Detailhandel

21. Februar 2017 19:36; Akt: 21.02.2017 19:36 Print

Onlineshops hängen Shoppingcenter ab

von F. Lindegger - Shoppingcenter kämpfen schon länger mit sinkenden Umsätzen. Und nun haben die grössten Online-Händler erstmals mehr verkauft als die grössten Schweizer Konsumtempel.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Siegeszug des Online-Handels schreitet unaufhaltsam voran. Nun haben die fünf grössten Online-Händler in der Schweiz umsatzmässig erstmals die fünf grössten Shoppingcenter überflügelt. Das zeigt ein Vergleich des Beratungsunternehmens Carpathia. Die Top 5 der Shoppingcenter erwirtschafteten 2015 insgesamt einen Umsatz von 2,103 Milliarden Franken, jene der Online-Shops 2016 rund 2,313 Milliarden Franken. Allein der Online-Shop von Nespresso machte 375 Millionen Franken Umsatz – mehr als das Zürcher Shoppingcenter Sihlcity. Und der grösste Schweizer Online Shop, Digitec Galaxus (704 Millionen Franken), setzte deutlich mehr um als das Glattzentrum (606 Millionen Franken), die Nummer eins unter den Einkaufszentren.

Umfrage
Kaufen Sie in Shoppingcentern ein?
27 %
40 %
33 %
0 %
Insgesamt 618 Teilnehmer

Die Umsatzzahlen der Shoppingcenter beruhen auf Zahlen des Marktforschungsinstituts GFK für das Jahr 2015. Zahlen für 2016 sind noch nicht verfügbar. Dem Vergleich liegt die Annahme zugrunde, dass die «letztjährigen Center-Zahlen wohl maximal jene des Vorjahres erreicht haben», wie Carpathia-Geschäftsführer Thomas Lang schreibt. Die Branche kämpft – wie der gesamte Detailhandel – seit einigen Jahren mit rückläufigen Umsätzen. Auf dem Zenit im Jahr 2010 kamen die Schweizer Shoppingcenter auf einen Gesamtumsatz von 97,8 Milliarden Franken. Seither ging er um über 2 Milliarden Franken zurück, wie aus dem Shoppingcenter Marktreport 2017 hervorgeht.

Ärzte statt Detailhändler

«Shoppingcenter können – was den Umsatz betrifft – nicht mit dem Online-Handel mithalten», sagt Marcel Stoffel, Geschäftsleiter des Branchenverbands Swiss Council of Shopping Centers. Die Einkaufszentren müssten sich deshalb neu erfinden, «das Shoppingcenter als Konsumtempel hat ausgedient». Sie sollen zu Erlebniszentren werden, wo es auch Freizeitangebote und Dienstleistungen gibt. Stoffel erwartet, dass mindestens ein Viertel der Fläche in den Shoppingcentern umgenutzt wird. Anstelle von Händlern könnten etwa Ärzte, Yogastudios oder Kochschulen in die Zentren einziehen.

In der Schweiz gab es während vielen Jahren einen eigentlichen Boom bei Einkaufszentren. Zwischen 2000 und 2015 hat sich die Verkaufsfläche – Bahnhöfe und Flughafen Zürich ausgenommen – fast verdoppelt. Im Herbst öffnet die Mall of Switzerland in Ebikon im Kanton Luzern ihre Tore. Sie wird mit einer Verkaufsfläche von rund 46'000 Quadratmetern zu den fünf grössten Zentern der Schweiz gehören. Doch das ist eine Ausnahme. Mit dem Centro Ovale in Chiasso gibt es bereits ein Einkaufszentrum, das seit eineinhalb Jahren fast vollständig leersteht. Beim erst 2009 fertiggestellten Basler Einkaufszentrum Stücki werden zwei Drittel der Verkaufsfläche in Kinos umgewandelt. Das Shoppingcenter A1 in Oftringen wird künftig zu einem grossen Teil als Baumarkt genutzt.

