für einen Zusammenhang würden nur wenige schwache Befunde sprechen.

Bei der globalisierungskritischen Organisation Weed düfte diese Aussage für Empörung sorgen. Die NGO führt eine Liste mit Publikationen, welche die negativen Auswirkungen von Agrarspekulation beweisen. Die Liste führt alleine in der Kategorie «Academic peer reviewed journal articles» 16 Einträge.

Mehr Spekulation beruhigt die Preise

Die deutschen Forscher um Professor Ingo Pies - dem Kritiker schon mal vorwerfen, die Literatur einsteitig zu zitieren - halten den Preisanstieg hingegen für die Folge von realwirtschaftlichen Faktoren. Der zunehmende Wohlstand in bevölkerungsreichen Schwellenländern habe die Nachfrage nach Fleisch gesteigert und damit nach Agrarrohstoffen, die zur Fleischproduktion verfüttert werden», sagte Pies zu Spiegel Online.

Die deutschen Forscher haben für ihre Analyse insgesamt 35 Studien ausgewertet. Zehn Studien gingen konkret der Frage nach, ob die Spekulation das Auf und Ab des Preisniveaus für Soja, Mais & Co. verstärkt hat. Lediglich eine Studie gelangte zu einem spekulationskritischen Befund. Eine andere Studie misst einen statistisch signifikanten Zusammenhang, allerdings ist der Einfluss negativ: Mit steigendem Handelsvolumen sinke die Volatilität.

Spekulationsverbot schlecht für Bauern

Dem Ruf nach Transaktionssteuern oder gar dem staatlichen Verbot von Nahrungsmittelspekulation erteilen die deutschen Wissenschaftler eine Absage: Zahlreiche Studien würden explizit vor einer Überregulierung warnen, da die Agrarmärkte damit nicht besser, sondern schlechter funktionieren würden.

Die Studienautoren warnen zudem davor, den Spekulanten den Zugang zu den Warenterminmärkten zu erschweren. Dies würde dazu führen, dass viele Bauern keinen Tauschpartner finden würden, der sie gegen Preisrisiken absichert. Als Konsequenz müssten die Produzenten ihre Risiken selbst tragen.

Alarm oder Fehlalarm?

Die Schlussfolgerungen, welche die deutschen Wissenschaftler aus den analysierten Studien ziehen, dürfte bei den NGO für Kopfschütteln sorgen: Beim zivilgesellschaftlichen Alarm handle es sich um einen Fehlalarm. Die einseitige Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sei nicht zuletzt erst durch die Finanzkrise möglich geworden, weil in dieser Zeit zivilgesellschaftliche Kritik auf besonders fruchtbaren Boden gefallen sei.

Wer den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen wolle, müsse realwirtschaftlich dafür sorgen, dass das Angebot an Nahrungsmitteln mit der steigenden Nachfrage Schritt halten könne, halten die Studienautoren fest.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • David S. am 12.12.2012 11:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es fing mit Tulpen an und endet mit Hungersnot

    Und wem können wir das verdanken? Richtig den Tulpen! ^^

  • jewels am 11.12.2012 14:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    masterarbeit

    sehr interessant. schreibe gerade meine masterarbeit über dieses thema...

  • Reister am 11.12.2012 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Wer steckt dahinter?

    Es wäre interessant, zu wissen wer diese Studie bezahlt hat: "Wer zahlt befiehlt!"

  • Thomas N. am 11.12.2012 13:58 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch jede Studie ist anders..

    Glaube nie einer Studie, die du nicht selbst manipuliert hast!

  • Joe Kilchmann am 11.12.2012 13:27 Report Diesen Beitrag melden

    Studie

    Um es kurz zu sagen: Trau nur der Studie die du selber gefälscht hast