U-Haft verlängert

16. Mai 2018 16:12; Akt: 17.05.2018 08:32 Print

Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz bleibt in U-Haft

Die Zürcher Staatsanwaltschaft verlängert die Untersuchungshaft des Ex-Raiffeisen-Chefs. Zudem wurde das Verfahren auf zwei weitere Personen ausgedehnt.

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Seit drei Monaten ist Pierin Vincenz in Untersuchungshaft. Was hat die lange U-Haft zu bedeuten? «Wenn eine Leiche am Boden liegt, ist meist schnell klar, dass es um ein Tötungsdelikt geht», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Wenn die Indizien hingegen E-Mails oder Verträge seien, gebe es oft . Zudem könne es vorkommen, dass im Lauf der Untersuchung neue Fakten oder Verdachtsmomente auftauchen. «Aus der Länge der U-Haft kann aber nichts abgeleitet werden, was selber anbelangt», erklärt der Experte. «Nein, das ist in meinen Augen sicherlich nicht der Fall», sagt Kunz. Die Staatsanwaltschaft werde sich davor hüten, Fehler zu machen. «U-Haft ist für einen Normalbürger eine existenzielle Erfahrung – darum gibt es Leute, die sich am Anfang der Haft etwas antun wollen», sagt Benjamin F. Brägger, Experte für Freiheitsentzug. Untersuchungshäftlinge seien in der Regel . «Wenn man Glück habt, bekommt man eine Normzelle von 12 Quadratmetern, aber die meisten Zellen sind 6 bis 9 Quadratmeter gross.» Häftlinge haben Anspruch auf eine Stunde Spaziergang im Hof. Je nach Anstalt gebe es noch Sport-Angebote, so Brägger. In der Zelle habe es meistens einen Fernseher. Des Weiteren kann Vincenz sich aus der Bibliothek oder von draussen bestellen. Wenn Vincenz mit einem Computer arbeiten will, benötigt er dafür eine Bewilligung. « wird er aber wegen der bestehenden Verdunkelungsgefahr nie bekommen», so Brägger. «Zürich ist verglichen mit dem Rest der Schweiz in Sachen U-Haft eher hart», so Brägger. So herrsche zum Beispiel ein teilweise nicht zu rechtfertigen. «Die Isolation und das Nichtstun, in Kombination mit der Unsicherheit über die eigene Zukunft, stellen dar», sagt Kunz. Bei der U-Haft nimmt die Wahrheitsfindung einen höheren Stellenwert ein als die Freiheit des Einzelnen, erklärt Experte Brägger. , würde ihm finanzielle Genugtuung und Schadenersatz für entgangenen Lohn zustehen. In der Schweiz gibt es keine absolute Frist für die Dauer einer U-Haft. Solange der Haftgrund noch vorliegt, kann sie andauern. «Es gab schon Fälle, wo die U-Haft dauerte», so Brägger. Vincenz ist seit dem 2. März in U-Haft. Der Verdacht der Zürcher Staatsanwaltschaft: Vincenz könnte sich am Verkauf der zwei Firmen Commtrain und Investnet unrechtmässig bereichert haben. Die Verkaufsgeschäfte zwischen Raiffeisen und Aduno könnten Vincenz Millionen beschert haben. Der Churer war von 1996 bis 2015 bei der Raiffeisen tätig.

Zum Thema
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Im Rahmen der Ermittlungen rund um die Vorwürfe gegen zwei ehemalige Verwaltungsratsmitglieder der Aduno Holding AG ist die Staatsanwaltschaft III auf mögliche weitere, strafrechtlich relevante Transaktionen gestossen. Sie hat das Verfahren auf zwei weitere Personen ausgedehnt und an deren Wohn- und Arbeitsorten Hausdurchsuchungen durchgeführt, wie sie am Mittwochnachmittag mitteilt.

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Im Zentrum der Ausweitung des Verfahrens dürfte die Firma Eurokaution stehen. Das Unternehmen, das Mietzinskautionen über Kreditkarten ermöglichte, wurde im Jahr 2014 durch die damals von Pierin Vincenz präsidierte Aduno gekauft. Aduno bezahlte 5,6 Millionen Franken. Laut dem «Tages-Anzeiger» hatte die Firma aber eine Unterbilanz und damit einen viel tieferen Wert. Eine von Aduno in Auftrag gegebene Studie kam allerdings zum Schluss, Eurokaution habe einen Wert von 7 Millionen Franken.

Korrekter Verkaufspreis?