Shoppen am Bahnhof im Vormarsch

Doch nicht alle Einkaufszentren treffen die jüngsten Entwicklungen gleich hart. Die Shoppingcenter in den Bahnhöfen oder am Flughafen Zürich florieren dank hohen Frequenzen und liberalen Öffnungszeiten. Auch für kleine lokale Zentren sieht Stoffel gute Zukunftsaussichten. Gleiches gelte für grosse Shoppingcenter mit mehr als 40'000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Einkaufszentren mit Verkaufsflächen zwischen 15'000 und 30'000 Quadratmetern seien dagegen in einer schwierigen Lage. «Sie sind zu gross, um ein Nahversorgungszentrum zu sein, aber zu klein, um von einer Destination sprechen zu können», so Stoffel.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy HR am 21.02.2017 21:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einheitsbrei

    Kein wunder wenn jedes shopping center das gleiche anbietet. Überall nur migros, coop und h&m.

    einklappen einklappen
  • Nick am 21.02.2017 20:32 Report Diesen Beitrag melden

    Am Markt vorbei designed

    Viele Menschen wollen - so wie ich auch - schnell, unkompliziert und möglichst günstig einkaufen. Shopping ist für sie eine Notwendigkeit, kein Vergnügen. Finden was ich brauche, nicht "entdecken" was man mir noch alles andrehen will. Und was machen unsere "Marketingprofis"? Neue Ladenkonzepte, noch grössere Sortimente, noch unübersichtlichere Läden, noch mehr Versuche, die Leute möglichst lange im Laden zu halten. Keine Wunder, gehen viele lieber online Shoppen.

    einklappen einklappen
  • Simba74 am 21.02.2017 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verrückte Welt

    Shoppingcenter neu erfinden? Alles was digital gemacht wird, schadet schlussendlich uns allen. Wir möchten die Ware möglichst billig und heute noch geliefert. Erst wenn alle Jobs digitalisiert wurden, werden alle verstehen dass niemand mehr genug Geld hat .....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani Daniel am 23.02.2017 13:07 Report Diesen Beitrag melden

    Wen Wunderts

    Man darf sich auch nicht wundern, sobald ich nicht im ÖV unterwegs bin meide ich die Stadt, somit auch die Einkaufsmöglichkeiten welche sich darin befinden. Einkaufen nur ausserhalb und mit Parkplätzen auch da werden die Gratisplätze bevorzugt und jetzt jammert weiter. Steht mein Auto in der Garage kann ich bequem am PC Einkaufen und lass es mir liefern somit kein ärger in der Stadt.

  • Juan Escobar am 22.02.2017 22:14 Report Diesen Beitrag melden

    Nur noch Internet

    Die einzigen Läden die ich wirklich besuche, sind Lidl und Aldi. In der CH sind eh alle gleich seit jeher. Und im Internet finde ich (fast) alles was ich brauche, ohne Bus, oder Zugspesen und erst noch schneller als von Laden zu Laden. Ich denke die Zeit der Shoppings ist vorbei.

    • jasmin am 23.02.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Juan Escobar

      nein denke ich nicht denn die normalos gehen unter die menschen und kapseln sich nicht ab weil sie mit der gesellschaft nicht mehr klar kommen.

    einklappen einklappen
  • Bruno am 22.02.2017 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    Nach dem Lädeli-Sterben

    jetzt das Shopping Center Sterben? Offenbar unter dem Motto "Wandel der Zeit" einzuordnen. Unser Einkaufsverhalten ändert sich. Früher ging man in die Molkerei, Bäckerei, Metzgerei und dann noch in die Migros oder in den Coop. Dann wollte man alles in einem Aufwasch erledigen und gleichzeitig noch eine Bluse und ein Paar Schuhe kaufen und ging ins Shopping Center. Und jetzt wird halt vieles online bestellt.

  • noname am 22.02.2017 20:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pro onlineshopping

    Wer aufs Geld achten muss kauft elektronische Geräte am besten Online ein. Via Onlinepreisvergleich kann man so bequem den günstigsten Preis finden. In den allermeisten Fällen fährt man bei Digitec einfach besser !! Und die Lieferung erfolgt schnell und unkompliziert!

  • Testr. Rte am 22.02.2017 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    Yorkdale

    Ich war kürzlich in Toronto, da gab es wirklich gute Laden, nicht drei vier sondern mehrere. Zugleich gab es auch viele kleine Restaurant. Wenn ich in der CH ein Shoppingcenter bertrete, sehe ich max 1 oder 2 Restaurant zudem sind da nur 0815 Läden die man auch in der Stadt findet. Wenn die schweizer Shopping Center weiter leben wollen, müssen die innovativ werden.

    • jasmin am 22.02.2017 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Testr. Rte

      immer mehr immer grösser und doch seit ihr nicht zufrieden.

    • jasmin am 23.02.2017 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Testr. Rte

      ich freue mich immer wenn ich recht habe. schade seit ihr so gierig und mit nichts zufrieden.

    einklappen einklappen