Grösser Aktionär von Eurokaution und war zwischen 2011 und 2014 laut der «NZZ» Ferdinand Locher über seine Luxemburger Beteiligungsgesellschaft Great Star Finance. Bekannt wurde Locher unter anderem durch sein Engagement beim FC Thun. Den Verkaufspreis bezeichnete Locher gegenüber der «NZZ» Mitte März als korrekt, zumal es weitere Interessenten für die Firma gegeben habe.

Gestützt auf die neuen Vorwürfe hat die Staatsanwaltschaft für die beiden ehemaligen Aduno-Verwaltungsratsmitglieder Pierin Vincenz und Beat Stocker Verlängerung der Untersuchungshaft beantragt. Das Zwangsmassnahmengericht hat die Haft um weitere drei Monate verlängert.

Strafverfahren gegen zwei Personen eröffnet

Die Staatsanwaltschaft III für Wirtschaftsdelikte führt seit Dezember 2017 gegen die zwei ehemaligen Verwaltungsratsmitglieder der Aduno Holding AG, Pierin Vicenz und Beat Stocker, sowie drei Personen aus deren beruflichen Umfeld ein Strafverfahren wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung. Vincenz und Stocker befinden sich seit dem 27. Februar 2018 in Haft.

Der Verdacht beruht auf möglichen weiteren strafrechtlich relevante Transaktionen der beiden Hauptbeschuldigten im Zusammenhang mit Akquisitionen der Aduno Holding AG bzw. einer ihrer Tochtergesellschaften.

Die Staatsanwaltschaft III führte zur Klärung der neuen Vorwürfe diverse Hausdurchsuchungen an Wohn- und Geschäftsadressen von zwei involvierten Personen durch, wie sie weiter schreibt. Gegen sie wurde ein Strafverfahren wegen Gehilfenschaft zur ungetreuen Geschäftsbesorgung eröffnet. Um wen es sich dabei handelt, gabe die Staatsanwaltschaft nicht bekannt. Die beiden Personen wurden nach der Einvernahme wieder auf freien Fuss gesetzt. Es gilt für alle Genannten die Unschuldsvermutung.

(oli)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mauro am 16.05.2018 09:00 Report Diesen Beitrag melden

    Verhältnisblödsinn Schweiz

    Wäre wünschenswert wenn auch mit Pädophilen und Gewaltverbrechern, Hooligans und Chaoten so umgegangen würde! Die Sitzen kaum ein Tag in Haft. Ein Witz

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  • Roland am 16.05.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für alle

    Off-Topic: Sitzen die vom Post-Autoskandal eigentlich auch in U-Haft?

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  • retep am 16.05.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Im Zweifel....

    Wie der Fall auch liegen mag und wie die Fähigkeit des Staatsanwalts zu beurteilen sind bleibe dahingestellt. Tatsache ist, dass er wegen Verdunkelungsgefahr in Haft genommen wurde. Wenn es nach so langer Zeit nicht gelungen ist, die Beweismittel zu sichern, stimmt etwas nicht. Wenn man aufgrund der Beweismittel dann das rechtliche Drumherum noch zurecht machen muss, braucht dies keine Haft. Noch gilt der Grundsatz "im Zweifel..." Dieser Grundsatz gilt auch für Neider und andere Kritiker mit ihren persönlichen Meinungen

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Die neusten Leser-Kommentare

  • So Ists am 17.05.2018 12:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Urteil ist gefragt

    Denke das ist Alles nur Show, man sollte solche jetzt entlich mal Verurteilen und einschliessen. Jedoch nicht nur ihn es gäbe noch sehr viele mehr.

    • Xeno72 am 17.05.2018 17:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @So Ists

      Ein Urteil ohne Anklage ist nicht möglich.

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  • Frank am 17.05.2018 10:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rosen

    Mich nimmt das nur Wunder wie das gelaufen ist mit dem Teilhaber Geschäft,der letzte Inhaber ist Ja mehrfacher Millionär und Villa

  • Tina am 17.05.2018 07:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    endlich

    Danke Justiz. Kein Schutz mehr für solche Leute.

  • Daniel2 am 17.05.2018 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Postauto

    Und was ist mit den Verantwortlichen des Postauto-Skandales? Davon hört man nichts mehr. Was ja auch zu erwarten war. Das wird wohl vertuscht.

  • Paul am 17.05.2018 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlussendlich passiert wieder nichts

    Und der feine Herr bekommt noch Geld dafür . Hatten in der Vergangenheit viele solche Beispiele (Swissair, UBS, CS usw)